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Erziehungshilfen: Wie können die Erziehungshilfen auf kommunaler Ebene wirksamer gestaltet werden?

Veränderte Lebensbedingungen von Kindern und Familien führen zu einer seit Jahren wachsenden Nachfrage nach „Hilfen zur Erziehung“. Es existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote ambulanter, teil- und stationärer Erziehungshilfen, die im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) festgelegt sind. Dies reicht von der Erziehungsberatung über die Sozialpädagogische Familienhilfe bis hin zur Heimerziehung.

Gute Heime – Möglichkeiten der Sichtbarmachung der Qualitäten stationärer Hilfen zur Erziehung

Das Projekt „Gute Heime“ knüpft an die Qualitätsentwicklungs- und Qualitätssicherungsdiskurse der letzten Jahre an. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, wesentliche Dimensionen zur Beschreibung der Qualität stationärer Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe herauszuarbeiten. Die Qualitätsdimensionen sollen sowohl der Komplexität des Feldes als auch der Vielschichtigkeit der Einrichtungen Rechnung tragen. Von den Projektergebnissen sollen sowohl die Adressatinnen und Adressaten der Hilfen zur Erziehung als auch die Jugendämter und die Einrichtungen selbst profitieren.

Ausgangssituation

Im Jahr 2014 waren rund 108.000 junge Menschen in Deutschland in einer Maßnahme der stationären Jugendhilfe untergebracht. Im Zeitraum zwischen 2008 und 2014 war ein beachtlicher Anstieg der Inanspruchnahme zu den stationären Hilfen zur Erziehung zu beobachten (Monitor Hilfen zur Erziehung 2016).

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Frage, ob stationäre Angebote auch die Qualität haben, die junge Menschen, ihre Familien und die Gesellschaft von ihnen erwarten, intensiv diskutiert wird. Mit stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wird ein stark ausdifferenziertes Angebotsfeld beschrieben, das von einer Erziehungsstelle bis hin zum „traditionellen“ Waisenhaus reicht. Auch die Zielgruppen und pädagogischen Schwerpunkte der Einrichtungen unterscheiden sich deutlich. In den letzten Jahrzehnten gab es viele Versuche, Qualitätsentwicklungssysteme in diesem Handlungsfeld zu implementieren und es fand eine intensive Auseinandersetzung über die Bedeutung und Messbarkeit von abstrakten Qualitätsdimensionen statt. Dies wurde durch einen differenzierten Fachdiskurs kritisch begleitet.

Heute haben wir es mit einem Nebeneinander vieler verschiedener Ansätze zur Qualitätsbeurteilung in den stationären Hilfen zur Erziehung zu tun. Es fehlt eine gemeinsame Verständigung zwischen Fachpraxis, Wissenschaft und finanzierenden Stellen darüber, auf welcher Basis vor Ort die Qualitäten von Einrichtungen sichtbar gemacht werden können.

Das Projekt „Gute Heime – Möglichkeiten zur Sichtbarmachung der Qualitäten stationärer Hilfen zur Erziehung“ knüpft an diese Qualitätsentwicklungs- und Qualitätssicherungsdiskurse an. Im Kooperationsverbund zwischen dem Deutschen Jugendinstitut e.V., dem Deutschen Verein und der Bertelsmann Stiftung wurde dieses Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte und der Vielschichtigkeit der stationären Hilfen angemessene Dimensionen zur Qualitätsbeurteilung zu erarbeiten. Das Projekt entwickelte sich aus dem Modellvorhaben „Kein Kind zurück lassen!“ und wird durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Europäischen Sozialfond und die Bertelsmann Stiftung finanziert.

Zielsetzung

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die wesentlichen Dimensionen zur Beschreibung der Qualität stationärer Einrichtungen herauszuarbeiten. Die Qualitätsdimensionen sollen sowohl der Komplexität des Feldes als auch der Vielschichtigkeit der Einrichtungen Rechnung tragen. Daher werden die Struktur-, die Prozess- und die Ergebnisebene berücksichtigt. Von den Projektergebnissen sollen sowohl die Adressatinnen und Adressaten der Hilfen zur Erziehung als auch die Jugendämter und die Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe profitieren.

Methodisches Vorgehen

Die Forschungsfrage soll mit einem mehrstufigen Vorgehen bearbeitet werden:

  1. Herausarbeitung von Qualitätsdimensionen aus dem Fachdiskurs
  2. Analyse bestehender Qualitätsentwicklungssysteme, Zertifizierungsprozesse und Ähnlichem
  3. Qualitätsdimensionen aus der Perspektive der verschiedenen Adressatinnen und Adressaten  
  4. Entwicklung eines Instruments zur Qualitätsbeschreibung

 Um möglichst alle Perspektiven und Sichtweisen zu erfassen, werden folgende methodischen Zugänge genutzt:

  • Aufarbeitung des nationalen und internationalen Forschungstandes
  • Befragung von Einrichtungen, Trägern, Fachverbänden, Landesjugendämtern und Jugendämtern zu vorhandenen Verfahren der Qualitätsbeurteilung, inkl. den Festlegungen zu Mindeststandards im Rahmen der Erteilung der Betriebserlaubnis
  • Befragung von unterschiedlichen Adressatengruppen (z.B. Jugendämtern, Eltern, Jugendlichen, Kindern, Ehemaligen/Careleavern) zu ihren Qualitätskriterien

 Das Forschungsprojekt wird durch einen fachlichen Beirat begleitet.

Projekte

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