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, Brexit: Brexit, und jetzt? Ein Überblick

Mit der erneuten Verschiebung des Austritts Großbritanniens aus der EU auf Ende Januar 2020 sowie den Unterhauswahlen am 12. Dezember geht das Brexit-Drama in die nächste Runde. Aber was passiert, wenn der Brexit dann wirklich kommt? Ein Überblick.

Der Brexit ist und bleibt eines der bestimmenden Themen auf der politischen Tagesordnung. Auch wenn zwischenzeitlich niemand mehr prognostizieren mag, wie genau es mit dem EU-Austritt der Briten weitergeht, ist eines sicher: Egal ob ein „harter“ oder ein „weicher“ Brexit, seine Folgen würden nicht nur in Großbritannien selbst, sondern in ganz Europa zu spüren sein. 

Auch viele Projekte der Bertelsmann Stiftung haben sich intensiv mit dem EU-Austritt Großbritanniens und seinen Konsequenzen beschäftigt: Mit einer Vielzahl von Studien, Umfragen, aber auch in einem Kurzfilm haben wir den Brexit genauer untersucht. Mit Auszügen aus unserer Arbeit möchten wir im Folgenden zu einem besseren Überblick über den Brexit und seine möglichen Folgen beitragen.

Der Brexit könnte das Fundament des größten gemeinsamen Wirtschaftsraums der Welt schwer beschädigen.
Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

In unserer Studie zu den wirtschaftlichen Folgen des Brexit haben wir für ganz Europa untersucht, wen einer harter oder weicher Brexit am meisten belasten würde. Die klare Antwort: Großbritannien müsste die höchste Rechnung zahlen. Im Falle eines „No-Deal-Brexit müssten die Europäer, ohne Großbritannien, Einkommensverluste von 40 Milliarden Euro pro Jahr hinnehmen, die Briten allein jedoch Verluste von über 57 Milliarden Euro.

Brexit: Auswirkungen auf Einkommen global

Deutschland müsste sich auf Einkommensverluste in Höhe von rund zehn Milliarden Euro pro Jahr und rund 115 Euro pro Einwohner einstellen. Innerhalb der EU wären dies nach Großbritannien die zweithöchsten Verluste. Auf subnationaler Ebene wären in Deutschland vor allem die Regierungsbezirke Düsseldorf, Köln und Oberbayern betroffen: Hier würde ein harter Brexit mit Einkommensverlusten von 520 bis 650 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen.

Die Grafik veranschaulicht die jährlichen Einkommensverluste durch einen harten Brexit in Deutschland.

Der Brexit und dadurch steigende Handelskosten würden sich unweigerlich auch auf die engen und intensiven Produktionsverflechtungen zwischen dem Vereinigten Königreich und seinen europäischen Partnern und somit auch Deutschland auswirken. Unsere Studie zu den Auswirkungen des Brexit auf deutsch-britische Wertschöpfungsketten   zeigt, in welchen Branchen diese Verflechtungen besonders eng sind und daher aufgrund des Brexit die höchsten Kosten anfallen könnten. Für Deutschland zeigt die Studie, dass es in einzelnen Branchen erheblichen Anpassungsbedarf gibt. Tendenziell handelt es sich hierbei aber vor allem um Branchen, die einen geringeren Anteil an der Gesamtwertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft haben. Anders verhält es sich für Großbritannien selbst: Unsere Studie zeigt, dass der Anpassungsbedarf der britischen Wirtschaft deutlich höher liegt und auch eher volkswirtschaftlich signifikante Branchen betrifft.

Deutsch Britische Wertschöpfungsketten. Welche Wertschöpfung ist in den Handelsströmen zwischen Deutschland und UK enthalten?

In unseren regelmäßigen eupinions-Umfragen, mit denen wir dieMeinung der europäischen BürgerInnen zu zentralen Zukunftsfragen Europas untersuchen, haben wir auch gefragt, was die Menschen in Europa über den Brexit denken und welche Erwartungen die KontinentaleuropäerInnen  hinsichtlich des EU-Austritts Großbritanniens haben. Die Daten, welche im Dezember 2018 erhoben wurden,  zeigen, dass eine Mehrheit der EU28-BürgerInnen (61%) nicht mit großen Veränderungen durch den Brexit für die restlichen 27 EU-Mitgliedstaaten rechnet.  Die Daten, welche im Dezember 2018 erhoben wurden, zeigen, dass eine Mehrheit der EU28-BürgerInnen (61 %) nicht mit großen Veränderungen durch den Brexit für die restlichen 27 EU-Mitgliedstaaten rechnet. Allerdings geht knapp die Hälfte (44 %) davon aus, dass der Brexit für Großbritannien selbst schwerwiegende Folgen haben wird. Anders sieht es bei jenen aus, die sich rechtsextremen oder rechtspopulistischen Parteien nahe fühlen: Sie gehen davon aus, dass es Großbritannien nach dem Brexit besser gehen wird. Darüber hinaus zeigen unsere eupinions-Umfragen aber auch, dass die Zustimmungswerte für einen Verbleib in der EU in den EU-28 Staaten nach dem Brexit-Referendum 2016 zunächst gestiegen sind.

https://eupinions.eu/de/trends/#c110552

Europathemen stehen auch regelmäßig im Mittelpunkt des Blogs Global Europe, auf dem regelmäßig Meinungsbeiträge zu europapolitischen Themen und somit auch zum Brexit veröffentlicht werden.   

Aber was käme nach dem Brexit wirklich auf die Menschen in Großbritannien zu – wie sähe ein Alltag ohne die EU überhaupt aus? Genau das zeigt #ZurückzuEuropa, unser Kurzfilm zur Europawahl 2019. Anschaulich, mit viel Humor und Überspitzung beschreibt er anhand von greifbaren Beispielen, was alles an Vorteilen und Freiheiten wegfallen würde, wenn es die EU nicht mehr gäbe – und zeigt somit auch auf, welche immense Bedeutung die EU in unserem Alltag hat. Dass der Film mit Stil und Inhalt überzeugen konnte, zeigt nicht nur eine neue Wirkungsstudie: Über eine halbe Million Menschen sahen sowohl Film als auch Teaser  innerhalb von nur 10 Tagen nach ihrer Veröffentlichung auf diversen Social-Media-Kanälen. Mehr Informationen zum Filmprojekt gibt es hier.

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