Hände halten Tablet vor deutschem Hintergrund.
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Deutschland: Deutschland hinkt hinterher

Die Gestaltung des digitalen Wandels in der Gesundheit kommt in Deutschland nur schleppend voran. Im internationalen Vergleich mit 16 anderen Nationen belegen wir nur den vorletzten Platz. Digitale Health-Anwendungen sind bisher kaum in der Regelversorgung angekommen. Immerhin: Der zeitliche Rahmen für die landesweite Einführung der elektronischen Patientenakte ist gesetzlich festgelegt.

Platz 16 von 17: Das ist das Ergebnis der #SmartHealthSystems-Studie, die zeigt, dass Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern einen großen Rückstand hat. Ob elektronische Patientenakte, Patientenkurzakte mit einem Basisdatensatz für Notfälle, elektronische Medikationsliste, E-Rezept oder Gesundheitsinformationsportal: In Deutschland ist bisher keine dieser digitalen Anwendungen national umgesetzt.

Dabei mangelt es hierzulande nicht grundsätzlich an Innovationspotenzial: Viele Projekte wie etwa telemedizinische Schlaganfallversorgung im ländlichen Raum waren in den vergangenen Jahren von Erfolg gekrönt und werden als Angebot in der Gesundheitsversorgung genutzt. Doch meistens handelt es sich um regionale Angebote oder Dienste von einzelnen Versorgern. Derzeit entwickeln und testen beispielsweise mehrere Krankenversicherungen wie etwa die AOK und die Techniker Krankenkasse eigene Systeme für elektronische Gesundheitsakten. Allerdings ist noch offen, wie der Datenfluss von den Systemen der Krankenhäusern und Arztpraxen in die Gesundheitsakten geregelt sein wird.

Immerhin: Das seit 2016 geltende E-Health-Gesetz sieht vor, dass jeder Versicherte in Deutschland ab 2021 einen Anspruch auf eine elektronische Patientenakte (ePA) hat. Darin sollen wichtige Dokumente wie Arztbriefe, Medikationsplan, Datensatz für den Notfall oder Impfausweis gespeichert werden können.

Im Mai 2018 stimmte der Deutsche Ärztetag zudem einer Lockerung des Fernbehandlungsverbots zu. Seither ist eine telemedizinische Versorgung von Patienten grundsätzlich möglich. Allerdings können die einzelnen Landesärztekammern dieser Regelung widersprechen. Deshalb beschränkt sich auch das Angebot für Telemedizin bisher nur auf regionale oder lokale Versorger im Rahmen von Selektivverträgen.

Strategie

Erst seit Inkrafttreten des E-Health-Gesetzes 2016 existiert ein formaler Fahrplan für den Ausbau von Digital Health existiert in Deutschland. Dieses hat den Fokus auf die Telematik-Infrastruktur als digitale Infrastruktur für das Gesundheitswesen gelegt. Eine nationale Digital-Health-Strategie mit verbindlichen Zielen und Richtlinien aber fehlt. Lediglich einzelne Anwendungen werden durch das E-Health-Gesetz geregelt. Einer der wichtigsten ist die elektronische Patientenakte: Versicherte sollen ab dem 1. Januar 2021 einen Anspruch darauf haben. Auch telemedizinische Dienste und die Einführung eines Medikationsplans werden im E-Health-Gesetz geregelt. Die Frist zur Einführung einer Videosprechstunde für Vertragsärzte war auf den 31.7.2017 gesetzt.

Rahmenbedingungen und regulatorische Faktoren

Kompetenzen und Entscheidungen werden auf Bundesebene an die Länder und die gemeinsame Selbstverwaltung delegiert. Eine Institution, die die Digitalisierung des Gesundheitswesens umfassend koordiniert existiert jedoch nicht. Lediglich die gematik bildet eine Art institutionelle Verankerung für digitale Gesundheit. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) sowie der GKV Spitzenverband nehmen darin die Rolle der Gesellschafter ein. Halten diese bestimmte Fristen für die Einführung der neuen digitalen Anwendungen nicht ein, sieht das E-Health-Gesetz Sanktionen in Form von Haushaltskürzungen vor. Zudem soll die gematik beauftragt werden, die Voraussetzungen für die zusätzlichen technischen Anforderungen der neuen Zugriffs- und Auhtentifizierungsverfahren zu schaffen. Ein spezielles Budget für nationale Digital-Health-Projekte gibt es nicht, auf Länderebene sind begrenzte Geldmittel für E-Health-Initiativen verfügbar.

