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Sozialversicherung: Familienpolitik: Fehler im System

Die Funktionsweise unserer Sozialversicherungssysteme führt dazu, dass Familien benachteiligt werden. Indem Eltern Kinder erziehen, sichern sie die Zukunftsfähigkeit der sozialen Sicherungssysteme. Für ihre auch finanziellen Belastungen erhalten sie aber keinen angemessenen Ausgleich.

In Deutschland gibt es 157 ehe- und familienbezogene Leistungen, zudem kommen Investitionen in Kitas, Schulen und andere Einrichtungen Familien zu Gute. So entsteht der Eindruck, dass der Staat Familien umfangreich fördert. Schaut man genauer hin, so kommen viele Leistungen gar nicht bei allen Familien an. Zudem führt insbesondere die Funktionsweise unserer Sozialversicherungssysteme dazu, dass Familien erheblich belastet werden. Diese „Familienpolitik mit negativem Vorzeichen“ findet in den Debatten über die Wirkung sowie den Umfang familienpolitischer Instrumente bisher kaum Berücksichtigung.

Unser Rentensystem erkennt die Leistungen von Eltern nicht angemessen an. Indem sie Kinder erziehen, bedienen Eltern zwei Generationenverträge gleichzeitig: Neben ihren eigenen Rentenversicherungsbeiträgen, die an die heutigen Rentner ausgezahlt werden, leisten sie einen zusätzlichen „generativen“ Beitrag. Trotzdem richten sich die individuellen Rentenansprüche überwiegend nach den finanziellen Beiträgen. Auch in der Gesetzlichen Krankenversicherung sind Familien Leistungsträger – trotz sog. „beitragsfreier Mitversicherung“ zahlen sie in der aktiven Familienphase mehr ins System ein als sie an Kosten verursachen.

Grafik - Eltern bedienen zwei Generationenverträge
Rentenstudie - Fehler im System: Familien in Rentenversicherung benachteiligt. Studie der Bertelsmann Stiftung: Jedes Kind bringt der Rentenkasse einen Überschuss von 77.000 Euro / Erziehungsleistungen von Eltern werden nicht angemessen anerkannt / Druck auf Rentensystem steigt ab 2030 sprunghaft

Kinderarmut wirksam zu bekämpfen und Familien als Lebens- und Bildungsorte von Kindern – egal in welcher gewählten Lebensform – zu unterstützen, das erfordert u.a. gravierende Reformen in unseren Sozialversicherungssystemen. Demografiefeste und familiengerechte Sozialversicherungssysteme könnten ein Schritt zu einer Gesellschaft sein, in der Kinder zu bekommen kein Armutsrisiko mehr darstellt – weder in der aktiven Familienphase noch im Alter. Sie wären Teil einer neuen Familienpolitik, die Wohlergehen und Bildungschancen von Kindern in den Vordergrund rückt.

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Publikation: Familien in der Gesetzlichen Rentenversicherung

Ein heute 13-Jähriger wird durchschnittlich 77.000 Euro mehr in die Rentenkasse einzahlen als er selbst an Rente beziehen wird. Seine Eltern ...

Publikation: Zusammenfassung: Familien in der gesetzlichen Rentenversicherung

Familien und Kinder werden durch die derzeitige Ausgestaltung des gesetzlichen Rentensystems benachteiligt. Eltern erbringen durch die Erziehung ...

Publikation: Familienlastenausgleich in der Gesetzlichen Krankenversicherung

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