Länderbericht Rheinland-Pfalz

Fazit

In Bezug auf die Kontextindikatoren stellt Rheinland-Pfalz indikatorenübergreifend ein Abbild der Bundesrepublik im Durchschnitt dar. Dies gilt auch für die ANR, die in Rheinland-Pfalz 2016 bei 92 % liegt. Trotz positiver Entwicklung seit 2007, als die ANR bei 84,8 % lag, bleibt die zu geringe Zahl an angebotenen dualen Ausbildungsplätzen im Verhältnis zu den Bewerbern bestehen. Zwar nicht so stark wie in den östlichen Flächenländern, jedoch deutlich gewachsen ist im Vergleich der Jahre 2013 und 2015 der Anteil der Neuzugänge im Schulberufssystem von ca. 17 auf ca. 25 %. Dieser Anteil stellt den höchsten Anteil im Vergleich der westlichen Flächenländer dar. Dabei sind die Neuzugänge, anders als im Bundestrend, in allen Schulformen im Bereich des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens angewachsen, besonders bei den Fachschulen. Zurückgegangen sind hingegen die Fachschulen, die einen Berufsabschluss und eine Hochschulzugangsberechtigung vermitteln.

Insgesamt zeichnen sich für Rheinland-Pfalz mehrere Herausforderungen ab:

• Die anhaltende Unterversorgung mit Ausbildungsplätzen in nahezu allen Regionen des Bundeslands macht weitere Anstrengungen erforderlich, um allen nachfragenden Jugendlichen einen Ausbildungsabschluss zu ermöglichen. Auf der Berufsebene stellen sich die Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage in unterschiedlicher Schärfe, jedoch zeichnen sich bereits jetzt – trotz Unterdeckung der Nachfrage – auch Engpässe in der Fachkräftenachwuchssicherung in ausgewählten Berufsbereichen ab wie im Lebensmittelhandwerk und der Speisenzubereitung. Damit erschöpfen sich jedoch die Passungsprobleme nicht, denn z. B. fehlen Ausbildungsangebote vor allem in von Frauen nachgefragten Berufen, bei denen weitaus schlechtere Angebots-Nachfrage-Relationen vorliegen als in den männerdominierten gewerblich-technischen Berufen. 

• Eine steigende Vertragslösungsquote vor allem im Handwerk, die im Vergleich der westdeutschen Flächenländer die höchste in diesem Ausbildungsbereich darstellt, verweist auf wachsende Schwierigkeiten in der Ausbildungskontinuität in Berufen, in die eher Jugendliche ohne oder mit niedrigem Schulabschluss einmünden. Hier werden sowohl Fragen von Leistungsfähigkeit als auch Chancengerechtigkeit angesprochen. 

• Unter der Perspektive von Chancengerechtigkeit ist die Situation von Jugendlichen mit höchstens Hauptschulabschluss besonders problematisch, da diese einen überdurchschnittlichen Anteil der Schulabgänger in Rheinland-Pfalz ausmachen und deutlich häufiger als im Bundesdurchschnitt in den Übergangssektor einmünden. Für die betroffenen Jugendlichen entstehen damit Ausbildungsumwege und längere Zeiten zwischen dem Verlassen der allgemeinbildenden Schule und der Arbeitsmarkteinmündung. 

• Eine massive Herausforderung dürfte in den nächsten Jahren – vor dem Hintergrund einer angespannten Ausbildungsmarktsituation – die Integration der in den letzten Jahren verstärkt zugewanderten und aktuell in Berufsvorbereitung befindlichen ausländischen Jugendlichen sein. Zwar fallen die Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen bei der Einmündung in eine berufliche Ausbildung zum Nachteil der letztgenannten Gruppe etwas geringer als im Bundesdurchschnitt aus, dennoch liegen die Anteile von ausländischen Jugendlichen im Übergangssektor mit 44 % deutlich über denen der deutschen Jugendlichen mit 26 %. 

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Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Dr. Maria Richter (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Dr. Meike Baas, Dr. Christian Michaelis, Robin Busse (Universität Göttingen).