Kinder spielen Schach.

Die Illusion der Chancengleichheit

Wie beeinflussen soziale Ungleichheit und Armut die Entwicklungschancen von Kindern und welche Ursachen lassen sich dafür identifizieren? Unsere neue Publikation zeigt, wie sich dieser Frage anhand von kommunalen Routinedaten nachgehen lässt. Im Mittelpunkt stehen Analysen zur Kita- und Grundschulwahl sowie zu Ursachen und Ausmaßen von Einrichtungssegregation.

Foto Regina von Görtz
Dr. Regina von Görtz
Director

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Der vorliegende Bericht "Die Illusion der Chancengleichheit" bietet einen Einblick in die Forschungsstrategie und die Ergebnisse kommunaler Praxisforschung zur frühkindlichen Entwicklung. Durchgeführt wurde die Forschung in enger Kooperation mehrerer Kommunen, der Ruhr-Universität Bochum und der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des NRW-Landesprogrammes „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“(KeKiz).

Drei Ambitionen haben uns als Forschende und Autoren dieses Berichtes angetrieben. Es war zum einen die Frage, wie die soziale Ungleichheit und Armut die Entwicklungschancen von Kindern beeinflusst und welche Ursachen sich dafür identifizieren lassen. Konkreter formuliert: Was verhindert eine gelingende Kindheit und was fördert sie? Das genaue Wissen über derartige Zusammenhänge ist die Voraussetzung für wirksames Handeln. Stellt man sich den Fragen nach den Ursachen nicht, droht Prävention Stückwerk und Blindflug, lediglich gut gemeint, Fehlallokation oder gar nur symbolische Politik zu sein. 

Die zweite Ambition macht die Besonderheit des Projektes aus. Es geht darum, Fragen nach Ursachen und Handlungsansätzen mit kommunalen Routinedaten zu beantworten. Denn, obwohl Bildung, Betreuung, Erziehung und Daseinsvorsorge vor Ort in den Kommunen geschehen, werden kommunale Daten und Informationen in der Wissenschaft und Forschung weitgehend ignoriert. Die Gründe sind vor allem forschungsimminenter Natur, die eine nachhaltige Kooperation von Wissenschaft und Praxis nicht und offenbar zunehmend weniger goutieren. Auf der anderen Seite fehlen in den Verwaltungen meist eigene Kapazitäten für die Auswertung des reichlich vorhandenen und sehr nützlichen Datenschatzes. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie dieses Dilemma durch eine nachhaltige Kooperation zwischen Praxis und Forschung, Kommune und Hochschule gelöst werden kann.