2001 - 2003: Wettbewerb zur Integration von Zuwanderern - Eine Initiative des Bundespräsidenten

Stadt Gütersloh, Bundespräsident Johannes Rau

Projekttyp:

Wettbewerbe, Studien und Publikationen

Themen:

Integration von Zuwanderern, Bürgerschaftliches Engagement, Partizipation, Kriterien erfolgreicher Integration, Integrationsstrategien

1. Ziel: Identifikation und Verbreitung modellhafter bürgerschaftlicher Initiativen bei der Integration von Zuwanderern

2. Maßnahmen:
- Vorbereitung eines gemeinsamen Wettbewerbs mit dem Bundespräsidenten (Expertengespräch, Recherche)
- Durchführung eines bundesweiten Wettbewerbs (Auftaktveranstaltung im Schloss Bellevue, Ausschreibung, Jurysitzungen, Abschlussveranstaltung mit Prämierung im Schloss Bellevue)
- Analyse erfolgreicher Strategien bürgerschaftlichen Engagements zur Integration von Zuwanderen und Dokumentation des Wettbewerbs (Publikationen);

Gemeinsam mit Bundespräsident Johannes Rau führte die Bertelsmann Stiftung 2002 einen bundesweiten Wettbewerb für bürgerschaftliche Initiativen bei der Integration von Zuwanderern durch. Aus den über 1300 Bewerbungen wurden von einer Jury namhafter Integrationsexperten zehn Preisträger ausgewählt. Die Publikation „Auf Worte folgen Taten“ (Gütersloh 2003) dokumentiert die erfolgreichen Projekte und identifiziert vorbildliche Strategien bürgerschaftlichen Engagements bei der Integration von Zuwanderern.

Im Frühjahr 2007 wurden ausgewählte Initiativen „fünf Jahre später“ noch einmal zu ihrem aktuellen Engagement und möglichen Unterstützungsbedarfen befragt.

Die erste Berliner Rede seiner Amtszeit widmete Bundespräsident Johannes Rau am 12. Mai 2000 der Integration von Zuwanderern in Deutschland ("Ohne Angst und ohne Träumereien: Gemeinsam in Deutschland leben"). Darin beschrieb er die Förderung der Integration als eine „gesellschaftspolitische Aufgabe allererster Ordnung“. Die Bertelsmann Stiftung hatte bereits 1992 mit ihrem Carl-Bertelsmann-Preis auf die „neue“ Einwanderungsrealität in Deutschland aufmerksam gemacht. Bundespräsident Johannes Rau gab 2001 den Anstoß für einen gemeinsamen Wettbewerb mit der Bertelsmann Stiftung, durch den modellhafte Initiativen bei der Integration von Zuwanderern identifiziert und prämiert werden sollten. In der Vorbereitungsphase erstellten Prof. Thränhardt und Dr. Hunger im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Expertise „Was kann die Bürgergesellschaft zu einer gelungenen Integration von Ausländern beitragen? Zu dieser Frage fand am 18. Juli 2001 auch ein Expertengespräch im Schloss Bellevue statt.

Der Wettbewerb wurde am 31. Januar 2002 im Schloss Bellevue ausgelobt. Prominente Persönlichkeiten mit Zuwanderungsgeschichte engagierten sich als „Botschafter“ für den Wettbewerb: die Schauspieler Miroslaw Nemec und Erol Sander, die Boxer Wladimir und Vitali Klitschko sowie die Popband Bro´Sis. Die Resonanz auf den Wettbewerb war überwältigend. Über 1300 Initiativen aus ganz Deutschland bewarben sich.

Zur Jury unter dem Vorsitz von Staatssekretär Rüdiger Frohn und Prof. Werner Weidenfeld gehörten Prof. Rita Süssmuth, Prof. Dietrich Thränhardt, Prof. Klaus Bade, Prof. Friedrich Heckmann, Prof. Karl Ganser sowie die Ausländerbeauftragte von Brandenburg, Almut Berger, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände Kostas Pappas und die Bundestagsabgeordnete Lale Akgün. Die Jury wählte am 11.Juli 2002 in Berlin zehn Preisträger aus:

Agora – Kulturzentrum der Griechischen Gemeinde (Castrop-Rauxel)
Akarsu – Gesundheit, Bewegung, ausbildungsbegleitende Hilfe und Berufsvorbereitung (Berlin)
Ausländerinitiative (Freiburg)
Bunt kickt gut! Interkulturelle Straßenfußball-Liga (München)
Dien Hong (Rostock)
Förderunterricht für Kinder und Jugendliche ausländischer Herkunft an der Universität Essen (Essen)
Internationale Gärten (Göttingen)
Straßen-Kinder-Projekt (Köln)
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein (Kiel)
Verknüpfende Jugendprojekte (Perleberg)

Weitere 180 Bewerber erhielten eine besondere Auszeichnung für ihr Engagement.

Die Preisträger wurden von Bundespräsident Johannes Rau und Liz Mohn, Präsidium der Bertelsmann Stiftung, im Präsidentengarten von Schloss Bellevue am 22. August 2002 geehrt. In einer im Fernsehen übertragenen und von Jörg Pilawa moderierten Veranstaltung wurde das Engagement der erfolgreichen Initiativen einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Musikeinlagen der Wettbewerbsbotschafter Bro´Sis und Miroslav Nemec mit Band sowie der beiden Gruppen Rainbow und Sons of Gastarbeita- zwei Initiativen, die sich beim Wettbewerb beworben hatten, bildeten den Rahmen für das Fest, zu dem über 1000 Gäste – neben Prominenz aus Politik und Kultur die ausgezeichneten Initiativen sowie Vertreter der Fachöffentlichkeit – kamen.

Die Strategien der modellhaften Initiativen wurden von der Bertelsmann Stiftung analysiert und in einer umfassenden Dokumentation des Wettbewerbs veröffentlicht. Als besonders erfolgreich erweisen sich:
- Strategien, die bei den vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen der Zuwanderer ansetzen und ihre Eigenaktivität befördert;
- Strategien, die Interessen von Akteuren der Aufnahmegesellschaft einbeziehen;
- Strategien brückenbildenden Sozialkapitals, bei denen Netzwerke und Bündnisse unterschiedlicher Gruppen und Akteure gegründet werden
- Strategien, die Zuwanderer und Einheimische über gemeinschaftliche Anliegen zusammenbringen, z.B. im Wohnumfeld, im Sport oder im kulturellen Bereich.

Im Frühjahr 2007 wurden ausgewählte Initiativen zu ihrem aktuellen Engagement befragt. Im Fokus stand dabei die Frage nach Unterstützungsbedarfen.