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, Studie Digitalisierung & Beschäftigung: Sechs Szenarien für Deutschlands Arbeitsmarkt

Die Digitalisierung krempelt bereits den Arbeitsmarkt um. Wie könnten die Rahmenbedingungen für Menschen, Unternehmen und die Politiker aussehen, wenn dieser Trend in Deutschland weiter Fahrt aufnimmt? Arbeitsmarktexperten und Experten aus der digitalen Wirtschaft haben dazu sechs mögliche Szenarien entworfen.

Geht es um die Frage, wie Digitalisierung die deutsche Arbeitswelt verändert, bestimmen Optimisten und Pessimisten die öffentliche Debatte. Eine Seite rechnet mit der Vernichtung von immer mehr Jobs durch Roboter und Algorithmen - die andere sieht in der "Industrie 4.0" den nächsten großen Wachstums- und Beschäftigungsmotor.

In welche Richtungen sich Deutschlands Arbeitswelt zwischen diesen Extremvorstellungen entwickeln könnte, hat die stiftung neue verantwortung nun gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung in einer Studie untersucht. Eine Gruppe von 24 Technologie- und Arbeitsexperten haben sechs Szenarien entwickelt, die ein sehr differenzierteres Bild von den Auswirkungen der Digitalisierung zeichnen: von Deutschland als global erfolgreicher Exporteur digitaler Industriegüter mit bedingungslosem Grundeinkommen, über einen Staat mit wenig Berufschancen außerhalb stark vernetzter Metropolen bis zu einer Arbeitswelt, in der es zwar ausreichend Arbeit gibt, jedoch jeder auf sich allein gestellt ist.

Die Großbaustelle Digitalisierung

“Alle Szenarien machen eines deutlich: Arbeit 4.0 wird zur nächsten politischen Großbaustelle der Digitalisierung in Deutschland”, so Dr. Juliane Landmann, Projektleiterin der Studie. Mehr Flexibilität bei der Ausübung der Arbeit, schnellerwechselnde Qualifikationsanforderungen und die möglicherweise sinkende Nachfrage nach Arbeitskraft erfordern ein Neudenken in Kernbereichen der sozialen Sicherungssysteme und des Arbeitsmarktes. „Der Veränderungsdruck auf Beschäftigte, Arbeitgeber und Sozialstaat wird deutlich steigen – synchron dazu, wie gut der deutschen Industrie der Wandel in eine software- und dienstleistungsintensive Wirtschaft gelingen wird“, so Landmann.

Die Politik sollte sich intensiv mit möglichen Veränderungen am Arbeitsmarkt beschäftigen, um nicht überrascht zu werden. Zunehmend digitalisierte und vernetzte Produktionsabläufe oder plattformähnliche Geschäftsmodelle wie Airbnb oder Uber werden keine Einzelfälle bleiben, sondern Einfluss auf immer breitere Teile der arbeitenden Bevölkerung haben.

“Ein Entweder-oder-Denken, bei der die Digitalisierung entweder massenhaft Arbeitsplätze vernichtet oder zum Motor neuer attraktiver Beschäftigungsverhältnisse wird, kann uns aber nicht weiterbringen”, sagt Dr. Stefan Heumann, Projektverantwortlicher der Studie. “Wenn wir den technologischen Wandel in Deutschland politisch gestalten möchten, müssen wir uns zwischen diesen Extremen mit einer Reihe möglicher Szenarien auseinandersetzen”.  

Politische Herausforderungen erkennen

Erstellt wurden die Szenarien für Planungsabteilungen in Ministerien und Parteien, für Gewerkschaftsorganisationen sowie für Führungskräfte in Unternehmen. In einem Prozess der strategischen Vorrausschau – auch Foresight genannt – entwickelten Arbeitsmarkt- und Technologieexperten innerhalb von zwölf Monaten sechs Szenarien unterschiedlicher Ausprägung. Dabei ging es nicht darum, die Zukunft vorherzusagen, sondern mehrere denkbare Szenarien für einen von der Digitalisierung beeinflussten Arbeitsmarkt nebeneinander zu legen. Ziel dieser Methodik ist es, Herausforderungen für die Politik zu erkennen, für die in allen sechs Szenarien erste Hinweise auf relevante Handlungsfelder enthalten sind. Mit diesen Themen sollten sich Regierung, Gewerkschaften und Unternehmen – unabhängig von konventionellen Zuständigkeits- und Ressortgrenzen – rechtzeitig auseinandersetzen.

Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit der stiftung neue verantwortung. Ansprechpartner für Konzeption und Organisation bei der stiftung neue verantwortung  ist Dr. Stefan Heumann.

Die Szenarien im Überblick:

Publikationen

Publikation: Auf dem Weg zum Arbeitsmarkt 4.0?

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