2005 - 2010: Bertelsmann Reformindex (BRI)

Auf Einladung der Bertelsmann Stiftung reisten am 14. und 15. Februar 2007 Länderexperten von Mexiko bis Neuseeland nach Berlin, um am "Kick-off meeting" des "Bertelsmann Reform Index" (BRI) teilzunehmen. Das Projektteam des BRI diskutierte mit rund 60 Politik- und Wirtschaftsforschern aus den OECD-Staaten Einzelheiten des BRI-Konzeptes und erläuterte ihnen das Vorgehen in der nun beginnenden Gutachterphase des Projektes. So wurden Einzelheiten zur inhaltlichen Anlage des Reform-Index als auch zur Online-Datenbank, die für die Erstellung der Länderberichte zur Verfügung gestellt wird, erläutert.

Auf die Herausforderungen bei der Messung von Reformbedarf und Fähigkeiten konsolidierter marktwirtschaftlicher Demokratien wiesen die Diskutanten des anschließenden Podiums hin. Rolf Alter, Stabschef des OECD-Generalsekretärs, machte auf die oft unzureichende Datenbasis aufmerksam und unterstrich, dass der Bertelsmann Reform Index hier wertvolle Abhilfe schaffen könne. BRI-Board-Mitglied Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, stellte in seinem Redebeitrag die konzeptionellen Herausforderungen einer vergleichenden Erfassung der Güte nationaler Reformen in den Vordergrund. Ingo Karsten, Leiter der Abteilung Weltwirtschaft im Auswärtigen Amt, formulierte an den BRI die Erwartung, dass seine Ergebnisse möglichst griffig ausfallen: Politiker könnten nur mit nachvollziehbaren Ergebnissen und eindeutigen Botschaften etwas anfangen.

Dem Spagat zwischen wissenschaftlicher Präzision einerseits und politisch verwertbaren Ergebnissen trägt der BRI Rechnung, indem er einen doppelten Zugang für die Datenerhebung wählt: Von insgesamt 159 Indikatoren des Rankings beruhen 92 auf quantitativen Daten internationaler Organisationen wie der OECD, der Weltbank etc. Bei 67 weiteren Indikatoren sollen hingegen die 90 BRI-Gutachter nuancierte Einschätzungen der Regierungsleistung in ihrem jeweiligen Land auf 15 Politikfeldern abgeben. Auf diese Weise entsteht ein facettenreiches Bild von Reformbedarf und -fähigkeiten der OECD-Staaten, das sowohl Vergleichbarkeit im internationalen Kontext als auch nationalen Besonderheiten gerecht wird.

Im März wird für die Berichterstatter die BRI-Datenbank im Internet freigeschaltet - die gesamte Durchführungsphase läuft online ab. Die Gutachter haben bis Ende Juli Zeit, ihre Länderberichte zu verfassen, während die statistische Auswertung der quantitativen Daten schon weitgehend abgeschlossen ist. Im zweiten Halbjahr werden die Einzelergebnisse von sieben Regionalkoordinatoren untereinander abgeglichen und vom BRI-Team aufbereitet. Die erste Ausgabe des Reform-Index soll im Frühjahr 2008 erscheinen.

Der BRI gehört jetzt zum Projekt "Sustainable Governance Indicators (SGI)"

Die Sustainable Governance Indicators (SGI) bewerten den Reformbedarf und die Reformfähigkeit im Sinne der Regierungsleistung in 31 entwickelten Industriestaaten, die der OECD angehören. Analog zum Bertelsmann Transformation Index (BTI) sind die SGI in einen Status- und einen Management Index unterteilt. Quantitative Daten internationaler Organisationen werden durch qualitative Bewertungen anerkannter Länder-Experten ergänzt. März 2011 ist die neueste Ausgabe der alle zwei Jahre aktualisierten SGI erschienen

- Wie erfolgreich sind die OECD-Staaten bei der Realisierung nachhaltiger Politikergebnisse?

- Wie steht es um die Qualität ihrer demokratischen Ordnung?

- Wie gut ist in den jeweiligen Staaten die strategische Steuerungsfähigkeit mit Blick auf das Zusammenspiel von Regierungen und gesellschaftlichen Akteuren ausgeprägt?

Diese Leitfragen beantworten die SGI durch einen systematischen, indikatorgestützten Vergleich aller OECD-Staaten. Sie geben damit Aufschluss über die Zukunftsfähigkeit der analysierten Staaten und ihrer Gesellschaften.

Rund 70 internationale Experten sind an der großangelegten Studie beteiligt, die von der Bertelsmann Stiftung alle zwei Jahre durchgeführt wird. Auf der Basis von rund 150 qualitativen und quantitativen Indikatoren zeichnen die SGI ein detailliertes Stärken- und Schwächenprofil der OECD-Staaten, um auf diese Weise die Debatte um "Gutes Regieren" und nachhaltige Politikergebnisse in der OECD-Welt zu befördern. Damit folgen die SGI einem expliziten Anspruch des Stifters Reinhard Mohn, durch systematisches (internationales) Vergleichen Erfolgsbeispiele zu identifizieren und von diesen im jeweils eigenen nationalen Kontext zu lernen.

Die SGI gehen dabei weit über rein ökonomische Kennziffern hinaus, denn gesellschaftlicher Fortschritt und Zukunftsfähigkeit lassen sich nicht allein durch Wachstumsraten oder materiellen Wohlstand ausdrücken. Daher bilden die SGI den Erfolg der OECD-Staaten auch in zahlreichen weiteren politischen Handlungsfeldern ab, die für das Ziel einer langfristigen Trag- und Leistungsfähigkeit der ökonomischen, politisch-sozialen und ökologischen Systeme sowie ein hohes Maß an gesellschaftlicher Teilhabe nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Dazu zählen folglich Bereiche wie Bildung, Beschäftigung, Gesundheit, Integration, Innovation oder Umwelt.

Neben solchen klassischen Politikfeldern untersuchen die SGI zudem die Qualität von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie die konkrete Steuerungsfähigkeit von Regierungen. Damit geben die SGI erstmals Antwort auf die Frage, wie gut ein Staat durch politische Steuerung überhaupt in der Lage ist, drängende Probleme zu identifizieren, strategische Lösungsangebote zu formulieren und damit nachhaltige Politikergebnisse überhaupt erst zu befördern.