Regionalkonferenz Bielefeld
Reimar Ott

Dritte Regionalkonferenz „Mein gutes Beispiel 2017“: Biodiversität ist relevant für Unternehmen

Akteure der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft können den Rückgang von Insekten bekämpfen. Die zweite Regionalkonferenz in Bielefeld diskutierte vorbildliche Initiativen und Projekte von Unternehmen, Zivilgesellschaft und Politik.

Mehr als 130 Vertreter von Wirtschaft, Politik und Umweltorganisationen nahmen an der dritten Konferenz zu Ehren des Preisträgers des Wettbewerbs „Mein gutes Beispiel“ am 9. November im Bielefelder Hof teil. Die Tagung diskutierte Wege, wie Unternehmen und die Gesellschaft für den Wert von Insekten sensibilisiert werden können und welchen Beitrag auch die Wirtschaft zur Verhinderung des Rückgangs leisten kann.

Laut einer neuen Studie im Magazin  PLOS One sind zwischen 1989 und 2016 etwa 76 Prozent der Biomasse von Fluginsekten zurückgegangen. Dies erscheint alarmierend wenn man bedenkt, dass Fluginsekten eine tragende Rolle im Biosystem der Erde spielen, und damit Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Entwicklung sind.

Wie man diesem Trend entgegenwirken kann, zeigt eindrucksvoll der Biozidhersteller Hans-Dietrich Reckhaus. Er entwickelte das weltweit erste Gütesiegel für Biozide, welches die Kompensation von getöteten Insekten garantiert, damit also die negativen Externalitäten seiner Produkte internalisiert. Das was kaputt gemacht wird, wird vom Unternehmen wieder hergestellt – negative Auswirkungen von Produkten werden also nichtmehr der Gesellschaft aufgebürdet, sondern vom Unternehmen schon bei der Entwicklung des Produkts mitgedacht, eine Weiterentwicklung des Haftungsprinzips.

Für diese Idee und das Gütesiegel „Insect Respect“ wurde Herr Reckhaus im Wettbewerb „Mein gutes Beispiel“ ausgezeichnet. Die Konferenz brachte Unternehmen mit Naturschutzverbänden und der Politik zusammen, um über die oftmals kontroversen Vorstellungen und Interessen gemeinsam nachzudenken.

Der ehemalige Bundesumweltministers und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Prof. Dr. Klaus Töpfer forderte in seinem Impulsvortrag mehr „Flurbereicherung statt Flurbereinigung“, also die Schaffung neuer Lebensräume für Tiere sowie eine Vielfalt der Vegetation wie Hecken und Wiesen. Vertreter von Unternehmen die Vorreiter im Bereich Biodiversität sind, wie der Baustoffkonzern HeidelbergCement oder die Pro Planet Initiative des Handelskonzerns REWE, diskutierten mit den Teilnehmern ihre Strategien und Maßnahmen zum Schutz der Natur.

Die Politik war durch den Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW, Herrn Dr. Heinrich Bottermann, vertreten. Im Rahmen der für jeden offenen Podiumsdiskussion wurde teilweise kontrovers über Maßnahmen und Zielsetzungen der einzelnen Akteursgruppen diskutiert. So brachte Dr. Bottermann die Anwesenden zum Nachdenken, indem er auf die gesellschaftliche Forderung nach qualitativ hochwertigen Produkten bei gleichzeitig keinerlei Umweltzerstörung hinwies.

Einig waren sich die Teilnehmer bei der Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen, von intersektoraler Kooperation und einer verbesserten Bildung für nachhaltige Entwicklung. In allen drei Bereichen müssten Denkbarrieren abgebaut, Vorurteile revidiert und gemeinsam nach neuen Lösungsansätzen gesucht werden.

 

 

 

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