SV Wissenschaftsstatistik gGmbH im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (ed.)

Jana Priemer

Zivilgesellschaftliches Engagement für Bildung

ZiviZ-Survey

  • 1. edition 2016, 47 pp (PDF)
  • ISBN 978-3-00-051044-1
  • Free of charge

Der aktuelle ZIVIZ-Survey zeigt: Der in den letzten Jahren zu beobachtende Wandel des Bildungssystems in Deutschland schafft mehr Raum für zivilgesellschaftliche Aktivitäten.

 

Einem erweiterten Bildungsverständnis folgend, ist  Bildung mehr als Schule. Bildungsprozesse finden sowohl zeitlich als auch räumlich von Schule entgrenzt statt: Gelernt wird ein Leben lang und das an vielen verschiedenen Orten. Auch Schule wird nicht mehr ausschließlich von Schulen selbst gestaltet: Andere Akteure – oftmals zivilgesellschaftliche – werden eingebunden. Sportvereine etwa sind wichtige außerschulische Partner, die dazu beitragen, dass der bundesweite Ausbau des schulischen Ganztags gelingt. Bürgerinitiativen engagieren sich für mehr Bildungsgerechtigkeit. Musikschulen, Volkshochschulen, Theatergruppen und andere bieten außerschulische Bildungsformen an. Fördervereine unterstützen kommunale Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken und Musikschulen. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Aktivitäten, mit denen sich zivilgesellschaftliche Akteure in das Bildungssystem einbringen.
Daher überrascht es wenig, dass Bildung eines der wichtigsten Handlungsfelder zivilgesellschaftlichen Engagements ist. Zu diesem Ergebnis kommt nicht nur der Freiwilligensurvey, sondern auch der ZiviZSurvey, eine repräsentative Befragung der organisierten Zivilgesellschaft bzw. der sogenannten Drittsektor-Organisationen, von denen es in Deutschland immerhin gut 616.000 gibt. Die meisten davon sind Vereine, aber auch Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften zählen dazu. Jede vierte dieser Organisationen verfolgt einen Bildungsauftrag im engeren oder weiteren Sinne. Jede siebte sieht im Bildungsengagement ihre Hauptaufgabe. Damit ist Bildung das drittgrößte Betätigungsfeld nach Sport und Kultur. Trotz dieser eindeutigen Zahlen wissen wir bislang wenig über die aktuelle Situation zum Engagement im Bildungskontext und zu deren Entwicklung. Die wenigen verfügbaren Daten beziehen sich meist nur auf einige Teilbereiche wie etwa die Jugendhilfe oder die freien Träger von Kindertagesstätten, die in den öffentlichen Statistiken gut erfasst sind. Doch wie bereits die angeführten Beispiele zeigen: Die Organisationen sind breit und vielseitig aufgestellt. Wir wissen zwar, dass es heute viele schulische Fördervereine gibt und ständig neue hinzukommen, an belastbaren Daten, die über ihre Arbeitsweisen Aufschluss geben oder auch nur ihre genaue Zahl benennen, mangelt es jedoch. 
Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Sonderauswertung des ZiviZ-Surveys kann nicht alle offenen Fragen beantworten, doch sie ist ein wichtiger Schritt, um die Wissenslücke zur organisierten Zivilgesellschaft im Kontext von Bildung zu schließen.