Ein alter Mann mit medizinischer Maske geht mit seinen wenigen Einkäufen durch eine menschenleere Straße von Tunis
Brahim Guedich / Wikimedia Commons - CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

, Analyse: Wie die Nachbarn im Süden die Corona-Krise erleben

Erstaunlicherweise hat das Corona-Virus die krisengeschüttelten und konfliktbelasteten Gesellschaften in den meisten Ländern der südlichen Nachbarschaft der EU bisher nicht so hart getroffen wie befürchtet. Das mag am strikten, frühzeitigen und lang andauernden Lockdown, an der demographischen Struktur einer im Durchschnitt jungen Gesellschaft, dem hohen Engagement der Zivilgesellschaft und der Krisenerfahrung der Menschen liegen.

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Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass wegen unzureichender Testmöglichkeiten und der restriktiven Informationspolitik einiger Regime die offiziellen Zahlen nicht immer die reale Situation widerspiegeln. Dabei sind – wie in den sechs Ländern der Östlichen Partnerschaft der EU (siehe dazu die Projektnachricht von Miriam Kosmehl) – die Gesundheits- und Sozialsysteme auch der südlichen Nachbarn sehr schwach aufgestellt.

Der Einbruch des EU-Binnenmarktes wird Folgen haben

Absehbar ist bereits, dass die ökonomischen und politischen Krisenmaßnahmen des Westens und seiner Unternehmen sowie der erwartete Einbruch der Konjunktur im EU-Binnenmarkt erhebliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Sozialsysteme der Nachbarländer im Süden haben werden.

Ihre Regierungen, Firmen und Zivilgesellschaftsorganisationen werden um mehr Hilfe in Brüssel nachsuchen – selbst wenn die EU und ihre Mitgliedstaaten in den kommenden Monaten auf ihre eigenen Probleme fixiert sein werden. Aufmerksamkeit und Unterstützung der EU sind aber geboten, um Reformen nicht zu gefährden und die Stabilität aufrechtzuerhalten.

Wer organisiert Stabilität in der Nachbarschaft der EU?

Diese drei Kriegs- und Konfliktbeispiele verdeutlichen, dass neben der Bewältigung der Corona-Krise mehr politische und diplomatische Energie seitens der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten mobilisiert werden müsste, um Stabilität in der Nachbarschaft zu befördern.

Eine Stabilisierung, die Brüssel nicht allein Russland, der Türkei, Iran, Saudi-Arabien, den USA oder China überlassen darf. Denn diese Mächte verfolgen zumeist andere Interessen im Nahen Osten als europäische Politiker. Brüssel propagiert eine Stabilität in seiner Nachbarschaft, die auf eine Förderung von Transformation zu Partizipation, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft ausgerichtet ist – auf Grundlage europäischer Werte.

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