Pressemitteilung, , Gütersloh/Berlin: Deutschland holt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf

Internationale Studie des Bundesfamilienministeriums und der Bertelsmann Stiftung zeigt: Trotz richtiger Weichenstellungen gibt es weiterhin erheblichen Handlungsbedarf

Eine hohe Frauenerwerbstätigkeit und eine hohe Geburtenrate stel­len für eine moderne Familienpolitik keinen Zielkonflikt dar. Vielmehr kann mit den richtigen gesell­schaftlichen Rahmenbedingungen eine positive Dynamik in beiden Bereichen herbeigeführt werden. Das zeigt die aktuelle Studie "Vereinbarkeit von Familie und Beruf im internationalen Vergleich" der Autoren Dr. Werner Eichhorst und Eric Thode im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und des Bundes­familienministeriums.

Neben Deutschland fällt es insbesondere den südeuropäischen Staaten mit einem traditionellen Rollenverständnis schwer, die Konflikte zwischen Berufstätigkeit und Elternschaft zu lösen, stellen die Autoren auf der Basis von Eurostat- und OECD-Daten fest. Zusammen mit Spanien, Griechenland und Italien bildet Deutschland das Schlusslicht sowohl bei der Geburtenrate als auch beim Beschäf­tigtenanteil von Müttern mit Kindern unter fünf Jahren. Während in Portugal, den Niederlanden, Bel­gien, Frankreich und Österreich sowie Großbritannien über 60 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern beschäftigt sind, sind es in Deutschland lediglich 44,3 Prozent und nur 37,1 Prozent der allein erzie­henden Mütter. Hinzu kommt, dass im Anschluss an eine familienbedingte Auszeit oft nur eine Teil­zeittätigkeit mit geringer Stundenzahl ausgeübt wird, obwohl die Erwerbswünsche deutlich umfangrei­cher ausfallen. Die traditionell starke Trennung zwischen Familienverantwortung und Berufstätigkeit zeigt sich auch daran, dass Deutschland mit 44,3 Prozent den höchsten Anteil an Alleinverdiener­haushalten hinter Griechenland aufweist.

Nach dem Befund der Experten befindet sich Deutschland derzeit in einer Übergangssituation hin zu einer modernen Familienpolitik. Sie heben die neuen familienpolitischen Leistungen wie das Eltern­geld und die verbesserte steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten als richtige Weichen­stellungen hervor und identifizieren weitere Ansatzpunkte. Zentrale Handlungsfelder sind dabei die Entwicklung eines privaten Marktes für familienunterstützende Dienstleistungen und weiterhin die Schaffung eines ausreichenden und qualitativ hochwertigen Angebots an Kinderbetreuung. Mit einer Betreuungsquote von weniger als zehn Prozent der unter Dreijährigen liegt Deutschland im europäischen Vergleich weit zurück.

Um die Arbeitsmarktbeteiligung insbesondere von Müttern zu stärken, sehen die Autoren auch Re­formbedarf im Abgaben-, Steuer- und Transfersystem. Beispielsweise werde durch die hohe Einkom­mensbesteuerung des Zweitverdieners noch immer das traditionelle Rollenmodell der Einverdiener-Familien beziehungsweise Hinzuverdiener mit geringfügiger Teilzeittätigkeit verfestigt.


Rückfragen an:  Eric Thode, Telefon: 0 173 / 26 22 199

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