Fazit des Länderberichts

In Baden-Württemberg verweisen die verfügbaren Indikatoren zur beruflichen Ausbildung insgesamt auf eine günstige Prognose für die kommenden Jahre. Dies signalisieren im Ländervergleich nicht nur die am BIP p. c. gemessen starke Wirtschaftskraft, die ausgeprägte industrielle Basis des Arbeitsmarktes oder die (neben Bayern) geringste Arbeitslosenquote, sondern auch die zu erwartende demographische Entwicklung. So liegen die Nachwuchsrelationen sowohl in kurz- als auch mittelfristiger Sicht deutlich über dem Bundesdurchschnitt der Länder. Trotz gegenwärtiger Unterdeckung der Ausbildungsnachfrage im dualen System dürfte sich vor diesem Hintergrund die Ausbildungsmarktsituation weiter entspannen.

Positiv fallen die im Ländervergleich höchsten Absolventenquoten in Baden-Württemberg auf, die auf eine insgesamt überdurchschnittlich hohe Effektivität der dualen Ausbildung hinweisen, insbesondere unter den männlichen Jugendlichen. Der hohe Anteil der Neuzugänge im Übergangssystem erscheint in Baden-Württemberg weniger problematisch als in anderen Ländern, da hier für einen Großteil der Berufsfachschüler das erste Jahr bei erfolgreichem Abschluss als erstes Ausbildungsjahr des dualen Systems angerechnet wird.

Betrachtet man Differenzen zwischen Frauen und Männern so zeigt sich, dass Frauen insgesamt auf eine bessere Vorbildung aufbauen können und dass sie im Vergleich zu den Männern mit gleicher Vorbildung sich vermehrt in das Schulberufssystem und nicht in die duale Ausbildung einmünden. In absoluten Zahlen wählen mehr Frauen mit (Fach-) Hochschulreife eine Berufsschulausbildung als Männer.

Die Einmündungsquoten von Jugendlichen aus dem Ausland in die duale Ausbildung sind geringer als die der Frauen und die der Frauen geringer als die der Männer. Hinzu tritt, dass ausländische Jugendliche auch weniger in das Schulberufssystem einmünden. Sie befinden sich in der Mehrzahl im Übergangssystem. Dies gilt unabhängig von ihrer schulischen Vorbildung. So sind 41% der ausländischen Jugendlichen mit mittlerem Abschluss im Übergangssystem und 31% der deutschen.

Eine expansive Berufsbildungspolitik scheint demnach auch für Baden-Württemberg trotz positiver Ausgangslage noch angezeigt, will man den künftigen Fachkräftebedarf in Baden-Württemberg sichern und eine weiterhin ausgeglichene Arbeitsmarktsituation aufrechterhalten. Dies betrifft insbesondere die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, deren Anteil im ausbildungsrelevanten Alter überdurchschnittlich hoch ist.

 

Autoren: Prof. Dr. Martin Baethge, Markus Wieck (Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen, SOFI); Prof. Dr. Susan Seeber, Beatrice Lenz, Christian Michaelis (Universität Göttingen); Prof. Dr. Kai Maaz, Dr. Daniela Julia Jäger, Dr. Stefan Kühne, Sebastian Wurster (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, DIPF).