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Veranstaltung 11. -12. Juni 2018: Herausforderungen für Zusammenarbeit und Wege sie zu bewältigen

Synergien zu erreichen, erscheint allen als erstrebenswertes Ziel. Doch was hindert uns daran eigentlich? Und wie können wir diese Hürden aus dem Weg räumen? Das waren die zentralen Fragen unserer Veranstaltung unter dem Titel „Herausforderungen für Zusammenarbeit und Wege sie zu bewältigen“, die wir am 11. und 12. Juni mit rund 100 Teilnehmenden in Berlin diskutierten.  

Am Abend des 11. Juni gab zunächst Bernhard Matheis, Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens, stellvertretend für die Modellkommunen des Projekts einen tiefen Einblick darin, wie sich eine stadtweite Zusammenarbeit aufbauen lässt. „Als Bürgermeister müssen Sie ein Netzwerker sein, denn alleine entscheiden können Sie im Grunde wenig“, so Matheis. Bernhard Matheis hatte 2008 den „Pakt für Pirmasens“ ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen in Pirmasens bessere Chancen vermitteln zu können - ein Netzwerk an dem sich inzwischen weit über hundert Institutionen und Engagierte beteiligen. Besonders wichtig sei dabei auf der einen Seite die Unabhängigkeit eines solchen Netzwerks, da vor allem die Engagierten einfach handeln wollen. Gleichsam sei es entscheidend, Transparenz herzustellen, um auch die Politik mitzunehmen, so Matheis weiter.

Am anschließenden Tag der Veranstaltung wurden die Herausforderungen für Zusammenarbeit auf Basis einer Analyse durch Alexander Koop und Andrea Walter von der Bertelsmann Stiftung intensiv diskutiert, wobei die Teilnehmenden selbst über eine Abstimmung mittels Smartphone die Prioritäten setzen. Versäulung und Hierarchien, Abhängigkeiten, Konkurrenz, multiple Rollen sowie Persönlichkeiten und persönliche Differenzen standen für sie an erster Stelle.

Einige dieser Aspekte nahm auch Prof. Wolfgang Hinte, Schöpfer des Fachkonzepts Sozialraumorientierung, in seinem Vortrag auf, den er mit einer fiktiven Geschichte über die Unzuständigkeit aller möglichen Akteure vor Ort bei einem konkreten Problem begann, die auch durch eine bessere Vernetzung allein nicht gelöst werden könnten. Er machte stattdessen den Ansatz stark, die Finanzierung in den Blick zu nehmen und die Anreizsysteme zu ändern, die derzeit verhinderten, dass alle Experten an einem Strang ziehen. „Unser System in Deutschland fördert hammerharte Konkurrenz unter Leistungsanbietern und Träger. Das hängt nicht damit zusammen, dass da nur böse Kapitalisten unterwegs sind, sondern unser Finanzierungssystem unterstützt genau solche Auswüchse“, so Hinte. Das Finanzierungssystem müsse daher als erstes verändert werden.

Einen Ansatz, den Ingrid Krammer von der Stadt Granz darauf in der praktischen Umsetzung vorstellte. So hat Graz vor 15 Jahren bereits damit begonnen, die Jugendarbeit nach dem Konzept der Sozialraumorientierung umzugestalten und Konkurrenz und Unzuständigkeit durch festgelegte, fallunabhängige Budgets stark gemindert.

Weitere Lösungsansätze boten die im Anschluss diskutierten Ansätze der Modellkommunen des Projekts sowie die Instrumente, die im Rahmen des Projekts Synergien vor Ort und anderer Projekte der Bertelsmann Stiftung erarbeitet wurden. So wurden neben Fortbildungsangeboten zum Netzwerkmanagement, Instrumenten der Wirkungsorientierung, dem Umgang mit Rollenkonflikten in der Quartiersarbeit und der Einbeziehung von Unternehmen auch eine Internetplattform, das Chancenportal, vorgestellt, das ermöglichen soll, einen Überblick über Angebote und Anbieter in einer Stadt zu gewinnen, ohne den sich Zusammenarbeit kaum gestalten lässt.

Dies verwies auch gleich auf die noch unbeantwortete Frage, wie sich Zusammenarbeit im Zeitalter der Digitalisierung verändern wird. So machte Prof. Michael Vilain von der Evangelischen Hochschule Darmstadt in seinem Impulsvortrag deutlich, dass es nicht nur um technische Veränderungen geht sondern auch um Fragen einer möglichen Verschiebung von Machtverhältnissen und Angebots- und Anbieterstrukturen, die bereits tief in unser Wohlfahrtssystem eingreifen würden. „Wie gehen wir damit um, wenn eine Plattform unseren ganzen Pflegesektor plattmacht?“, so Vilain. Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass hier viele Unsicherheiten existieren. „Wir stehen vor einer gesellschaftlichen Gestaltungsaufgabe“, so Vilain weiter.

Die Veranstaltung hat dabei aus unserer Sicht gezeigt, dass es wichtig ist, nicht nur über die guten Beispiele zu reden und daraus Empfehlungen abzuleiten, sondern auch die Herausforderungen in den Blick zu nehmen und klar zu benennen. Nur so entsteht letztlich eine Landkarte, die uns hilft, den eigenen Weg zu finden.

Präsentationen aus der Veranstaltung

Synergien vor Ort - Ein Resümee aus drei Jahren Projektlaufzeit

Fotoimpressionen der Veranstaltung vom 11. und 12. Juni

Videoimpressionen - Veranstaltung Synergien vor Ort 2018

Beitrag von Professor Wolfgang Hinte

Flyer Veranstaltung 2018

Flyer Veranstaltung 2018