Kultusminister Grant Henrik Tonne und Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Liz Mohn unterzeichnen einen Kooperationsvertrag.
Tom Figiel

Durch Musik den Spracherwerb von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen fördern und soziale Teilhabe ermöglichen: Das ist das Ziel des gemeinsamen Projekts „Musik, Sprache, Teilhabe Niedersachsen“ des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Bertelsmann Stiftung. Diese Kooperation besiegelten die beiden Partner am heutigen Freitag mit einer feierlichen Vertragsunterzeichnung in der Albert-Einstein-Schule in Laatzen bei Hannover.

Musik ist die einzige Sprache, die Menschen überall auf der Welt verstehen. Sie funktioniert auch ohne Worte. So bringt sie Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen und baut Brücken über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.

Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung

Einblick in die Praxis

Im Rahmen einer Unterrichtshospitation in einer Sprachlerngruppe der Albert-Einstein-Schule Laatzen konnten sich die geladenen Gäste ein Bild machen, wie das Deutschlernen mittels musikalischer Methoden in der Praxis funktioniert.

So wurde passend zur Vorweihnachtszeit das Thema „Plätzchenbacken“ musikalisch eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler aus Syrien, Somalia, Bulgarien und dem Irak im Alter von 10 bis 15 Jahren lernten mit großer Freude auf diese Weise neue Wörter, den besonderen Klang und Rhythmus der deutschen Sprache.

Durch Musik schaffen wir für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche einen weiteren lebendigen Zugang zur deutschen Sprache. Und wir geben ihnen damit das Handwerkszeug, um am Schulalltag und später am Berufsleben erfolgreich teilhaben zu können.

Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Kultusminister

Rückblick

In der erfolgreichen zweijährigen Pilotphase des Projekts wurden in ganz Niedersachsen bereits rund zwanzig Fortbildungen für Lehrkräfte von der Grundschule bis zur Berufsschule durchgeführt. Landesweit haben über 600 Lehrerinnen und Lehrer darunter auch solche im sogenannten Vorbereitungsdienst, musikalische Methoden als wertvolles Handwerkszeug für Sprachbildung und soziales Miteinander kennengelernt. Die große Mehrheit von ihnen hatte keinerlei musikalische Vorbildung und war entsprechend begeistert von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Musik im Unterrichtsalltag. „Musik kann was!“ lautete das Echo aus der Schulpraxis.

Ausblick

Auf dieser Grundlage werden die Aktivitäten in den nächsten drei Jahren fortgeführt. Die Bertelsmann Stiftung investiert dafür beträchtliche Mittel vorrangig für Qualifizierungsmaßnahmen und Konzeptentwicklung. Das Land Niedersachsen stellt Ressourcen für zwei Landeskoordinatoren sowie für die Evaluation der Fortbildungen zur Verfügung. Neben der Verstetigung der bereits entwickelten Formate für Lehrkräfte, sollen Angebote für pädagogische Fachkräfte im Ganztag, in KiTas, Musikschulen, Jugend- und Kultureinrichtungen, Haupt- und ehrenamtliche Kräfte in Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) und Gemeinschaftsunterkünften entwickelt werden. Sprachbildung sei schließlich die Aufgabe vieler Akteure, so die einhellige Meinung der beiden Partner.

Ziele

Das Projekt „Musik, Sprache, Teilhabe“ hat zum Ziel, durchgängige (Sprach-) Bildungsangebote für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche zu schaffen, das Potenzial der Musik für die Förderung von Chancengerechtigkeit, Teilhabe und Sprachbildung zu nutzen und den sozialen Zusammenhalt zu fördern.
Um neue Wege, Angebote und Formate zu entwickeln, die zur Kompetenzentwicklung von pädagogischen Fachkräften in unterschiedlichen Settings beitragen, wird ein bedarfsorientiertes, modulares Qualifizierungskonzept entwickelt, erprobt und evaluiert.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: "Musik, Sprache, Teilhabe"