Jacques Delors Institut – Berlin, Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Jörg Haas

Deutschland und die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion

  • 1. Auflage 2016, 14 Seiten (PDF)
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In der Gründungsphase der Währungsunion konzentrierten sich die deutschen Forderungen auf niedrige Inflationsraten und geringe Staatsverschuldung. Mit Beginn der Krise wurde jedoch deutlich, dass der deutsche Stabilitätsgedanke sehr eng gefasst war. Neben der fehlenden Haushaltsdisziplin trugen andere Faktoren maßgeblich zur Instabilität der Eurozone bei: Sowohl Leistungsbilanzungleichgewichte, als auch das Fehlen von Instrumenten zum Krisenmanagement und die gefährlichen selbstverstärkenden Dynamiken zwischen geschwächten Banken und überschuldeten Staaten wurden vor der Krise weitgehend ignoriert.

Im Verlauf der Krise hat die deutsche Regierung an ihrer traditionellen Vorstellung von Stabilität durch Kontrolle und Überwachung der Mitgliedsstaaten festgehalten. Zugleich hat Deutschland auch immer wieder pragmatisch gehandelt, um die Eurozone zu erhalten. So war das Land maßgeblich an der Schaffung des Europäischen Stabilitätsmechanismus und dem Aufbau einer Bankenunion beteiligt und tolerierte eine Reihe von außergewöhnlichen Maßnahmen der EZB.

Trotz der Reformbemühungen der letzten Jahre weist die Eurozone weiterhin Konstruktionsfehler auf, die die Stabilität der gemeinsamen Währung ernsthaft gefährden. Unter den Mitgliedsstaaten herrscht jedoch Uneinigkeit über die richtige Euro-Architektur: In der aktuellen Reform-Debatte prallen unterschiedliche Wahrnehmungen der Probleme und unterschiedliche politische Präferenzen für die Zukunft der Eurozone aufeinander. Die deutsche Europapolitik sollte sich um eine konstruktive Rolle in den notwendigen anstehenden Reformen bemühen. Hierbei gilt es auszubuchstabieren, unter welchen Umständen eine erhöhte Risikoteilung in der Eurozone für Deutschland tragbar wäre.