Fazit

Trotz eines überdurchschnittlich hohen Anteils an Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung sind in Mecklenburg-Vorpommern die Vorzeichen für eine offensive Ausbildungspolitik angesichts der am BIP p. c. gemessenen, unter allen Ländern geringsten Wirtschaftskraft und einer Arbeitslosenquote von fast 12 % eher ungünstig. Insbesondere der demographisch bedingte deutliche Abschwung des Nachwuchspotenzials für die kommenden Jahre stellen Berufsbildung und Berufsbildungspolitik vor erhebliche Herausforderungen, die mit den gegenwärtigen, weit unterdurchschnittlichen Ausgaben für berufliche Schulen in Höhe von 3.600 Euro je Schüler nur schwer zu bewältigen sein dürften.

Die bereits jetzt im Ländervergleich günstigste Angebots-Nachfrage-Relation in der dualen Ausbildung, die in einigen Regionen weit über 100 % hinausgeht, verweist vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung auf mögliche, unter Umständen zunehmende Probleme der Unternehmen, Ausbildungsstellen besetzen zu können. Inwiefern dies auch eine Konsequenz des - wie in allen ostdeutschen Ländern - großen Angebotes an vollzeitschulischen Ausbildungsverhältnissen des Schulberufssystems ist, lässt sich schwer beurteilen.

Die Chancen, in vollqualifizierende Ausbildung einzumünden, sind in Mecklenburg-Vorpommern angesichts eines relativ kleinen Übergangssystems relativ gut - und zwar auf allen Niveaus der schulischen Vorbildung. Gerade auch ausländischen Jugendlichen gelingt häufiger als in anderen Ländern der Einstieg in berufliche Ausbildung, sogar häufiger als deutschen Jugendlichen. Dies ist sonst nur in Baden-Württemberg der Fall. Die insgesamt "hohe Ausschöpfung" des geringen Nachwuchspotenzials beim Zugang zur Ausbildung zeigt sich allerdings bei den Abschlüssen nicht in gleicher Weise. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet (neben Berlin) mit nur 68 % der weiblichen und 61 % der männlichen Auszubildenden die niedrigsten Absolventenquoten im Ländervergleich. Bemerkenswert ist dabei, dass im Schulberufssystem mehr Jugendliche erfolgreich die Ausbildung abschließen können als im dualen System. Dies ist so in keinem anderen Land zu beobachten und verweist auf besonderen Handlungsbedarf, will man die im Ländervergleich ausgesprochen geringe Effektivität der dualen Ausbildung erhöhen.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).