Netzwerktreffen AID
Kai Uwe Oesterhelweg

Abschluss-Lernnetzwerktreffen: Projektkommunen von „Ankommen in Deutschland“ ziehen positive Bilanz

Wie kann die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen gelingen?

 

Wir in den Kommunen konnten bereits viele Geflüchtete mit Sprachkursen versorgen und anschließend in Arbeit oder Ausbildung vermitteln.“ Eine einhellig positive Bilanz zogen die Teilnehmer des 6./7. Lernnetzwerktreffens. Doch sie formulierten im Gespräch mit Brigitte Mohn auch Verbesserungsvorschläge, adressiert an Bund und Länder. Beispielsweise wäre es sinnvoller, wenn die Kommunen mit steuern könnten, in welche Sprach- und Integrationskurse Geflüchtete kämen, da sie die Gegebenheiten vor Ort schließlich kennen. Darin waren sich die Teilnehmenden einig. Bisher ist das allein Aufgabe des BAMF.

 

Zu Beginn der Veranstaltung stand die Frage an, welche digitalen Tools bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt helfen. Zu den Referenten dieses Themenblocks zählten Sebastian Muschter aus der Bertelsmann Stiftung, Ben Mason vom digital-sozialen Forschungsinstitut betterplace.lab sowie Tom Lawson vom Social-Startup JobKraftwerk.

 

Lernnetzwerk AID
Abschluss-Lernnetzwerktreffen Ankommen in Deutschland am 14. Und 15. Juni 2018, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

Die Rolle digitaler Integration

Sebastian Muschter verwies im Kontext seiner vorherigen Tätigkeit als Krisenmanager beim LAGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) auf Erfolgsbeispiele, die im Rahmen seiner Round-Table-Initiative entstanden waren. Hierzu hatten sich wertvolle Partnerschaften mit ehrenamtlich Engagierten aus der Digitalwirtschaft zum Thema digitale Flüchtlingsintegration entwickelt. Auf Grundlage seiner Erfahrungen unterstrich Muschter die Rolle der kommunalen Akteure als Türöffner im Integrationsprozess und ermutigte die Anwesenden, sich dafür einzusetzen, dass innovative digitale Angebote ihren Weg in staatliche Regelstrukturen finden.

Auch Ben Mason zufolge müsse eine bessere Verzahnung vor allem mit der öffentlichen Verwaltung stattfinden, damit vielversprechende digitale Projekte ihr volles Wirkungspotenzial entfalten können. Umgekehrt würden diese Projekte als Erweiterung von bestehenden analogen Angeboten der Verwaltung deren Reichweite erhöhen und so beispielsweise Versorgungslücken füllen. Ben Mason appellierte damit ebenfalls an die anwesenden kommunalen Akteure, digitalen Produkten mit mehr Offenheit zu begegnen und diese als Chance für effektivere Arbeitsprozesse zu begreifen. Auch Tom Lawson, dessen Unternehmen der Verwaltung Software-Lösungen zum regionalen Integrations- und Case Management anbietet, veranschaulichte in seinem Vortrag den langfristigen Mehrwert für alle Beteiligten.

Beteiligung der Wirtschaft

Im folgenden Themenblock wurde der Frage nachgegangen, welche Kooperationserfahrungen zwischen der Verwaltung und der Wirtschaft bereits gemacht wurden und wie diese weiterhin ausgebaut werden könnten.

Zu Beginn der Austauschrunde stellte Andreas Merx von der IQ Fachstelle Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung beispielhaft die KMU-Toolbox "Vielfalt und Interkulturalität im Betrieb" vor. Als Informations- und Unterstützungsinstrument rund um die Themen vielfaltsorientierte Personalarbeit und Diversity werde sie hauptsächlich von Multiplikatoren und Großunternehmen bestellt.

Was die praktische Rolle der Unternehmen betrifft, verwies Rolf Göbels vom IQ Netzwerk NRW auf eine gut genutzte Datenbank, in der etwa 15.000 interessierte Betriebe, sogenannte „Integrationsbetriebe NRW“, Geflüchteten Praktikumsstellen als ersten Schritt in den Arbeitsmarkt anbieten. Sebastian Prange von der Industrie- und Handelskammer zu Lippe und Detmold verwies ferner auf die „Willkommenslotsen“, die kleine und mittlere Unternehmen bei der Besetzung von offenen Ausbildungs- und Arbeitsstellen mit Geflüchteten unterstützen.

Im Kontext des Zusammenspiels zwischen Wirtschaft und Kommune wurden abschließend messbare und kostenlose Methoden aufgezählt, wie man Unternehmen aus kommunaler Sicht erreichen könne. Genannt wurden beispielsweise persönliche Kontakte und Kaltakquise, Newsletter der IHK von Kommunen an Unternehmen, Round-Table-Initiativen mit Bürgermeistern, Wirtschaftsvertretern etc. sowie gezielte Pressearbeit und Marketing.

Lernnetzwerktreffen AID
Abschluss-Lernnetzwerktreffen Ankommen in Deutschland am 14. Und 15. Juni 2018, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

Erfahrungen aus den Kommunen

Am Folgetag des Lernnetzwerktreffens begrüßte Brigitte Mohn die Anwesenden, indem sie die besondere Rolle der Kommunen im Integrationsprozess würdigend hervorhob. Gleichzeitig betonte sie die Notwendigkeit offener Diskussionen „von unten nach oben“, denn Mohn zufolge seien wir in der Testphase für viel größere Probleme, die sich vor Ort in den Kommunen spiegeln und entsprechend aufgegriffen werden sollten.


In diesem Zusammenhang entwickelte sich ein reger Austausch mit den kommunalen Akteuren, die über ihre Erfahrungen berichteten und Empfehlungen an Bundes- und Landesebene aussprachen. Ein notwendiger Gelingensfaktor für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten sei aus kommunaler Sicht die Öffnung der oberen Verwaltungsstrukturen im Sinne einer rechtskreisübergreifenden Kooperationsbereitschaft. Auch die Verankerung langfristiger Strukturen (beispielweise Langzeitberatung und Case Management) sei unabdingbar für einen effektiven Integrationsprozess. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein Impulsreferat von Petra Pfänder, die die Evaluation der Prozessergebnisse des Projekts „Ankommen in Deutschland“ durchführt. Die Teilnehmenden erarbeiteten konkrete Beispiele, welche Veränderungen und Wirkungen bereits erzielt werden konnten.

Lernnetzwerktreffen AID
Abschluss-Lernnetzwerktreffen Ankommen in Deutschland am 14. Und 15. Juni 2018, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

Ausblick

In Kürze erscheint ein Policy Paper des Projekts „Ankommen in Deutschland“ zum Thema Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten vor Ort. Zudem sollen die Lernerfahrungen sowie erprobten Beteiligungsformate und Produkte in Form eines digitalen Handbuchs für den Transfer vorbereitet und öffentlich zur Verfügung gestellt werden. Ende des Jahres 2018 erscheint außerdem ein umfassender Evaluationsbericht im Rahmen einer Verlagspublikation. Kooperationspartner des Projektes sind im Handlungsfeld Arbeitsmarktintegration das IQ Netzwerk und die JP Morgan Chase Foundation.

Beim Lernnetzwerktreffen des Projekts „Ankommen in Deutschland“ am 14. und 15. Juni 2018 in Gütersloh tauschten sich die circa 35 Teilnehmer aus den Projektkommunen aus, beschäftigten sich mit Digitalisierungstools und der Kooperation mit Unternehmen und diskutierten mit Brigitte Mohn darüber, was schon erreicht wurde und was noch zu verbessern sei.