Fazit

Bildungs-, Beschäftigungs- und Arbeitsmarktstruktur Hamburgs nehmen unter den Ländern eine Sonderstellung ein, markieren möglicherweise ein Modell, auf das sich andere Länder mit starken Ballungszentren tendenziell hinbewegen: Über die Hälfte Schulentlassener mit Studienberechtigung und nur noch 14 % mit maximal Hauptschulabschluss sind in der Republik einmalig. Eine Beschäftigungsstruktur, die mit vier Fünfteln von qualifizierten und hochqualifizierten Dienstleistungsbeschäftigten dominiert wird, weist ähnlich nur noch Berlin auf.

In der Berufsbildungspolitik hat Hamburg weit überdurchschnittlich viel in berufliche Schulen und vor allem ins Übergangssystem investiert und zugleich eine Konzentration der Übergangsangebote vorgenommen - mit positiven Effekten für die Berufsausbildung in Hamburg. Gegen den Bundestrend sind die Neuzugänge zur vollqualifizierenden Berufsbildung im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen und sind gleichzeitig die Neuzugänge zum Übergangssystem überproportional stark um 60 % gesunken (trotz eines Anteils von 38 % Jugendlichen mit Migrationshintergrund im besonders ausbildungsrelevanten Alter).

Trotz der relativ günstigen Ausbildungsstruktur bleiben beträchtliche Disparitäten in den Zugangschancen zu einer vollqualifizierenden Ausbildung zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen, erwartungswidrig vor allem bei Jugendlichen mit Hochschulzugangsberechtigung. Obwohl Hamburg von allen Ländern mit 62 % den höchsten Anteil von Neuzugängen in der dualen Ausbildung ausweist, bleibt der Ausbildungsmarkt angespannt und die Unterdeckung der Ausbildungsangebote gegenüber der Nachfrage mit 88 % groß, was auch für die meisten Berufsgruppen gilt. Möglicherweise macht sich hier der Zustrom von Ausbildungseinpendlern aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein bemerkbar. Von beiden Schwachstellen her - Unterdeckung und Ausbildungsbenachteiligung von Ausländern - erscheint eine weitere Intensivierung der Berufsbildungspolitik in Hamburg angezeigt.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).