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Was wir erreicht haben: Anschub.de: Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland

Gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus dem Gesundheits- und Bildungssystem hat die Bertelsmann Stiftung das Projekt und das Leitbild der „Guten gesunden Schule“ entwickelt. Ziel der Initiative „Anschub.de“ war es, Prävention und Gesundheitsförderung in den Dienst des Bildungs- und Erziehungsauftrags und damit in die Verbesserung der Qualität von Schulen zu stellen. Bis heute arbeiten mehr als 4.400 Schulen in sieben Bundesländern nach dieser Methode. Das Konzept wurde erfolgreich in andere Länder transferiert und spielte auch bei der Weiterentwicklung der Präventionsarbeit der WHO eine wichtige Rolle.

Bertelsmann Stiftung bildet Expertenkommission „Gesundheitsfördernde Schule“

Seit Aufnahme ihrer Projektarbeit unterstützt die Bertelsmann Stiftung Reformvorhaben im Bildungs- und Gesundheitswesen. Dabei spielen Maßnahmen zur Prävention von Volkskrankheiten eine wichtige Rolle.

Spätestens ab Mitte der 1990er Jahre beobachteten Experten bedeutsame Veränderungen im Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehörte eine Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen und von somatischen zu psychischen Störungen. Hinzu kamen vermehrter Leistungsdruck, Suchtverhalten, Burn-out und Mobbing. Vor diesem Hintergrund hat auch die Prävention in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen.


 

Um neue Lösungsansätze für diese große gesellschaftliche Herausforderung zu erarbeiten, richtete die Bertelsmann Stiftung im Jahr 2000 die Expertenkommission „Gesundheitsfördernde Schule“ unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Paulus, Universität Lüneburg, ein.

Im ersten Schritt nahm die Expertenkommission die Maßnahmen zur schulischen Gesundheitsförderung und Prävention der letzten 20 Jahre unter die Lupe. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass die bis dahin verfolgten Konzepte die in sie gesetzten Erwartungen überwiegend nicht erfüllen konnten.

Als eine der Ursachen wurde herausgearbeitet, dass es sich bei diesen Maßnahmen oftmals um isolierte, von außen an die Schulen herangetragene Angebote handelte. Diese waren beispielsweise von den Trägern der Maßnahmen untereinander nicht abgestimmt und wiesen – etwa im Unterschied zu den Konzepten der betrieblichen Gesundheitsförderung – so gut wie keine Bezüge zum Kerngeschäft von Schulen auf.

Gesundheitsförderung und Prävention wird Teil des Schul­entwicklungs­prozesses

Bei der Entwicklung des neuen Ansatzes zur schulischen Gesundheitsförderung und Prävention wurde daher in einem zweiten Schritt die Verbindung zum Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schulen hergestellt. Dies erfolgte durch die konsequente Einbeziehung in den Schulentwicklungsprozess, der damit zum Motor für eine zielgerichtete Prävention und Gesundheitsförderung wurde.


Qualitätskriterien für die „Gesundheitsfördernde Schule“

In einem dritten Schritt erarbeitete die Expertenkommission Qualitätskriterien für die „Gesundheitsfördernde Schule“. Dabei wurden auch die Ergebnisse der laufenden Schulprojekte der Bertelsmann Stiftung „Selbstevaluation von Schulen“ (SEIS) und „Selbstständige Schule“ mit einbezogen.

Der gesamte Prozess wurde in engem Austausch mit rund 40 nationalen Kooperationspartnern aus dem Bildungssystem sowie dem Sozial- und Gesundheitswesen umgesetzt. Diese Partner waren es auch, die für die Schulen in der Pilotphase an drei Standorten in Berlin, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam die notwendigen Unterstützungsangebote und -strukturen aufbauen und erproben konnten.

Video: Anschub.de - Mit Gesundheit gute Schule entwickeln

Start des Programms „Anschub.de“ mit dem Leitbild der „Guten gesunden Schule“

Auf dieser Grundlage wurde ab dem Jahr 2002 das bisher größte bundesweite Projekt zur schulischen Gesundheitsförderung mit dem Leitbild der „Guten gesunden Schule“ entwickelt. Der programmatische Titel lautete: „Anschub.de – Allianz für nachhaltige Schulgesundheit und Bildung in Deutschland“.

Ziel von „Anschub.de“ war es, Prävention und Gesundheitsförderung „in den Dienst des Bildungs- und Erziehungsauftrags und damit in die Verbesserung der Qualität von Schulen zu stellen“. Dies war nur möglich, weil fast alle national bedeutsamen Institutionen und Organisationen aus den Bereichen schulischer Gesundheitsförderung und Prävention sowie des Bildungssystems bereit waren, das gemeinsam entwickelte Konzept als Partner in einer Allianz zu unterstützen. Dabei reichten die in dieser Phase bearbeiteten Themen von der Gesundheit der Lehrkräfte über die Elternbeteiligung sowie die Gestaltung von Schulgebäuden und deren Freiflächen bis hin zu klassischen Gesundheitszielen wie „Bewegungsfreudige Schule“, „Ernährung“ und „Psychische Gesundheit/Stressprävention“.

Sieben Bundesländer übernehmen das Programm der "Guten gesunden Schule"

 An der ersten Projektphase (2003 bis 2005) zur Umsetzung des Programms der „Guten gesunden Schule“ nahmen drei Bundesländer mit 42 Schulen teil:

In der zweiten Projektphase (2005 bis 2008) übernahmen oder adaptierten vier weitere Bundesländer mit landesweiten Programmen das Konzept der „Guten gesunden Schule“ für ihre Schullandschaft:

Die Bertelsmann Stiftung und die Partner in den beteiligten Bundesländern begleiteten die Programme zur „Guten gesunden Schule“ durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Zu diesen Aktivitäten gehörten neben einer intensiven Pressearbeit zahlreiche Publikationen und Videos..

