Engagement und Zusammenhalt, Tagungsmaterial
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Konferenz: Fachtag „Engagement und Zusammenhalt“

Am 16.09.2019 haben in Erfurt 30 ExpertInnen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über die Rolle von Engagement und Zusammenhalt diskutiert. Eingeladen hatten das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sowie die Bertelsmann Stiftung. 

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Thüringer Ehrenamtsstiftung, der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt sowie dem MDR durchgeführt. Die Veranstaltung fand im Rahmen der 15. Woche des Bürgerschaftlichen Engagements des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement statt.

Stärkung des Engagements als kommunale Pflichtaufgabe

In seiner Begrüßung betonte Dr. Kai Unzicker, Senior Projekmanager im Programm „Lebendige Werte“ der Bertelsmann Stiftung, dass ein guter Zusammenhalt ohne ehrenamtliches Engagement kaum möglich sei: „Ein lebendiges Gemeinwesen lebt von so vielen Dingen, von den Sportvereinen und den Stadtteilfesten, genauso wie von der Integrationsarbeit oder dem Einsatz für pflegebedürftige Menschen. Wichtig ist, dass wir in einer schnelllebigen und mobilen Welt Wege finden, wie Engagement dauerhaft und verantwortungsvoll unterstützt werden kann.“

Prof. Dr. Berthold Vogel, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI), stellte die These zur Diskussion, dass sich die Zukunft maßgeblich im ländlichen Raum entscheide. Gelingt es der Vertiefung der Spaltung zwischen Land/Kleinstadt und urbanen Zentren etwas entgegen zu setzen? Auf die Frage, was für ein Engagement nötig ist, um einen inklusiven gesellschaftlichen Zusammen zu stärken, lautet seine Antwort: „Die Sicherung öffentlicher Güter und Infrastrukturen in der Fläche. Bei allem Lob der Zivilgesellschaft: Zusammenhalt ist staatsbedürftig.“

Engagement und Zusammenhalt, Gruppenfoto vom Thementag 16.09.2019, Erfurt
Andreas Grau, Dr. Janine Diekmann, Prof. Dr. Berthold Vogel, Dr. Kai Unzicker und Dr. Matthias Quent (von links nach rechts)

Neue Formen des Engagements

Die Teilnehmenden hatten nach zwei einführenden Impulsen von Prof. Dr. Berthold Vogel und Dr. Janine Diekmann die Gelegenheit, über aktuelle Herausforderungen für Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu diskutieren und sich auch mit Praktikern über deren Erfahrungen auszutauschen.

Es wurde deutlich: Vielerorts ist spürbar, dass die alten Modelle von Ehrenamt nicht mehr passgenau sind, nicht zuletzt deswegen, weil die Gesellschaft mobiler, digitaler und heterogener geworden ist. Die Engagementinfrastruktur ist deswegen auf Erneuerung angewiesen, sie muss inklusiver und flexibler werden, damit auch die gesellschaftlichen Gruppen angesprochen werden, die das traditionelle Ehrenamt bislang nicht erreicht hat. Grundsätzlich sollten Verwaltung und Politik das bürgerschaftliche Engagement noch ernster nehmen, als gestaltende Kraft auf Augenhöhe und nicht als Lückenbüßer für fehlende Mittel der öffentlichen Hand.

Andreas Grau, Projektmanager im Programm Lebendige Werte, hob hervor: „Die Bindungskraft kollektiver Akteure, wie Kirchengemeinden, Parteien oder Freiwillige Feuerwehr, nimmt ab. Durch Individualisierung und Pluralisierung werden die Lebenswege differenzierter und gleichzeitig kommen Personen unterschiedlicher Milieus im Alltag zunehmend weniger miteinander ins Gespräch. Hier sind neue Formen des Engagements notwendig.“

Bürgerschaftliches Engagement trägt wesentlich zum Zusammenhalt im 21. Jahrhundert bei

Unser Leitbild sollte eine Gesellschaft sein, in der sich jede und jeder Einzelne zugehörig fühlen kann, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht, Religion oder sozialem Status. Die Gesellschaft braucht ehrenamtlich Engagierte, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen, das durch Gleichwertigkeit, Respekt, Toleranz und Vertrauen geprägt ist. Diese sind wesentliche Bestandteile unserer liberalen Demokratie.

Gerade in kleinstädtisch und ländlich geprägten Regionen, in denen die gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den Kommunalparlamenten ehrenamtlich tätig sind, hat das Engagement einen besonders hohen Stellenwert nicht nur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch für die Demokratie.

Demokratische Teilhabe und das sich Einbringen, gerade auch ehrenamtlich, ist essentiell für das Gemeinwesen. Eine solche Beteiligung kann auch dazu beitragen, die (politische) Selbstwirksamkeit zu stärken und somit das Vertrauen in die Demokratie zu erneuern.

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