Junge mit Fahrrad
Valeska Achenbach

Jeder vierte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst

Betriebe und Auszubildenden haben ein gemeinsames Interesse an einem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Allerdings wird mittlerweile jeder vierte Vertrag in der dualen Ausbildung vorzeitig gelöst. Eine Vertragslösung kann vielfältige Gründe haben und bedeutet nicht, dass die Ausbildung abgebrochen wird. In vielen Fällen setzen die betroffenen Jugendlichen ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb fort. Hohe Vertragslösungsquoten verursachen allerdings sowohl bei den Betrieben als auch bei den Jugendlichen Kosten und deuten sowohl auf Engpass- oder Passungsprobleme auf den Ausbildungsmärkten hin als auch auf Probleme der Ausbildungsqualität. 

 

 

Seit 2010 ist die Vertragslösungsquote geringfügig gestiegen, dabei zeigt sich im Ländervergleich ein Ost-West-Gefälle: Während Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen Vertragslösungsquoten oberhalb von 30 Prozent aufweisen, erzielen Bayern, Baden-Württemberg sowie Hessen die niedrigsten Quoten. Unterschiede zeigen sich auch nach Ausbildungsbereich. Seit Längerem ein Problembereich ist das Handwerk, wo 30 Prozent der Verträge vorzeitig gekündigt werden. Besonders stabil sind dagegen bundesweit die Ausbildungsverhältnisse im öffentlichen Dienst.

Weniger Ausbildungsanfänger erreichen einen Abschluss

Die Absolventenquote gibt Auskunft darüber, wie viele Auszubildende, die drei Jahre zuvor eine Ausbildung begonnen haben, einen Berufsabschluss erwerben. Mit einer hohen Vertragslösungsquote fällt auch die Absolventenquote. Je niedriger die Absolventenquote ausfällt, als desto geringer kann die Leistungsfähigkeit der Ausbildung bewertet werden.

 

Sowohl in der dualen Ausbildung als auch im Schulberufssystem gehen Absolventenquoten zwischen 2008 und 2015 bundesweit zurück: Im dualen System sinkt die Absolventenquote um 6 Prozentpunkte (von 86 auf 80 Prozent), im Schulberufssystem um 7 Prozentpunkte (von 76 auf 69 Prozent). 

Gute Beschäftigungschancen für Ausbildungsabsolventen

Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit des Ausbildungssystems ist es daher entscheidend, wie gut dieser Übergang in Beschäftigung gelingt. Allerdings haben die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Lage auf dem Arbeitsmarkt hier ebenfalls einen erheblichen Einfluss. Insofern überrascht es nicht, dass in den vergangenen Jahren parallel zur gestiegenen Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs und zur gesunkenen Arbeitslosenquote auch der Anteil der Ausbildungsabsolventen zurückgegangen ist, die trotz erfolgreichem Abschluss arbeitslos werden. Jedoch ist der Anteil der Ausbildungsabsolventen, die erwerbstätig sind, seit 2007 nicht in demselben Maß gestiegen. Offensichtlich entscheiden sich Jugendliche nach Abschluss ihrer Ausbildung vermehrt für zusätzliche Bildungswege wie etwa ein Studium.

 

Während die Erwerbstätigkeit in den westdeutschen Ländern eher stagniert, steigt sie in den ostdeutschen Ländern fast durchgängig um 10 Prozentpunkte. Diese Entwicklung führt dazu, dass die frühere Benachteiligung der ostdeutschen Absolventen nahezu aufgehoben ist. Der Arbeitsmarktwert der Ausbildung in den ostdeutschen Ländern ist somit in dem kurzen Zeitraum von sechs Jahren beträchtlich gestiegen. Nur ein kleiner Anteil von rund 4 Prozent der Ausbildungsabsolventen übt eine geringfügige Beschäftigung aus.

Zu viele Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss

Personen ohne beruflichen Abschluss haben ein deutlich höheres Risiko, arbeitslos zu werden, als Personen mit Berufsabschluss. Ein wichtiger Leistungsindikator des Ausbildungssystems ist daher, wie hoch der Anteil der Personen ist, die dauerhaft ohne Berufsabschluss bleiben. Da Ausbildungsabschlüsse in unterschiedlichem Alter erworben werden können, ist dieser Anteil nur für ein Alterssegment aussagekräftig, in dem nur noch relativ wenige Ausbildungsabschlüsse erworben werden. Für den Ländermonitor wurde dafür die Gruppe der 30- bis 35-Jährigen herangezogen.

 

Im Ländervergleich fällt auf, dass in den östlichen Bundesländern relativ wenig junge Erwachsene ohne Ausbildungsabschluss bleiben. Ihr Anteil liegt dort zwischen 8 Prozent und 15 Prozent. Die meisten Personen ohne Brufsabschluss gibt es in den westlichen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (22 Prozent) und dem Saarland (21 Prozent) sowie in den Stadtstaaten (zwischen 19 und 21 Prozent).