1999 - 2001: Jugendschutz im Internet

Themen:

Jugendliche, Internet-Filter, Internet-Regulierung

Projekttyp:

Kongresse, Publikationen

Während regionale und nationale Aufsichtsbehörden und die Politik eine sich rasant wandelnde Rundfunk- und Telekommunikationslandschaft regulieren wollen, hat sich das digitale Medium Internet diesen Zugriffen bereits weitgehend entzogen. Das Internet hat eine Informationsrevolution herbeigeführt. Die freie und ständig wachsende Internet-Welt bietet Nutzern neue Möglichkeiten in den Bereichen Kommunikation, Information, Unterhaltung und Handel. Gleichzeitig erfordert der grenzüberschreitende Datenverkehr eine neue Verantwortungskultur für Medienindustrie, Medienpolitik, Nutzer und - bei illegalen Inhalten - die Strafverfolgungsbehörden. Besonders Kinder und Jugendliche müssen in der Internet-Welt begleitet und vor schädigenden Inhalten geschützt werden. Die Bertelsmann Stiftung hat zusammen mit renommierten Gutachtern analysiert, wer im Internet Verantwortung übernehmen muss und wie neben dem Jugendschutz vor allem auch die Informationsfreiheit gesichert werden kann. Das tragende Element der neuen Medienpolitik, die sich mit der Regulierung des Internet befasst, ist die Selbstregulierung. Mit Hilfe eines internationalen Expertennetzwerkes hat die Bertelsmann Stiftung ein Memorandum mit konkreten Empfehlungen für ein internationales System zur Selbstregulierung von Internet-Inhalten erarbeitet. Das System stützt sich auf vier Eckpfeiler:
- Selbstregulierung der Internet-Industrie,
- Self-Rating und Filtersysteme,
- Hotlines, Strafverfolgung zur Absicherung von Selbstregulierung.

Das Memorandum wurde der Öffentlichkeit im September 1999 auf dem von der Bertelsmann Stiftung organisierten Internet Content Summit in München präsentiert. Rund 350 internationale Experten diskutierten, wie Selbstregulierung das Internet kinder- und jugendsicherer machen kann. Das Projekt wird bis in das Jahr 2001 hinein mit mehreren Workshops fortgeführt. Wichtiges Ziel ist dabei die internationale Implementierung eines wirksamen Filtersystems, mit dem selbstverantwortliche Nutzer eigenständig entscheiden können, welche Inhalte auf die eigenen Computerbildschirme oder die ihrer Kinder gelangen. Wichtige Hinweise liefert hier eine Studie der Bertelsmann Stiftung, durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach. Danach begrüßen acht von zehn Befragten in Deutschland, den USA und Australien die Möglichkeit, mittels geeigneter Filtersoftware die Inhalte des Internet eigenverantwortlich von ihrem heimischen Computer fernzuhalten. Zur internationalen Implementierung eines Filtersystems engagiert sich die Bertelsmann Stiftung auch bei der Internet Content Rating Association (ICRA).

Bertelsmann Stiftung und Bundeskriminalamt kooperieren beim Jugendschutz im Internet (Pressemeldung) Filter sollen rechtsextremistische Inhalte ausblenden Das Bundeskriminalamt (BKA) stellt der Bertelsmann Stiftung seine "Negativliste" von Websites mit rechtsextremen Inhalten zur Verfügung. "Mit diesen Adressen sind wir unserem Ziel, die gesellschaftliche Verantwortung im Internet zu sichern, deutlich näher gekommen", sagt Mark Wössner, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. Die Liste des BKA werde in das Filtersystem der Internet Content Rating Association (ICRA) integriert. ICRA (www.icra.org) wurde als unabhängige Non-Profit-Organisation 1999 von der Bertelsmann Stiftung sowie führenden Internet- und Technologieunternehmen wie AOL, Microsoft, IBM und T-Online gegründet."Wir wollen Eltern helfen, ihre Kinder besser vor rechtsextremistischen Inhalten im Internet zu schützen, deshalb begrüßen wir die Initiative der Bertelsmann Stiftung sehr", sagt Leo Schuster, Direktor beim BKA. Mit dem ICRA-Filtermodell wird zum ersten Mal ein System geschaffen, mit dem auch für den deutschen Sprachraum jugendgefährdende und extremistische Internet-Inhalte gezielt ausgeblendet werden können. Dr. Marcel Machill, Projektleiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung: "Eltern können so das Risiko, dass ihre Kinder auf schädliche Seiten stoßen, minimieren. Gleichzeitig verhindern wir staatliche Zensur im Internet, denn es bleibt den Eltern überlassen, ob sie das Filtersystem aktivieren."

Das besondere an dem Filtersystem: Anbieter von Internetseiten klassifizieren ihre Inhalte selbst - so wie ein Lebensmittelhersteller auf der Packung angibt, welche Zutaten in seinem Produkt sind. Das Ergebnis der Klassifikation wird in ein elektronisches Etikett "gegossen", das beim Internet-Surfen von den gängigen Browsern gelesen werden kann. Wichtige Ergänzung zu dieser Selbstklassifizierung sind "Negativlisten", wie sie jetzt das Bundeskriminalamt einbringt. "So kann das Filtersystem auch Schutz vor in der Regel besonders problematischen Anbietern gewährleisten, die ihre Seiten nicht selbst klassifizieren", erläutert Machill. Erstmals präsentiert wird das Filtersystem am 8. September 2000 auf einer Konferenz der Bertelsmann Stiftung. Rund 80 Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen aus aller Welt, wie z.B. Kirchen, Gewerkschaften, Kinderschutzorganisationen, Jugendhilfeeinrichtungen oder Medienaufsichtsbehörden, kommen dabei in Gütersloh zusammen und beraten über ihre Mitwirkung an dem ICRA-Filtersystem, das laufend verfeinert und weiterentwickelt wird: Im Frühjahr 2001 wird Eltern eine ganze Bibliothek an Filteroptionen zur Verfügung stehen.