Eine junge Mutter trägt ihren kleinen Sohn über eine Wiese Huckepack. Beide tragen Regenjacken. Der Junge deutet in die Ferne, die Mutter blickt in die Richtung, in die er zeigt.

Alleinerziehende leben fünfmal häufiger in Armut als Paarhaushalte

50 Prozent der Kinder Alleinerziehender erhalten keinen Unterhalt, 25 Prozent bekommen weniger als ihnen zusteht. Die Folge: Knapp eine Million Kinder Alleinerziehender in Deutschland leben von Hartz IV. Um die Situation dieser Kinder zu verbessern, müsste die Politik Regelungen für den Kindesunterhalt ändern.

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Antje Funcke
Senior Expert Familie und Bildung

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2,3 Millionen Kinder in Deutschland wachsen in einer Ein-Eltern-Familie auf. Ihnen droht häufiger ein Leben in Armut als Gleichaltrigen, die mit beiden Elternteilen zusammen leben. 37,6 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland bezogen 2015 SGB-II-Leistungen, fünfmal so häufig wie Paarhaushalte mit Kindern.

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist nach wie vor sehr hoch; in den vergangenen zehn Jahren hat sich ihre Situation sogar weiter verschlechtert:
42 Prozent bezogen 2014 ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Das sind 6,6 Prozent mehr als 2005. Bei Paarfamilien ist das Armutsrisiko im selben Zeitraum um 11,7 Prozent gesunken. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung. Verfasst haben sie Professorin Anne Lenze (Hochschule Darmstadt) und Antje Funcke (Bertelsmann Stiftung).

"Kinderarmut ist damit ganz wesentlich auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen. Dagegen brauchen wir gezielte Maßnahmen. Nur so ermöglichen wir mehr Bildungs- und Teilhabechancen für fast eine Million betroffene Kinder."

Dr. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Die Hälfte der Alleinerziehenden erhält überhaupt keinen Unterhalt für ihre Kinder. Weitere 25 Prozent bekommen nur unregelmäßig Unterhalt oder weniger als den Mindestanspruch. Die Gründe dafür wurden bislang nicht untersucht. Der fehlende Unterhalt für die Kinder ist eine zentrale Ursache dafür, dass viele Ein-Eltern-Familien nicht über die Armutsgrenze kommen – und das, obwohl mit 61 Prozent die Mehrheit der alleinerziehenden Mütter erwerbstätig ist.

 Die Studie sieht daher dringenden Reformbedarf beim Kindesunterhalt. Bei mangelnder Zahlungsbereitschaft der nicht betreuenden Elternteile muss die Durchsetzung der Unterhaltsansprüche der Kinder verbessert werden.  Zudem sollte der Unterhaltsvorschuss grundlegend reformiert werden, denn die altersgerechten Bedarfe der Kinder müssen gedeckt und von 0 bis 18 Jahren gewährt werden. Die tatsächlich gelebten Betreuungsmodelle in getrennten Familien und die damit verbundenen Mehrkosten müssen im Unterhalts- und Sozialrecht stärker berücksichtigt werden.     

Die komplette Studie von Anne Lenze und Antje Funcke mit dem Titel "Alleinerziehende unter Druck" finden Sie unten zum Download. Weitere Reformvorschläge sind in dem Policy Brief "Reformvorschläge für alleinerziehende Familien" zusammengefasst, den sie unter dem nebenstehenden Link herunterladen können. Darüber hinaus bieten wir Ihnen unten eine Studie zur Lebenslage und den rechtlichen Rahmenbedingungen von Ein-Eltern-Familien im Vereinigten Königreich ("Under pressure?" im ausführlicheren englischen Original oder "Unter Druck?" als deutsche Zusammenfassung) sowie einen Vergleich der Situation in Deutschland und im Vereinigten Königreich zum Download an.