Verhaltene Modernisierung statt breiter Innovation: Berufsschule und Ausbildung hinken beim Thema Digitalisierung hinterher. Zwar hat das Youtube-Video die DVD abgelöst, zwar werden Unterrichtsmaterialien auch im PDF-Format statt als Fotokopie zur Verfügung gestellt. Doch viele Rektoren der Berufsschulen und Ausbildungsleiter in den Betrieben erkennen im Einsatz digitaler Lernhilfen weniger eine strategische Herausforderung als vielmehr einen Imagefaktor. Nur gut jede dritte Berufsschule hat überhaupt eine gute WLAN-Versorgung. Das geht aus dem "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann Stiftung hervor, dessen erste Ausgabe digitales Lernen in der Berufsausbildung untersucht.
Die 1,34 Millionen Auszubildenden in Deutschland stehen der digitalen Welt sehr viel offener gegenüber als ihre Lehrer und Ausbilder. Berufsschüler setzen digitale Medien – Wikis, Video-Angebote, Chat-Dienste oder soziale Netzwerke – beim Lernen zu Hause wesentlich häufiger ein als im Unterricht oder im Betrieb. In Berufsschule und Betrieb hingegen werden lediglich Wikipedia und andere Wikis von einem nennenswerten Teil der Schüler angewendet. Einzig digitale Präsentationstools kommen im Unterricht häufiger als zu Hause zum Einsatz.
Viele Auszubildende wünschen sich von ihrer Berufsschule einen stärkeren Einsatz digitaler Medien. 93 Prozent der Berufsschüler sprechen sich für einen sinnvollen Mix aus digitalen und analogen Angeboten aus. 85 Prozent sagen, Lehrer sollten "häufiger etwas Neues mit digitalen Medien ausprobieren".


