1992 - 1992: International Bertelsmann Forum 1992

"Die Zukunft Europas: Alternativen – Strategien – Optionen"

Das herausragende Ereignis des Jahres 1992 im Bereich der „Internationalen Beziehungen" war das erste International Bertelsmann Forum, das vom 3. bis 5. April im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn stattfand. Unter der überschrift „Die Zukunft Europas" war hier ein hochkarätiger Teilnehmerkreis, darunter zehn gegenwärtige und ehemalige Staats- und Regierungschefs sowie der Präsident der EG-Kommission, zusammengekommen, um über Alternativen, Strategien und Optionen für das Europa der neunziger Jahre zu diskutieren.

Abseits des hektischen politischen Tagesgeschäftes will das International Bertelsmann Forum europäischen Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien die Gelegenheit zum informellen Dialog bieten. Angesichts der zerbrechlichen Lage, in der sich Gesamteuropa trotz des Endes des Ost-West-Konfliktes befindet, erscheint der gesamteuropäische Gedankenaustausch heute dringlicher denn je. Die Bertelsmann Stiftung hat hier ein Defizit erkannt und will mit dem International Bertelsmann Forum den Informations- und Meinungsaustausch über gesamteuropäische Probleme und Aufgaben ermöglichen; sowohl im Bereich der Außenpolitik, der Sicherheitsund Verteidigungspolitik sowie der Rüstungskontrolle als auch im Bereich der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit sowie des kulturellen Austausches. Gleichzeitig hat sich das International Bertelsmann Forum zum Ziel gesetzt, Strategien und Optionen für gesamteuropäische Lösungen in diesen Bereichen zu erarbeiten. Grundprinzip der Stiftungsarbeit ist es, exemplarische Lösungen für Probleme unserer Zeit zu erarbeiten. Dieser Ansatz prägt auch die Anlage des International Bertelsmann Forum. Zunächst hat die Bertelsmann Stiftung ein hochkarätiges Steering Committee berufen, das die zentralen Punkte europäischer Politik identifiziert, in denen Beratungsbedarf besteht, und daraus die Kernfragen des International Bertelsmann Forums formuliert. Ausgehend von dieser Agenda entwickelte ein wissenschaftlicher Projektpartner, die Forschungsgruppe Europa an der Universität Mainz unter der Leitung von Professor Dr. Werner Weidenfeld, als Diskussionsgrundlage für das IBF ein Grundsatzpapier, das eine Bestandsanalyse europäischer Politik unternimmt und Zukunftsszenarien für die Entwicklungen in Europa entwirft.Die Diskussionen während der beiden Konferenztage auf dem Petersberg bei Bonn spiegelten die vielfältigen Probleme wider, vor denen sich Europa heute sieht, das seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr solche Chancen zur politischen Gestaltung hatte. „Soviel Anfang war nie" - solche Gefahren waren selten: Die Umgestaltung der GUS-Staaten ist in vollem Gange; die politischen und wirtschaftlichen Reformen Mittel- und Osteuropas sind noch längst nicht abgeschlossen. Mitten in Europa wütet 1992 zum ersten Mal seit 47 Jahren wieder ein fürchterlicher Krieg. Weitere neue Konflikte zeichnen sich ab. Die Spannungen zwischen verschiedenen Nationalitäten nehmen zu. Der Mittelmeerraum bleibt ein permanenter Krisenherd.Gleichzeitig gewinnen die Integration der Europäischen Gemeinschaft und