Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Maximilian Blömer, Andreas Peichl

Für wen lohnt sich Arbeit?

Partizipationsbelastungen im deutschen Steuer-, Abgaben- und Transfersystem

Ausgabeart
PDF / PDF
Erscheinungstermin
17.11.2020
DOI
10.11586/2020074
Auflage
1. Auflage
Umfang/Format
33 Seiten, PDF
Lieferstatus
Lieferbar

Preis

kostenlos

Beschreibung

Das Steuer- und Sozialversicherungssystem in Deutschland setzt falsche Anreize. So werden insbesondere Zweitverdienende in Paarhaushalten mit hohen Steuern und Abgaben belastet, wenn sie eine Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung aufnehmen. Verdient der Mann 48.000 Euro brutto im Jahr, würde die Frau bei einem Stundenlohn von zehn Euro und einem Minijob mit zirka zehn Wochenstunden 5.400 Euro im Jahr hinzuverdienen – und zwar ohne Abzüge aufgrund der Sonderregelung für Minijobs. Wählt sie stattdessen einen Teilzeitjob mit 20 Wochenstunden bei gleichem Bruttostundenlohn, bleiben der Familie 6.293 Euro im Jahr zusätzlich. "Eine Zweitverdienerin müsste doppelt so viel arbeiten, um nicht einmal 1.000 Euro mehr im Jahr in der Tasche zu haben. Die Nettomehreinnahmen stehen in keinem Verhältnis zur zusätzlichen Arbeit", sagt unser Vorstand Jörg Dräger.

Für diese und andere typische Haushaltskonstellationen haben Andreas Peichl und Maximilian Blömer vom ifo Institut in ihrer Studie für uns die sogenannte Partizipationsbelastung untersucht. Sie beschreibt, wie viel Prozent des individuellen Bruttoeinkommens als Steuern und Abgaben sowie durch Transferentzug vom Staat einbehalten werden. Die Autoren weisen auf falsche Anreize hin, die mehrheitlich Frauen betreffen: Von 7,6 Millionen Ehefrauen im Erwerbsalter haben mit 6 Millionen rund drei Viertel ein geringeres Einkommen als der Mann und sind demnach Zweitverdienerinnen. Sie leiden darunter, dass bei der Aufnahme einer Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung Einkommensteuer anfällt, die über dem üblichen Eingangssteuersatz liegt. Grund dafür ist das Ehegattensplitting.

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The tax and social security system in Germany sets the wrong incentives. For example, second earners in couple households in particular are burdened with high taxes and contributions if they take up part-time or full-time employment. If the man earns 48,000 euros gross a year, the woman would earn an additional 5,400 euros a year on an hourly wage of ten euros and a mini-job of around ten hours a week - without deductions due to the special regulation for mini-jobs. If, instead, she chooses a part-time job with 20 hours per week at the same gross hourly wage, the family would be left with an additional 6,293 euros per year. "A second earner would have to work twice as much to not even have 1,000 euros more a year in her pocket. The net additional income bears no relation to the additional work," says our board member Jörg Dräger.

For these and other typical household constellations, Andreas Peichl and Maximilian Blömer from the Ifo Institute examined the so-called participation burden in their study for us. This describes the percentage of an individual's gross income that is withheld by the state in the form of taxes and levies as well as through transfer deductions. The authors point to false incentives that affect a majority of women: Of 7.6 million working-age wives, about three-quarters (6 million) have lower incomes than their husbands and are thus second earners. They suffer from the fact that when they take up part-time or full-time employment, they incur income tax that is higher than the standard input tax rate. The reason for this is spousal splitting.

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