Erfolgsfaktoren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat eine Abteilung für Digitalisierung gegründet. Deren Hauptaufgabe ist es, Schnittstellenprobleme zu beseitigen und die nötigen politischen Grundlagen zu erarbeiten, damit auch telemedizinische Leistungen insbesondere in ländlichen Regionen zum Einsatz kommen können Zudem bereitet das Bundesministerium für Gesundheit derzeit ein Gesetz für den flächendeckenden Einsatz von E-Rezepten vor, das spätestens 2020 in Kraft treten soll.

Weitere Informationen über den Digitalisierungsstand in Deutschland stehen unten zum Download bereit.

Länderbericht Deutschland

Publikation: #SmartHealthSystems: Auszug Deutschland

Die Gestaltung des digitalen Wandels in der Gesundheit kommt in Deutschland nur schleppend voran. Im internationalen Vergleich mit 16 anderen ...

Aus unserem Blog

29. April 2019 / Dr. Thomas Kostera: Systematische Akzeptanzförderung als Erfolgsfaktor – Jennifer Zelmer im Skype-Interview zu Digital Health in Kanada

In unserer Studie #SmartHealthSystems haben wir 17 Länder zum Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen analysiert. Im eigens entwickelten Digital-Health-Index belegt Kanada den zweiten Rang. Dr. Jennifer Zelmer, Präsidentin und CEO der „Canadian Foundation for Healthcare Improvement“, erklärt im Sykpe-Interview, dass neue E-Health Dienste dann erfolgreich sind, wenn sie auf die Bedürfnisse von Bürgern und medizinischem Fachpersonal eingehen und als echte Hilfestellung im klinischen Alltag wahrgenommen werden. In Kanada wurde die Aktzeptanz für neue Technologien durch gezielte Einbindung der Anwender und verschiedene Kampagnen systematisch gefördert. Für Zelmer ist das daraus resultierende Engagement von Bürgern und Medizinern ein entscheidender Erfolgsfaktor im kanadischen Digitalisierungsprozess.

20. März 2019 / Dr. Thomas Kostera: Der digitale Wandel im Gesundheitswesen braucht klare Entscheidungsstrukturen und das Vertrauen der Bürger – Madis Tiik im Skype-Interview zu Digital Health in Estland

In unserer Studie #SmartHealthSystems haben wir 17 Länder zum Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen analysiert. Spitzenreiter im eigens entwickelten Digital-Health-Index ist Estland. Wie unser Länderbericht zeigt, sind dort das E-Rezept und elektronische Patientenakten seit gut zehn Jahren gesetzlich verpflichtend. Über das nationale Gesundheitsinformationsportal kann jeder Bürger seine persönlichen Gesundheitsdaten einsehen, sich über Krankheiten informieren oder Arzttermine online buchen. Zudem sind seit 2012 Videokonsultationen und Ferndiagnosen erlaubt und in die ambulante Versorgung integriert. Dr. Madis Tiik, Hausarzt und Digital-Health-Experte, erklärt im Skype-Interview, wie Estland die Digitalisierung erfolgreich gemeistert hat. Der ehemalige CEO der der Estonian eHealth Foundation, betont wie wichtig klare Zuständigkeiten und eine spezifische Organisation für die Umsetzung von Digital-Health-Prozessen sind. Das Vertrauen der Bürger durch größtmögliche Transparenz und eine sichere nationale Infrastruktur sind weitere Erfolgsfaktoren, von denen er berichtet.

18. Februar 2019 / Sina Busse: #SmartHealthSystems: Was macht andere Länder erfolgreich(er)? – Studienergebnisse zum Hören

Wo steht Deutschland bei der digitalen Transformation im Gesundheitswesen im internationalen Vergleich? Und was können wir von anderen Ländern lernen? Diese Fragen standen im Fokus unserer Studie #SmartHealthSystems. Jetzt haben wir in zwei Podcasts über Hintergründe und Ableitungen aus der Studie gesprochen.

31. Januar 2019 / Sina Busse: Heute um 20:15 live im Netz: #FutureMedTalk startet mit Online-Session „Gesundheitsberufe im digitalen Wandel: Wie viel Arzt brauchen wir noch?“

Wie verändert sich der Arztberuf unter den Vorzeichen der Digitalisierung? In welchen Feldern kann Technologie Aufgaben von Ärzten übernehmen? Und was bedeutet das für die Rolle des Arztes – heute und in Zukunft? Diese Fragen stellen wir gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke im Rahmen unseres ersten #FutureMedTalks. Wir diskutieren in einer offenen Online-Veranstaltung heute Abend, […]