Transparentes Smartphone mit Blutdruckwert
© Syda Productions - stock.adobe.com

, Entwicklungsprojekt: AppQ: Gütekriterien-Kernset für mehr Transparenz bei digitalen Gesundheitsanwendungen

Welche Gütekriterien sollten digitale Gesundheitsanwendungen im Kern erfüllen? Wie lässt sich mehr Transparenz über die Qualität der Anwendungen herstellen – für Patienten und Versicherte sowie für empfehlende Ärzte und andere Akteure im Gesundheitssystem? Antworten gibt unser Teilprojekt „AppQ“.

  • PDF

Gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit hat die Bertelsmann Stiftung in den vergangenen Monaten ein Gütekriterien-Kernset für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) entwickelt. Das heute veröffentlichte Kernset trägt den Titel „AppQ“ und besteht in seiner ersten Version aus 24 Kriterien, die in neun Themenbereiche gegliedert sind: darunter „Medizinische Qualität“, „Positive Versorgungseffekte“, „Datenschutz“ sowie „Verbraucherschutz und Fairness“. Die Kriterien dienen der Erhebung von Selbstangaben der Anbieter von DiGA, die als Medizinprodukt zertifiziert sind.

Die Anbieter können freiwillig Auskunft geben zu Indikatoren, die auf die Erfüllung der Kriterien hinweisen. Teilweise werden entsprechende Nachweise abgefragt, zum Beispiel Studienergebnisse. Dafür hat die Stiftung das Kernset in eine spezielle Webanwendung integriert.

Künftig können gemeinnützige und öffentlich-rechtliche Institutionen – etwa medizinische Fachgesellschaften – die strukturierten Daten aus diesen Selbstangaben über eine Schnittstelle beziehen und verarbeiten. Ziel ist es, einen Standard für die Qualitätsbewertung und Qualitätsberichterstattung zu DiGA zu etablieren – und so für mehr Transparenz zu sorgen. So nutzt auch das Stiftungs-Projekt „Weisse Liste“ die Daten im Rahmen der Entwicklung eines entsprechenden Informationsangebots für Patienten und Versicherte.

Die wichtigsten Aspekte zu AppQ im Überblick

Wachsender Informationsbedarf als Anlass
Die Güte von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) für Patienten lässt sich bislang nicht verlässlich beurteilen. Ein anerkannter Standard für Qualitätstransparenz fehlt als Grundlage. Patienten wünschen sich mehr Informationen für ihre Nutzungsentscheidung, Ärzte und weitere Akteure im Gesundheitssystem ein solides Fundament für ihre Empfehlung oder Verordnung von DiGA.

Transparenz durch Anbieter-Selbstangaben 
Das Gütekriterien-Kernset AppQ ermöglicht eine Einschätzung der Qualität sowie einen standardisierten Vergleich der als Medizinprodukt zertifizierten DiGA, unabhängig von ihrem Typ oder ihrer Risikoklasse. Basis sind Anbieter-Selbstangaben zu AppQ nach dem Vorbild der sogenannten Strukturierten Qualitätsberichte von Kliniken. Die Angaben werden über eine spezielle Webanwendung erhoben. Das Kernset besteht aus 9 Themenbereichen, 24 Kriterien, 177 Indikatoren sowie Katalogen zur Erfassung von Stammdaten und klassifizierende Metadaten zu den DiGA.

Umfassender Entwicklungsprozess
AppQ wurde abgeleitet aus dem Metakriterienkatalog APPKRI des Fraunhofer FOKUS und internationalen Vorbildern. Entwickelt wurde es in einem mehrstufigen Prozess und in Kombination verschiedener Methoden. Einbezogen waren insgesamt mehr als 70 Personen: Patienten, praktisch tätige Ärzte sowie zahlreiche Experten für die Themenbereiche, die das Kernset beinhaltet.

Bewertung als folgender Schritt
AppQ als Kernset dient der Erhebung von Qualitätsdaten bei DiGA-Anbietern, es nimmt bewusst keine direkte Bewertung vor. Die Beurteilung der Kriterienerfüllung durch eine DiGA sowie die Gewichtung von Kriterien und Indikatoren können und müssen Dritte vornehmen – vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Perspektive und Kompetenz.

Schnittstelle ermöglicht Zugriff auf Qualitätsdaten
Gemeinnützige und öffentlich-rechtliche Institutionen, etwa medizinische Fachgesellschaften, können die mit AppQ erhobenen Qualitätsdaten über eine Programmierschnittstelle nutzen. Ziel ist es, ihre Bemühungen zur Qualitätsbewertung von DiGA zu unterstützen – die AppQ-Datengrundlage soll zum Standard für die Qualitätsberichterstattung zu DiGA werden.

Weisse Liste entwickelt Informationsangebot
Das Projekt Weisse Liste der Bertelsmann Stiftung nutzt die AppQ-Qualitätsdaten im Kontext der Entwicklung eines speziellen Informationsangebots zu DiGA; im ersten Schritt für Patienten und Versicherte, später für weitere Zielgruppen. Das Angebot soll sukzessive um weitere Qualitätskomponenten ergänzt werden, unter anderem um Gutachten von Medizin-Experten.

Förderung der Qualitätsorientierung bei Anbietern
Anbietern gibt AppQ die Möglichkeit, sich strukturiert mit den zentralen Qualitätsanforderungen an DiGA auseinanderzusetzen. Durch die freiwilligen Selbstangaben können sie ihr Engagement für Qualität nach außen hin sichtbar darstellen.

Kontinuierliche Weiterentwicklung
AppQ 1.0 ist bewusst angelegt als erste Fassung des Gütekriterien-Kernsets. Angesichts der Dynamik im Markt sowie der fortlaufenden theoretischen und politischen Diskussion rund um die Qualitätsanforderungen an DiGA bedarf es einer kontinuierlichen Weiterentwicklung auf Basis eines strukturierten Prozesses.

Publikation: Studienbericht

Welche Gütekriterien sollten digitale Gesundheitsanwendungen im Kern erfüllen? Wie lässt sich mehr Transparenz über die Qualität der Anwendungen ...