Junge Europäische Föderalisten Europa
Junge Europäische Föderalisten Europa (JEF) / flickr - CC BY-NC 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

, Studie: "Exit, voice or loyalty?” Wie denkt die junge Generation über Europa und Demokratie?

Mit dieser Publikation präsentieren wir die Ergebnisse einer Analyse der Haltungen junger Europäer aus Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn zum gegenwärtigen Zustand der europäischen Integration.

Gleich nach dem Brexit-Referendum in Großbritannien im Juni 2015 gab es zahlreiche Erklärungen, dass die ältere und mittlere Generation die jüngere Generation überstimmt habe, dass sie gegen die Interessen der jungen Briten votiert hätten. Eine gleichzeitig in Polen durchgeführte Meinungsumfrage zeigte, dass hier die Situation umgekehrt war: während 77 % der Polen in der EU bleiben wollten und nur 16 %  für einen Austritt aus der Union stimmten, würden 27 % der jungen Generation (18 – 29 Jahre) einen Austritt bevorzugen.

Die Mehrheit der Befragten sieht viele Vorteile in der EU-Mitgliedschaft ihres jeweiligen Heimatlandes und votiert für den Verbleib in der EU bei gleichzeitiger Arbeit an Reformen. Gleichwohl unterscheiden sich die Ansichten der Befragten zu gesellschaftlichen Trends und Werten wie Demokratie, Multikulturalismus, Globalisierung oder Migration deutlich.
Gabriele Schöler

Diese Euroskepsis erstaunte uns angesichts der Tatsache, dass die jüngeren Generationen den größten Nutzen aus der Mitgliedschaft ihres Landes in der Europäischen Union zu ziehen schienen. Nimmt man zu diesen Umfrageergebnissen noch die Beobachtung, dass insbesondere in einigen der vier Visegrad-Staaten zu dieser Zeit EU-kritische, nationalistische Regierungen im Amt waren, stellte sich die Frage, ob dies ein neuer Trend bei der jungen Generation in diesem Teil Europas sei? Wenn ja, was bedeutet dies für die Zukunft, wenn diese Generation tatsächlich in ihren Ländern zur Wahl geht? Sollte und könnte man diesen Trend verändern? Und wie sieht es in Österreich aus, wo zur Zeit unserer ersten Überlegungen, zwei Kandidaten um das Amt des Bundespräsidenten konkurrierten, von denen einer ein Vertreter der rechten, populistischen und national-konservativen Freiheitlichen Partei Österreichs war?  Und wie steht es um die jungen Deutschen? Glauben sie, wie wir alle ohne den geringsten Zweifel überzeugt waren, an die europäische Integration auch zu einer Zeit, in der Europa mit einer Krise nach der anderen klarkommen muss, von der Euro-Krise bis zur “Flüchtlingskrise” des Jahres 2015?

Aufgrund dieser Beobachtungen und Überlegungen führten wir eine Jugendumfrage in sechs EU-Mitgliedstaaten in, geographisch betrachtet, Mittel- und Osteuropa durch, in Deutschland, Österreich, Polen, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn.  Ihr Ziel war herauszufinden, inwieweit die Jugend dieser Länder tatsächlich euroskeptisch ist, und, wenn dies der Fall ist, mögliche Gründe dafür zu finden. Wir wollten die Denkweise dieser Generation besser verstehen. Daher fragten wir nicht nur nach der allgemeinen Einschätzung der europäischen Integration, ihren Nutzen und Kosten, sondern auch nach der Meinung über einige spezifische Themen wie Migration, Unterstützung der Demokratie, Globalisierung – Faktoren, die ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung der weiteren Integration Europas sind.

Die daraus resultierende Studie (nur in englischer Sprache verfügbar) besteht aus drei Teilen: im ersten beschreiben wir die allgemeinen Ergebnisse aller sechs Länder, wobei wir die Übereinstimmungen und Unterschiede herausarbeiten und einige allgemeine Schlussfolgerungen ziehen. Wir versuchen auch, das „Bild des Euroskeptikers“ zu zeichnen und darzustellen, wie ein junger Euroskeptiker denkt, welche Meinungen sie oder er über europäische Politik, Demokratie und Globalisierung hat. Nach diesem breiteren Überblick stellen die Autoren aus jedem Land die jeweiligen nationalen Ergebnisse dar und kommentieren sie, wobei sie die Korrelationen zwischen den Antworten untersuchen, und sozio-demographische Daten ebenso wie bereits vorliegende, ähnliche Untersuchungen zu Hilfe nehmen. Jedes Länderkapitel fasst zu Beginn die wesentlichen Ergebnisse knapp zusammen. Am Ende eines jeden Länderkapitels formulieren wir Handlungsempfehlungen aus: was kann getan werden, damit junge Europäer die EU-Integration besser verstehen und reflektieren?

Publikation: Exit, voice or loyalty? Young people on Europe and Democracy

This publication presents the attitudes of young Europeans from Austria, the Czech Republic, Germany, Hungary, Poland and Slovakia towards the ...

Hintergrundinfo

Hintergrundinfo

Unsere repräsentative Online-Umfrage wurde vom 30. Januar bis 13. Februar 2017 unter 3.000 jungen Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren in Deutschland, Österreich, Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei durchgeführt (je Land 500 Befragte auf Basis einer auf Eurostat-Statistiken beruhenden Quotenrechnung).

Die Umfrage entstand in Kooperation mit dem polnischen Institut für Öffentliche Angelegenheiten (ISP) in Warschau und wurde vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Public (ehemals TNS Infratest) abgehalten. Beteiligte Kooperationspartner in den übrigen Ländern waren das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien, das Institut für öffentliche Fragen (IVO) in Bratislava, das STEM-Institut in Prag und das Institut Political Capital in Budapest.

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