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Triple Win: Entwicklung durch Migration fördern

Migration und Entwicklung gehören zusammengedacht. Nur durch internationale Migrationszusammenarbeit, die die Interessen von Einwanderungsländern, Auswanderungsländern sowie von Migranten angemessen berücksichtigt. können nachhaltige Ergebnisse erzielt werden. Diesen Triple Win-Ansatz verfolgen wir national und international.

Die demographische Entwicklung in Deutschland wird in einem absehbaren Zeitraum zu Fachkräfteengpässen in bestimmten Branchen und Regionen führen. In vielen Ländern des globalen Südens wird hingegen in Zukunft die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter weiter wachsen, ohne dass sich entsprechende Perspektiven auf den jeweiligen Arbeitsmärkten abzeichnen. Führt man die gegenläufigen demographischen Trends in den verschiedenen Erdteilen bedarfsgerecht zusammen, ergibt sich eine Chance für eine neue Migrationspolitik, die zu einer global nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) beiträgt. Dazu muss Migration durch einen kohärenten Gesamtansatz fair gestaltet werden und sich am dreifachen Nutzen für Einwanderungs- und Auswanderungsländer sowie die für Migranten selbst orientieren. Das Leitbild des Triple Win verfolgen wir im Rahmen 1. der Migration Strategy Group on International Cooperation and Development (MSG), 2. dem Global Forum on Migration and Development (GFMD) sowie 3. durch die Sondierung transnationaler Ausbildungspartnerschaften.

Migration Strategy Group on International Cooperation and Development (MSG)

Auf nationaler Ebene ist für die Verwirklichung des Triple Win ein kohärenter Gesamtansatz notwendig, der Migrations-, Entwicklungs-, und Arbeitsmarktpolitik sowie weitere Politikbereiche ganzheitlich zusammenführt und langfristige Planungs-und Lösungsansätze verfolgt. Die Stärkung dieser Perspektive verfolgen wir durch die MSG, die wir gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und dem German Marshall Fund koordinieren. Mit der MSG bieten wir eine Plattform für einen offenen und kontinuierlichen Dialog zwischen Vertretern migrationsrelevanter Bundesministerien, internationaler Organisationen sowie nicht-staatlicher Akteure an. Im Mittelpunkt des interministeriellen und intersektoralen Austauschs stehen beispielgebende Ansätze der kohärenten und entwicklungsorientierten Migrationsgestaltung aus dem In- und Ausland.

Global Forum on Migration and Development (GFMD)

Erzwungene und freiwillige Migration wird ein Megathema in der globalisierten Welt der kommenden Jahre und Jahrzehnte bleiben. Die internationale Staatengemeinschaft muss hier tragfähige Lösungen erarbeiten, damit Migration so gestaltet wird, dass sie für alle langfristig ein Gewinn werden kann. Das GFMD, das mittlerweile über 150 Staaten zu Debatte über Migrationsgestaltung und Entwicklungsperspektiven jährlich zusammenbringt, arbeitet dazu grenzüberschreitend an Lösungen. Dabei basiert es auf drei Säulen: 1. die Government Days zum Austausch der Regierungsvertreter, 2. die Civil Society Days für die internationale Zivilgesellschaft sowie 3. der Business Mechanism zur Einbindung des Privatsektors. Die Bertelsmann Stiftung bringt sich in allen drei Säulen unterstützend mit eigenen Beiträgen ein und fördert den Austausch der drei Säulen untereinander. In den Jahren 2017 und 2018 wurde das GFMD von Deutschland und Marokko gemeinschaftlich ausgerichtet. Besondere Schwerpunkte in diesem Kontext waren für uns die Stärkung der Zivilgesellschaft, der Global Compact on Migration sowie der Nord-Süd Dialog über transnationale Ausbildungspartnerschaften.

Transnationale Ausbildungspartnerschaften

Als zentraler Hebel im Zusammenhang mit entwicklungsorientierter Migrationspolitik werden seit einiger Zeit international sogenannte transnationale Ausbildungsbildungspartnerschaften (Global Skill Partnerships) diskutiert. Im Zentrum dieses bislang noch nicht verwirklichten Ansatzes von Michael Clemens vom Center for Global Development, steht die Idee durch gezielte Investitionen in die Ausbildungsinfrastruktur in Herkunftsländern Qualifizierungsprogramme für in beiden Ländern bestehende Mangelberufe zu entwickeln. Auszubildende im Herkunftsland durchlaufen dabei entweder den "home track" für einen Einsatz auf dem heimischen Arbeitsmarkt oder den "abroad track", der neben der fachlichen Qualifizierung auch Sprachkurse, Integrationsvorbereitungskurse etc. beinhaltet und damit die Emigration vorbereitet. Lassen sich durch internationale Zusammenarbeit, die bereits bei der Entwicklung und nicht erst beim Recruiting von Fachkräften ansetzt, tatsächlich ähnlich gelagerte Fachkräftebedarfe begegnen und legale Wege für Migration eröffnen? Dieser Frage sind wir im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nachgegangen, die auf die Erfahrungen im Bereich der internationalen Berufsbildungskooperation sowie auf Vor-Ort Recherchen in den potentiellen Partnerländern Marokko und den Philippinen aufsetzte. 

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Video: Globaler Migrationspakt – Triple Win durch Global Skill Partnerships

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