Zwei Seniorinnen vor dem Pflegeheim Kruse in Petershagen bei Minden. Fotoshooting für change 3/2013.
Arne Weychardt

Analyse und Konzept: Pflege vor Ort gestalten

Deutschland wird immer älter. Mehr und mehr Menschen werden künftig Pflege benötigen. Das stellt vor allem die Kommunen vor Herausforderungen - denn Pflege findet vor Ort statt. Mit dem "Pflegereport 2030" hat die Bertelsmann Stiftung eine Analyse des steigenden Pflegebedarfs vorgelegt. Das Konzept für ein "Regionales Pflegebudget" knüpft daran an: Es zeigt Wege auf, Kommunen in eine gestaltende Rolle zu bringen.

Ausgangslage: Der Pflegebedarf wächst

Deutschland wird immer älter. Der demographische Wandel sorgt dafür, dass bis zum Jahr 2030 die Hälfte der Bevölkerung über 50 Jahre alt ist. Der Anteil der Menschen über 80 wird um fast 60 Prozent steigen. Entsprechend steigt auch die Zahl der Menschen, die Pflege benötigen. Bereits heute gibt es rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland - bis zum Jahr 2030 wird die Zahl auf etwa 3,4 Millionen steigen. Diese Entwicklung stellt die Gesellschaft vor immense Herausforderungen: Wie soll die Pflege der Menschen künftig organsiert werden - sodass sie den Bedürfnissen der Betroffenen entspricht? Wer wird die Pflege übernehmen, gibt es genug Pflegekräfte? Die Fragen betreffen auch und vor allem die Kommunen - denn Pflege findet vor Ort statt.

Analyse: Eine Versorgungslücke entsteht

Mit dem "Pflegereport 2030" hat die Bertelsmann Stiftung eine Analyse des steigenden Pflegebedarfs vorgelegt. Der Report  soll in Bevölkerung und Politik ein Bewusstsein für die Situation schaffen und eine Grundlage für entsprechende gesellschaftspolitische Weichenstellungen sein. Er zeigt: Während die Zahl der Pflegebedürftigen bundesweit um 50 Prozent zunimmt, ist die Zahl der Menschen, die in der Pflege arbeiten, rückläufig. Wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen, werden 2030 fast 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen. Es entseht also - wenn auch regional unterschiedlich - eine deutliche Versorgungslücke in der Pflege. Die Schlussfolgerung: Künftig lässt sich Pflege nicht mehr von professionellen Kräften allein leisten. Die Lücke lässt sich allerdings durch einene konsequente Umsetzung des Grundsatzes "ambulant vor stationär" entschärfen. 

Konzept: So können Kommunen gestalten

Bei der Diagnose der Versorgungslücke setzt das Konzept für ein "Regionales Pflegebudget" an. Es schlägt vor, die Leistungsmittel der Pflegeversicherung mit der kommunalen Gestaltungsverantwortung zu verbinden. Kommunen würden entsprechend der Anzahl und Einstufung ihrer pflegebedürftigen Bürger Mittel aus der Pflegeversicherung erhalten. Die Zuweisung wäre unabhängig vom gewählten Pflegesetting – also ambulant oder stationär. Das Besondere: So würde ein finanzieller Anreiz gesetzt, ambulante Versorgungsangebote vor Ort zu fördern. Die individuellen Leistungsansprüche der Pflegebedürftigen und ihre Wahlmöglichkeiten blieben unangetastet.

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