Fazit

Mit seiner Wirtschaftskraft liegt Sachsen-Anhalt trotz einer im Ländervergleich besonders dynamischen Entwicklung im letzten Jahrzehnt nach wie vor eher am unteren Ende der Länder.

Was die Fachkräftenachfrage anbelangt, verweist allerdings der unter allen Ländern höchste Anteil mit Ausbildungsabschluss (72 % aller Beschäftigten) auf die weiterhin dominante Rolle der beruflichen Ausbildung für den Arbeitsmarkt. Der hohe Anteil an Schulabsolventen mit mittlerem Abschluss, als traditionelles Hauptreservoir für die Ausbildung, stellt hierfür eine günstige Voraussetzung dar. Problematisch ist hingegen die ungünstige Nachwuchsrelation. Die demographische Entwicklung führte im letzten Jahrzehnt zu einer erheblichen Reduzierung der Neuzugänge ins Ausbildungssystem, hat die an der Angebots-Nachfrage-Relation gemessene Ausbildungsstellensituation im dualen System jedoch nur um 6 % verbessert. So standen dem Einbruch in der Nachfrage auch vergleichbar starke Einbrüche beim Ausbildungsangebot gegenüber. Positiv hervorzuheben ist die in allen Kreisen Sachsen-Anhalts vergleichsweise hohe Einmündungsquote in vollqualifizierende Ausbildung bei gleichzeitig geringer Streuung.

Trotz ebenfalls erheblicher Rückgänge der Anfängerzahlen zählt das Schulberufssystem Sachsen-Anhalts mit einer Einmündungsquote von 34 % der Neuzugänge - neben denen in Berlin und Sachsen - zu den größten. Es wird stärker als in anderen Ländern von den weiblichen Jugendlichen dominiert, wobei sich die Ungleichverteilung auf die Sektoren seit 2005 noch vergrößert hat. Männer sind im Schulberufssystem allerdings nicht nur bei der Einmündung unterrepräsentiert, sie schließen es auch seltener erfolgreich ab als die duale Ausbildung. Bei den Frauen bewegen sich dagegen die Absolventenquoten in den beiden Sektoren auf vergleichbarem Niveau. Insgesamt jedoch verzeichnet Sachsen-Anhalt unterdurchschnittliche Werte beim Abschlusserfolg vollqualifizierender Ausbildungen.

Berufsbildungspolitisch muss aufgrund der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren besonders auf die Sicherung des Nachwuchspotenzials geachtet werden. Die Passung zwischen dem Qualifikationsprofil der Schulabgänger und der Qualifikationsstruktur am Arbeitsmarkt gilt es dabei künftig zu beobachten, insbesondere vor dem Hintergrund des sich auch in Sachsen-Anhalt vollziehenden Wandels hin zu höheren Bildungsabschlüssen.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).