lunchtime Storytelling
Bertelsmann Stiftung

Vortrag: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

Storytelling konkret: Journalist Thomas Byczkowski stellte in der Lunchtime die Geschichten von Geflüchteten anhand Portraits und Fotos aus ihrem Lebensalltag dar. Empathie statt Hysterie – kann man mit konkreten Alltagsgeschichten zur Entdramatisierung des öffentlichen Diskurses beitragen? 

Mit eindrucksvollen Portraits von ca. 10 Geflüchteten begann Thomas Byczkowski seinen Vortrag. Er habe versucht, in den letzten 1 ½ Jahren hinter diese Gesichter zu blicken: Wie leben die Flüchtlinge hier? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie lernen sie? Was beschäftigt sie? Welche Arbeits- oder Ausbildungsperspektiven haben sie? Bewusst stellt er in seinem Projekt „Menschen statt Zahlen“ die Menschen in den Mittelpunkt – verbunden mit dem Appell: „Schaut Euch Eure neuen Nachbarn an!“.

Ein zwölfjähriger Junge, dessen Familie in Hamburg zusammengefunden hat, der schnell und fließend Deutsch gelernt hat, daher für seine Eltern übersetzt, sie zu Behörden und ins Krankenhaus begleitet – bricht eines Tages zusammen, weil ihn die ganze Situation überfordert. Das ist eine der Geschichten, die deutlich machen, wie wichtig es ist, nicht nur auf Einzelthemen wie Deutschförderung oder Unterkunft zu schauen, sondern den ganzen Menschen und seine Geschichten zu sehen. Hierfür die Öffentlichkeit zu sensibilisieren, statt nur auf Zahlen zu schauen, das ist das Anliegen des Journalisten und Fotografen Byczkowski.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es alles andere als einfach ist, an die Menschen und ihre Geschichten heranzukommen. Was ist also das Erfolgsgeheimnis? „Zeit, Zugang und Zuwendung“, so Thomas Byczkowski. Zeit, weil man auch erst mal ein Vertrauensverhältnis aufbauen müsse, damit Menschen, in diesem Fall Geflüchtete, bereit sind, sich fotografieren zu lassen und ihre Geschichten zu teilen. Zugang, indem man „Türöffner“ findet, die einem überhaupt erst ermöglichen, in Flüchtlingsunterkünfte zu kommen oder auch Menschen in ihrer Sprache anzusprechen. Und Zuwendung im Sinne von echtem Interesse. Denn, wer nur ein schnelles Bild für ein Magazin erwischen möchte, werde hier nicht weit kommen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass auch eine professionelle Distanz nötig ist, um sich nicht von den oft existenziellen Sorgen und Einzelschicksalen gefangen nehmen zu lassen.

Klar wurde: kein Lebenslauf gleicht dem anderen – das „Ankommen in Deutschland“ ist doch ein sehr komplexer Prozess, der eine ganzheitliche Betrachtung und Herangehensweise erfordert. Die Schlüsselbegriffe für das Storytelling, „Zeit, Zugang und Zuwendung“, sind gleichzeitig auch für jeden Integrationsprozess unabdingbar. Die eindrucksvollen Geschichten der einzelnen Geflüchteten sind es unbedingt wert, erzählt zu werden.

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