Fazit

Unter den drei Stadtstaaten ist Berlin das Land mit dem niedrigsten Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner und gleichzeitig mit der größten Dynamik in der Wirtschaftsentwicklung. Kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe sowie personenbezogene Dienstleistungsbeschäftigte dominieren den Berliner Arbeitsmarkt. Berlin hat den mit Abstand niedrigsten Anteil von Beschäftigten mit Berufsabschluss, doch kennzeichnet die Qualifikationsstruktur des Arbeitsmarktes vor allem eine Tendenz zu höheren Qualifikationsniveaus, insbesondere akademischen Abschlüssen. Gleichwohl ist Arbeitslosigkeit eine große Herausforderung im Land, die Arbeitslosenquote ist bundesweit die höchste.

Die Angebots-Nachfrage-Relation der dualen Ausbildung liegt ungefähr beim bundesdeutschen Durchschnitt. Damit weist auch Berlin eine Angebotsunterdeckung auf, die sich jedoch seit 2007 positiv entwickelt.

Berlin hat ein vergleichsweises kleines Übergangssystem, was angesichts eines überdurchschnittlich hohen Anteils an Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie überdurchschnittlich vielen Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss nicht selbstverständlich ist. Der Anteil an Neuzugängen, die in die Maßnahmen des Übergangssystems einmünden, hat sich in den letzten Jahren fast halbiert. Gleichzeitig hat der Anteil der Jugendlichen im Schulberufssystem stetig zugenommen. In Berlin variieren die Einmündungsquoten in eine vollqualifizierende Ausbildung besonders stark in Abhängigkeit von der schulischen Vorbildung. Besonders benachteiligt sind hier Jugendliche, die maximal über einen Hauptschulabschluss verfügen. Die Anteile von deutschen und ausländischen Jugendlichen in den drei Sektoren wiederum unterscheiden sich - unabhängig davon, welche schulische Vorbildung die Jugendlichen mitbringen - kaum oder nur auf geringem Niveau. Die insgesamt relativ guten Einmündungschancen in vollqualifizierende Ausbildung spiegeln sich allerdings nicht bei den erreichten Berufsabschlüssen wider: Berlin weist die zweitniedrigste Absolventenquote im Ländervergleich auf.

Eine berufsbildungspolitische Herausforderung besteht darin, dafür Sorge zu tragen, dass sich die Qualifikationsstruktur der Bevölkerung und die Qualifikationsstruktur des Arbeitsmarktes nicht voneinander entkoppeln. Gleichzeitig stellt sich angesichts der geringen Absolventenquoten die Frage, wie die Effektivität der Ausbildung erhöht werden kann.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).