Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Dringend gesucht: Berufsschullehrer

Die Entwicklung des Einstellungsbedarfs in den beruflichen Schulen in Deutschland zwischen 2016 und 2035

  • 1. Auflage 2018, 48 Seiten (Broschur)
  • DOI 10.11586/2018042
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Berufliche Schulen leisten einen wichtigen Teil der beruflichen Bildung. Aber schon seit Längerem fehlen dort eigens für das Lehramt an beruflichen Schulen ausgebildete Lehrkräfte. Bildungsforscher Klaus Klemm zeigt nun, dass sich allein schon aufgrund des Ersatzbedarfs für ausscheidende Lehrkräfte das Problem weiter verschärfen wird. Denn bundesweit ist nahezu die Hälfte aller beschäftigten Berufsschullehrer über 50 Jahre alt. 

Die beruflichen Schulen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Bildung. So werden hierzulande etwa 2,5 Millionen Schüler von rund 125.000 hauptamtlichen Lehrkräften unterrichtet. Schon seit Jahren fällt es allerdings schwer, den Bedarf an Berufsschullehrern mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften zu decken. Vielerorts sind Seiten- und Quereinsteiger in das Lehramt für berufliche Schulen gängige Praxis.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm hat nun untersucht, wie sich der Lehrkräftebedarf und das Lehrkräfteangebot bis zum Jahr 2035 entwickeln werden. Er hat diesen langen Zeithorizont gewählt, da sich die seit 2015 deutlich angestiegenen Geburtenzahlen erst dann auf die beruflichen Schulen auswirken. Betrachtet werden die Entwicklungen für Gesamtdeutschland sowie die Teilregionen Flächenländer West, Flächenländer Ost und Stadtstaaten.

Bezogen auf die Entwicklung der Schülerzahlen in den kommenden Jahren, scheint sich die Situation an den beruflichen Schulen zu entspannen, denn bis zum Jahr 2025 sinken für ganz Deutschland gerechnet die Schülerzahlen an beruflichen Schulen und erreichen den Ausgangswert erst wieder 2035, zum Ende des untersuchten Zeitraums.

Aufgrund der Altersstruktur der Lehrer an beruflichen Schulen wird es allerdings zu einem hohen Ersatzbedarf kommen, der das Problem der fehlenden Lehrkräfte in Zukunft noch weiter verschärfen wird: Fast 50 Prozent der Lehrkräfte sind derzeit über 50 Jahre alt und werden daher in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden. In den Flächenländern Ost ist diese Quote mit knapp 60 Prozent noch einmal deutlich höher.

Betrachtet man die aktuellen Daten aus der Hochschulstatistik, so ist nicht zu erwarten, dass dieser Bedarf durch Absolventen der Lehrerausbildung für das Lehramt an beruflichen Schulen gedeckt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren nicht mehr als 2.000 Absolventen jährlich zur Verfügung stehen, während der Einstellungsbedarf bis zum Jahr 2020 bei ungefähr 4.000 Lehrkräften jährlich liegen wird. Bis zum Jahr 2025 sinkt dieser jährliche Einstellungsbedarf zunächst auf ca. 3.300 Personen, steigt aber bis 2030 auf 4.800 und bis 2035 sogar auf über 6.000 Lehrkräfte an.

Da der Lehrkräftemangel - anders als an Grund- und weiterführenden Schulen - seinen Höhepunkt erst nach 2025 erreicht, kann noch gegengesteuert werden, indem man dafür Sorge trägt, dass wieder mehr Berufsschullehrer ausgebildet werden. Dies entbindet jedoch nicht von kurzfristigen Maßnahmen, um den bestehenden Mangel abzumildern