Für Vorspann-Teaser zum RMP 29. Juni 2017, Fotoretusche aus Flaggen und Bild C20A4756-2.jpg -> Dr. Brigitte Mohn neben Präsident Toomas Hendrik Ilves im Präsidentenpalast in Tallinn (September 2016).
Archiv Bertelsmann Stiftung/Hanse Advice, Tallinn

Pressemeldung, , : Reinhard Mohn Preis 2017 an Toomas Hendrik Ilves verliehen

Der Reinhard Mohn Preis 2017 zum zukunftsweisenden Thema "Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital." der Bertelsmann Stiftung wurde heute im Theater Gütersloh verliehen. Preisträger ist der ehemalige Staatspräsident Estlands Toomas Hendrik Ilves. Er ist Vordenker und Antreiber der Digitalisierung in Regierung, Verwaltung und Bildung, heißt es in der Begründung. Während seiner Amtszeit hat er Estland zu einer digitalen Vorzeigenation gestaltet.

Gütersloh, 29. Juni 2017. Der ehemalige estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves (63) hat am heutigen Donnerstag den Reinhard Mohn Preis 2017 zum Thema "Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital." der Bertelsmann Stiftung erhalten. Ilves nahm die mit 200.000 Euro dotierte Auszeichnung aus den Händen der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Liz Mohn entgegen: "Digitalisierung muss jeden Tag aktiv gestaltet werden. Das ist eine Aufgabe, die Gesellschaft und Politik nur im Dialog mit der Wirtschaft lösen können. Ilves hat genau das getan. Das macht ihn zu einem würdigen Träger des Reinhard Mohn Preises."Mit der Preisvergabe würdigt die Bertelsmann Stiftung Ilves als einen Politiker, der die Möglichkeiten der Digitalisierung für gesellschaftlichen Aufbruch früh erkannt hat. "Mit dem Reinhard Mohn Preis ehren wir Persönlichkeiten, die wegweisende Lösungen nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt haben. Toomas Hendrik Ilves ist sowohl Vordenker als auch Antreiber, der Estland im wahrsten Sinne des Wortes zu einem ‚Smart Country‘ gemacht hat", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Preisträger hielt beeindruckende Rede

Estland gilt heute weltweit als digitale Vorzeigenation. Ilves hat mit seinem politischen Gestaltungswillen wesentlich dazu beigetragen, dass Estland die Digitalisierungsbemühungen der einzelnen Ministerien in einer nationalen Strategie gebündelt hat. Als ehemalige sowjetische Teilrepublik hat Estland die frühe und konsequente Digitalisierung auch dazu genutzt, Korruption einzudämmen, den ländlichen Raum infrastrukturell zu fördern und ein offenes Klima der Meinungsfreiheit zu etablieren. Datensicherheit betrachtet Ilves eher als Werkzeug denn als Problem. In seinem Konzept von Datensouveränität sieht er den Bürger als aktiven Gestalter. "Tatsache ist, dass es zwischen Sicherheit und Freiheit keinen notwendigen Gegensatz und kein bedingtes Verhältnis gibt. Man kann beides haben. Sich dessen bewusst zu sein, ist besonders wichtig inmitten der Flut von Vorschlägen im gesamten demokratischen Westen, dass das Kompromittieren der Freiheit im Internetzeitalter notwendig sei, um die Sicherheit zu garantieren", so Ilves in seiner Dankesrede.

Für die Esten ist Internetzugang ein Grundrecht. Eine elektronische Identifikation samt digitaler Unterschrift erlaubt es Estlands Bürgern bereits seit 2002 nahezu alle notwendigen Behördenkontakte online zu erledigen. Bei der elektronischen Identifikation werden alle estnischen Bürger einmal erfasst, danach ist der Staat nur noch Service- und Sicherheitsgarant. Selbst Ausländer können eine virtuelle Identität beantragen, mit der sie Firmen gründen oder Bankgeschäfte erledigen können. "Deutschland muss für die Gestaltung der digitalen Transformation mehr tun. Das ist wichtig für unsere Wettbewerbsfähigkeit und für die Menschen in unserem Land. Dafür braucht es vor allem Mut, Kreativität und Entschlossenheit", sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Die Festrede vor rund 450 Gästen im Gütersloher Theater hielt Prof. Dr. Jan Gulliksen. Er zählt zu den "Digital Champions" für Schweden bei der Europäischen Kommission seit Gründung der Initiative 2012 und ist Dekan der "School of Computer Science and Communication" am Royal Institute of Technology sowie Mitglied der Digitalisierungskommission der schwedischen Regierung. Außerdem ist er Mitglied des Fachbereichs Mensch-Computer-Interaktion am "Royal Institute of Technology" (Königlich-Technische Hochschule) in Stockholm (Schweden). Gulliksen wörtlich: "Toomas Henrik Ilves hat eine wichtige Führungsverantwortung gezeigt. Estland ist in Europa die Nummer 1, wenn es um digitale öffentliche Dienste nach dem Digital Economy and Society Index der Europäischen Union geht." Gulliksen wies außerdem darauf hin, wie wichtig digitale Kompetenzen sind. Dieser Verantwortung müsse auch das Bildungssystem gerecht werden.

Zusatzinformationen

Über den Reinhard Mohn Preis:

Der Reinhard Mohn Preis erinnert an den Gründer der Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn († Oktober 2009). Der Preis wird jährlich verliehen und zeichnet international renommierte Persönlichkeiten aus, die sich um wegweisende Lösungen zu gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen verdient gemacht haben. Die Preisvergabe basiert auf einer weltweiten Recherche nach innovativen Konzepten und exemplarischen Lösungsansätzen für Herausforderungen, die für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands von entscheidender Bedeutung sind. In diesem Jahr heißt das Thema "Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital."