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Valeska Achenbach

Musik, Sprache, Teilhabe: Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg

Das bestehende Konzept der Musikalischen Grundschule wird mit Blick auf eine durchgängige Sprachbildung weiterentwickelt. Ziel ist, Musik als Medium für Spracherwerb und Teilhabe zu nutzen und somit die Bildungschancen gerade von Kindern mit Fluchtgeschichte zu verbessern.

Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung

Um allen Kindern unabhängig von kultureller, ethnischer, sprachlicher, religiöser und sozialer Herkunft gleiche Bildungschancen zu eröffnen, müssen alle Anstrengungen darauf verwendet werden, das völker- und grundrechtlich verankerte Recht auf Bildung auch für neu zugewanderte Kinder und Jugendlichen umzusetzen – und zwar von dem Tag an, an dem sie in Deutschland ankommen.  Auf diese Weise wird in der Tradition der Musikalischen Grundschule ein Beitrag für Teilhabe und Chancen-gerechtigkeit geleistet.

Musik ist eine Sprache ohne Worte und verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg.
Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung

Musik baut erste Brücken

Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg, soziale Integration und kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe. Um den Spracherwerb neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher zu unterstützen, braucht es durchgängige Bildungsangebote entlang der verschiedenen (bildungs-) biographischen Stationen des Ankommens und Bleibens in Deutschland: in Erstaufnahmeeinrichtungen, Sammelunterkünften, in der Kita, im Regelunterricht und im Ganztag, von der Grundschule bis zu weiterführenden Schulen.

Durch Angebote kultureller Bildung können grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben werden, die für die emotionale Stabilität von Kinder und Jugendlichen, ihre Selbstverwirklichung und Identitätsfindung, der Individuation und sozialen Integration, von zentraler Bedeutung sind. Insbesondere Musik als Medium und Methode unterstützt den Spracherwerb, schafft Zugang zu Kindern und Jugendlichen auch jenseits einer gemeinsamen Sprache, fördert die Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen und stärkt den sozialen Zusammenhalt. So kann Musik erste Brücken bauen, Kontakt und Austausch anregen, ein Gefühl von Zugehörigkeit schaffen.

Qualifizierungskonzept: modular und bedarfsorientiert

Eine multiprofessionell zusammengesetzte Konzeptwerkstatt entwickelt ein modulares Qualifizierungskonzept, das passgenau und praxisnah auf die Bedarfe für unterschiedliche Zielgruppen in verschiedenen Settings zugeschnitten ist

Das Konzept stellt die Förderung des Spracherwerbs über das Medium der Musik in den Fokus. In Kooperation mit dem Niedersächsischen Kultusministerium wird das Konzept sukzessive in die Praxis gebracht, dort erprobt, evaluiert und auf Grundlage der (Evaluations-) Ergebnisse und der Praxiserfahrungen optimiert. Verfolgt wird ein ganzheitlicher und systemischer Ansatz, weil eine erfolgreiche durchgängige Sprachbildung Aufgabe der gesamten Institution und damit aller Akteure - in Sprachlernklassen, Förderkursen wie auch im Regelunterricht - ist. 

Der Transfer des Konzepts ist von Beginn an mitangelegt, so dass auch andere Bundesländer von den niedersächsischen Erfahrungen und Arbeitsergebnissen profitieren können.

Zielgruppen: Wer braucht was?

Die Qualifizierungsangebote werden passgenau zugeschnitten für:

  • Lehrkräfte und Leitungskräfte aller Schulformen
  • pädagogische Fachkräfte im Ganztag und in KiTas
  • Quereinsteiger/innen wie pensionierte Lehrkräfte
  • Multiplikatoren im Beratungs- und Unterstützungssystem für Schulen 

Erste Maßnahmen und Erfolge

Bestehende Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrkräfte aller Schulformen werden intensiviert und um den Aspekt der Musik im Kontext besonders der Sprachbildung und (kulturellen) Teilhabe ergänzt. So  ist die musikalische Erweiterung der laufenden Basisqualifizierung „Deutsch als Zweitsprache“ für Lehrkräfte in Sprachlernklassen und Förderkursen des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung NLQ bei den teilnehmenden Lehrkräften auf äußerst positive Resonanz gestoßen. Dieses Angebot wird fortgesetzt.

Für die geplante Ausweitung derartiger Fortbildungsangebote sollen perspektivisch die niedersächsischen Sprachbildungszentren im Zusammenspiel mit der regionalen Lehrerfortbildung eingebunden werden.

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