1. Auflage 2015 (PDF)

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Leseprobe

Einwanderung, Erinnerungspolitik, Israel und die deutsche Geschichte sind Themen, über die in Deutschland regelmäßig diskutiert wird. Berlin, die Hauptstadt des neuen Deutschlands, ist hippe Metropole und Anziehungspunkt für Menschen aus allen Ländern. Was passiert, wenn das alles zusammenkommt, wenn eine Gruppe von Personen diese Themen alle auf einmal repräsentiert? Die Rede ist von den israelischen Einwanderern in Berlin. Im Herbst 2013 diagnostizierten israelische Medien eine neue Auswanderungswelle, die ihren Ausgangspunkt in den sozialen Protesten 2011 und den dabei kritisierten hohen Lebenshaltungskosten in Israel hatte. Daraufhin wurde in beiden Ländern ausführlich über das Phänomen berichtet, dass es viele junge Israelis ausgerechnet nach Berlin, also Deutschland, ziehe. In Israel wurde dies mit einer Mischung aus Besorgnis und Neugier betrachtet, während in Deutschland klar die Neugier überwog. Künstler verarbeiteten die Entwicklung in ihren Werken, wie die israelische Band Shmemel mit ihrem Song „Berlin“.

Trotz oder vielleicht gerade wegen der emotionalen Aufladung des Themas hat die Migration von Israelis nach Berlin fast schon Züge eines Mythos. Empirisch-wissenschaftliche Erkenntnisse liegen bisher jedenfalls kaum vor, und die existierenden Studien sind nur schwer zugänglich. Diesem Mangel will dieser Bericht abhelfen und klären, wie viele Israelis es in Berlin überhaupt gibt und wer sie sind. Weiter sollen die Motive für den Umzug dorthin und der Umgang mit der eigenen Identität untersucht werden.