Fazit

Die leistungsstarke Wirtschaftsstruktur in Bayern schlägt sich positiv auf das Ausbildungssystem nieder. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern wurden 2013 überdurchschnittliche Werte in den für die berufliche Bildung wichtigen Leistungsindikatoren ANR, Ausbildungsvertragslösungsquote, Absolventenquote sowie Übernahmequote der Betriebe erzielt.

Allerdings profitieren nicht alle Gruppen gleichermaßen von der positiven Entwicklung am Ausbildungsmarkt. So sind für Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss auffällige Differenzen im Ausbildungsübergang nach Ausländerstatus zu erkennen: Bei dieser Gruppe münden ausländische Jugendliche deutlich häufiger in das Übergangssystem ein als deutsche Jugendliche. Bei mittleren und höheren Schulabschlüssen hingegen sind solche migrationsbedingten Disparitäten nicht mehr feststellbar.

Ein weiteres Problem der beruflichen Ausbildung in Bayern liegt in regionalen Ungleichgewichten begründet. So gibt es eine Reihe von Arbeitsagenturbezirken, in denen eine Unterversorgung mit betrieblichen Ausbildungsplätzen zu erkennen ist, die letztlich auch zu einer Verschärfung von Disparitäten im Ausbildungszugang zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen in den betroffenen Regionen beiträgt. Auch für Bayern kann der Zusammenhang zwischen Jugendarbeitslosigkeitsquote und ANR recht eindrücklich belegt werden. Regionale und migrationsbedingte Disparitäten sowie auffällige Zusammenhänge zwischen ANR und Jugenderwerbslosigkeit sind deutliche Signale dafür, dass bildungspolitische Strategien zur Weiterentwicklung und Sicherung eines auswahlfähigen Berufsausbildungsangebots vor dem Hintergrund regionaler Besonderheiten und mit Blick auf die Minderung von Disparitäten zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen getroffen werden müssen. Dies ist offensichtlich - trotz wirtschaftlicher Prosperität - bisher nur unzureichend gelungen.

Darüber hinaus ist zu erwarten, dass demographiebedingt eine Verschärfung des Wettbewerbs der Unternehmen um ausbildungsbereite Jugendliche zu erwarten ist. Dies betrifft vor allem Regionen, die bereits aktuell eine ANR von über 105 % aufweisen, die es Ausbildungsbetrieben erschweren wird, Ausbildungsplätze adäquat besetzen zu können. Die Herausforderung für die berufliche Bildung in Bayern besteht vor allem darin, langfristig ein qualifiziertes Beschäftigungsvolumen zu sichern, um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Bereits aktuell liefern Vakanzzeiten gemeldeter Arbeitsstellen und deren Erhöhung zwischen 2010 und 2013 in ausgewählten Berufshauptgruppen Indizien für Engpässe in der adäquaten Versorgung mit Fachkräften in Bayern.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).