Ein Mann führt einen Ultraschall am Bauch einer liegenden jungen Frau durch
Veit Mette

Ambulante Versorgung: Auf dem Weg zu mehr Qualitätstransparenz

Täglich fragen sich tausende Menschen in Deutschland, wie sie einen für sich passenden Arzt finden. Doch bislang gibt es wenige vergleichbare Informationen zur Qualität niedergelassener Haus- und Fachärzte. Die Weisse Liste will Orientierung bieten - im ersten Schritt mit einer Arztbewertung neuer Qualität.

Ausgangslage: Hohe Informationsbedarf, wenig Information

Ob zur Früherkennung, zur Behandlung einer Grippe oder zur Therapie einer chronischen Erkrankung: Über 90 Prozent der Deutschen haben mindestens einmal im Jahr Kontakt zu einem Arzt, über 40 Prozent besuchen vier oder mehr Arztpraxen. Doch zu welchem Arzt soll man gehen, wenn man gerade keinen hat – weil man in eine andere Stadt gezogen ist, weil man zu einem neuen Facharzt muss oder weil man unzufrieden mit seinem bisherigen ist? Eine Befragung des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung hat ergeben, dass Patienten in Deutschland sich hochgerechnet rund 17.000 Mal am Tag fragen, wie sie einen guten Arzt finden.

Bislang gibt es jedoch kaum Informationen, an denen sich Patienten bei der Suche nach einem geeigneten Arzt orientieren können. Bundesweit vergleichbare Qualitätsinformationen zu Haus-, Fach- und Zahnärzten liegen – anders als etwa zur stationären Versorgung – nicht vor. Und vorhandene Daten werden entweder nur für das interne Qualitätsmanagement genutzt oder sind nur für eine relativ kleine Gruppe von Ärzten vergleichbar. Die Folge: Lange Zeit half bei der Arztsuche nur der Blick ins Telefonbuch oder die Empfehlung von Freunden oder Verwandten.

Ziel: Verlässliche Orientierung bei der Arztsuche

Hier setzt die Weisse Liste an. Das Projekt hat den Anspruch, Patienten bei der Arztsuche verlässlich zu unterstützen. Es will dazu beitragen, dass Qualität in der ambulanten Versorgung transparenter wird. Gestartet ist es 2011 mit einer bundesweiten Online-Arztsuche auf Basis von Patientenerfahrungen.

Es gibt bislang kaum Informationen zur Qualität von Ärzten. Da ist es logisch, im ersten Schritt diejenigen zu fragen, die die Versorgung direkt erleben: die Patienten. Schon früher wurden Ärzte empfohlen. Das Neue ist, dass wir vergleichbare Kriterien einführen.
Uwe Schwenk, Programmdirektor "Versorung verbessern - Patienten informieren"

Erster Schritt: Arztbewertung neuer Qualität

Die Online-Arztsuche verzeichnet rund 200.000 Ärzte und funktioniert nach ähnlichen Prinzipien wie viele inzwischen existierende Arztbewertungsportale. Aber: Die Weisse Liste und ihre Projektpartner haben schon zu Projektstart den Anspruch formuliert, sich von anderen Angeboten abheben zu wollen. Ziel war und ist es, dem besonderen Verhältnis von Patient und Arzt gerecht zu werden und eine Arztbewertung „neuer Qualität“ zu etablieren. Dabei zeichnet sich der Qualitätsanspruch vor allem durch folgende Punkte aus:

  • Neutrale Sortierung und Ergebnisanzeige: Die Bewertungsergebnisse sind nach Entfernung sortiert, der Nutzer kann selbst anders sortieren. Die Ergebnisse werden erst freigeschaltet, wenn mindestens fünf Bewertungen für einen Arzt vorliegen. Es gibt anders als in anderen Portalen keine "gekauften" Einträge.
  • Umfassender Manipulationsschutz: Die Projektpartner haben ein spezielles Registrierungsverfahren für die Bewertung entwickelt. Dabei registrieren sich die Teilnehmer mit den Angaben auf der Versichertenkarte ihrer Krankenkasse. Durch die Angaben – die im Gegensatz zu einer E-Mail-Adresse immer nur einmal existieren – wird sichergestellt, dass eine Person sich nur einmal registrieren und einen Arzt nur einmal bewerten kann; bei neuen Bewertungen werden alte überschrieben. Mehrfachbewertungen werden so gezielt ausgeschlossen. Das Besondere: Die Teilnehmer bleiben durch ein spezielles Verfahren zur "Pseudonymisierung" trotzdem vollständig anonym.
  • Differenzierter Fragebogen: Die Fragebögen für die Bewertung wurden nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelt, fragen differenziert die Aspekte ab, die Patienten bei der Arztsuche interessieren. Sie wurden mit insgesamt 2.500 Patienten getestet. Im Portal können Patienten sich so nicht nur die Weiterempfehlungsrate des jeweiligen Arztes ansehen; sondern schauen, wie der Arzt in über 30 Einzelkriterien abschneidet.

Entwicklungspartner der Arztsuche waren die AOK und die BARMER GEK. Weitere Partner sind die Techniker Krankenkasse und die Bertelsmann BKK. Das Portal wurde in einem umfassenden Entwicklungsprozess aufgebaut, auch Ärztevertreter waren beteiligt. In den kommenden Jahren soll die Arztsuche weiter ausgebaut werden – auch über Patientenbewertungen hinaus.

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