In Berlin und NRW starten Programme für "gute gesunde Kita"

Etwas zeitversetzt zu diesem Schulprogramm zur Gesundheitsförderung nahm die Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, den Partnern des Landesprogramms „gute gesunde Kita“ Berlin, der Stadt Münster, der Unfallkasse NRW und weiteren Partnern ab dem Jahr 2006 das Projekt „Kitas bewegen – Programm für die gute gesunde Kita“ in Münster und Berlin auf. Hier wurde das Ziel verfolgt, die Bildungs- und Gesundheitschancen von Kindern im vorschulischen Bereich nachhaltig zu verbessern.

Bertelsmann Stiftung übergibt Projektverantwortung an Verein „Anschub.de“

Gemäß ihrer Förderungsphilosophie zog sich die Bertelsmann Stiftung im Jahr 2010 aus der aktiven Projektarbeit in den Landesprogrammen für gute gesunde Schulen zurück, engagierte sich aber bis zum Jahr 2015 weiterhin als Mitglied im gemeinnützigen Verein „Anschub.de“. Dieser Verein übernahm für eine Übergangszeit die Funktion einer bundesweiten Plattform für Bildung und Gesundheit und organisierte den Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Bundesländern und den Partnern. Um einen erfolgreichen Transfer und die Fortsetzung der Initiative zu ermöglichen, wurden die Rechte an allen Instrumenten und Publikationen an die Landesprogramme übergeben.

Meilenstein:

Im Jahr 2012 beschließt die Kultusministerkonferenz (KMK) neue Empfehlungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule

Nach jahrelanger erfolgreicher Umsetzung der „Guten gesunden Schule“ spielte das Konzept bei der Überarbeitung der Empfehlung zur schulischen Gesundheitsförderung und Prävention der Kultusministerkonferenz eine wichtige Rolle. Die KMK beschloss in ihrer Sitzung am 15. November 2012 die „Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule“ .

Diese Empfehlung der KMK war eine Bestätigung des konzeptionellen Ansatzes und ein entscheidender Meilenstein für die weitere erfolgreiche Umsetzung der „Guten gesunden Schule“ in den Bundesländern.

„Gute gesunde Schulen“ in den beteiligten Bundesländern

Seit Aufnahme der Projektarbeit haben mehr als 4.400 Schulen in Deutschland das Konzept der „Guten gesunden Schule“ übernommen (Schätzwerte 2016). Hier die Verteilung auf die einzelnen Bundesländer:

Bayern: rund 600 Schulen

Berlin: rund 300 Schulen

Brandenburg: rund 150 Schulen

Niedersachsen: rund 500 Schulen

Mecklenburg-Vorpommern: rund 200 Schulen

Nordrhein-Westfalen: rund 2.700 Schulen

Thüringen: keine Angaben


Übernahme in Programme und Aktivitäten der Kooperationspartner auf Landes- und Bundesebene

Durch die Neuausrichtung der schulischen Prävention und Gesundheitsförderung gelang es den Kooperationspartnern, das Konzept der „Guten gesunden Schule“ in weitere Programme zu überführen, etwa in das bundesweite Programm „MindMatters“ zur psychischen Gesundheit, in das jährlich rund 1.000 Schulen neu aufgenommen werden. Ein weiteres Beispiel für die Nachhaltigkeit von „Anschub.de“ ist die seit 2014 im Rhythmus von zwei Jahren durchgeführte Konferenz der KMK und der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung zum Thema Gesundheitsförderung und Prävention.

Internationaler Transfer in andere Länder und Organisationen

Bereits während der laufenden Projektarbeit kooperierten die Partner von „Anschub.de“ mit Institutionen und Organisationen in der Schweiz, den Niederlanden, den USA und Österreich. Diese internationale Zusammenarbeit mündete im Jahr 2009 in das von der WHO unterstützte und dann neu ausgerichtete Netzwerk „Schools for Health in Europe“, dem 47 Länder Europas angehören. Auch das „European Foundation Center“ richtete in dieser Zeit eine Arbeitsgruppe zum Thema Gesundheit für Kinder und Jugendliche ein. Daraus entstand das Programm „Learning for Wellbeing“, das von mehreren europäischen Stiftungen betrieben wird. In der Gestaltung des ab dem Jahr 2018 neu eingerichteten UNESCO Chairs „Global Health & Education“ nehmen die konzeptionellen Ideen der „Guten gesunden Schule“ eine zentrale Rolle ein. Damit verbunden ist in den kommenden vier Jahren der Aufbau eines weltweiten Netzwerks.

Programm-Historie

National

  • 2000: Bertelsmann Stiftung beruft Expertenkommission „Gesundheitsfördernde Schule“. 
  • 2002: Start des Programms „Anschub.de“ mit dem Leitbild der „Guten gesunden Schule“ 
  • 2003 bis 2005: Schulen in Bayern, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern übernehmen das Programm
  • 2005 bis 2008: Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen schließen sich an 
  • 2010: Bertelsmann Stiftung zieht sich aus der aktiven Programmarbeit zurück; gehört bis 2015 dem Verein „Anschub.de“ an  
  • 2012: Kultusministerkonferenz (KMK) beschließt „Empfehlung zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Schule“ 
  • 2016: mehr als 4.400 Schulen in sieben Bundesländern arbeiten nach dem Leitbild der „Guten gesunden Schule“ 

International

  • ab 2003: während der laufenden Projektarbeit Kooperation mit internationalen Partnern
  • 2009: Gründung des von der WHO unterstützten Netzwerks „Schools for Health in Europe“, dem 47 Länder angehören