2011 - 2013: Audit Familiengerechte Kommune

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport in NRW

Angesichts des demographischen Wandels und der Standortkonkurrenz der Gemeinden gewinnt die Gestaltung familiengerechter Kommunen zunehmend an Bedeutung. Das "Audit familiengerechte Kommune" ist bundesweit das einzige Planungs- und Steuerungsinstrument, das Kommunen auf dem Weg zu einer gemeinsam getragenen Familienorientierung begleitet und eine strategische Klammer um alle Maßnahmen bildet.

Die Auditierung benötigt ca. zwölf Monate. In diesem Zeitraum wird eine umfassende Bestandsaufnahme der örtlichen familienpolitischen Leistungen vorgenommen, eine Strategie für die verschiedenen Handlungsfelder erarbeitet, Familien und Akteure werden an der Abstimmung der Ziele beteiligt und eine politische Beschlussfassung über die Ziele und Maßnahmen für die nächsten drei Jahre wird herbeigeführt.

Die Auditierung endet im Erfolgsfall mit der Zertifizierung als "Familiengerechte Kommune". Das Instrument unterstützt Bürgermeister/innen und Gemeinderäte dabei, die Eigenkräfte und Problemlösungspotenziale ihrer kommunalen Verantwortungsgemeinschaft, also aller örtlichen Akteure auszuschöpfen.

Das Audit familiengerechte Kommune ist bundesweit einzigartig, weil es nachhaltige familiengerechte Gesamtstrategien, verbunden mit einer hohen politischen Verbindlichkeit, entwickelt. Beides führt damit zu einer höheren Akzeptanz familienpolitischer Aktivitäten in den Kommunen.

Der gemeinnützige Verein "Familiengerechte Kommune e.V."Der Verein "Familiengerechte Kommune e.V." mit Sitz in Gütersloh und Geschäftsstelle in Bochum führt das Audit bundesweit durch. Mittels lizenzierter Auditoren wird in den Kommunen - unter Einbindung der politischen Gremien - ein familienpolitisches Gesamtkonzept auf der Grundlage einer ausführlichen Ist-Analyse entwickelt, das die spezifische Situation der Familien vor Ort berücksichtigt. Das Instrument wurde als Pilotprojekt in acht Kommunen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt, darunter die Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Zertifikatsverleihung fand im Juli 2010 in Düsseldorf statt.

Eine weitere Pilotphase mit vier Pilotkommunen fand in Baden-Württemberg statt. Die vier Kommunen sind am 1. Dezember 2011 von der baden-württembergischen Sozialministerin Katrin Altpeter mit dem Zertifikat "Familiengerechte Kommune" geehrt worden.

Was ist das Besondere am "Audit familiengerechte Kommune"?

Das Audit familiengerechte Kommune ist ein strategisches Planungs- und Führungsinstrument für die politische Entscheiderebene:

- Es entwickelt auf Basis einer Analyse der familienpolitischen Ausgangslage eine nachhaltige Gesamtstrategie.

- Es führt zu mehr Verbindlichkeit in Politik und Verwaltung.

- Es bündelt vorhandene Aktivitäten und führt zu einem stärker abgestimmten Vorgehen aller Beteiligten.

- Es intensiviert die Zusammenarbeit der Kommune mit ihren Bürgern und der freien Wohlfahrtspflege.

- Der Prozess wird durch erfahrene und lizenzierte Auditor/innen gesteuert.

- Es erfolgt eine seriöse, qualitative Begutachtung durch unabhängige Experten.

- Die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen wird über drei Jahre durch eine jährliche Berichterstattung abgesichert.

- Über drei Jahre ist die teilnehmende Kommune an einem interkommunalen Fortbildungs- und Austauschnetzwerk beteiligt, das vom Verein organisiert wird.

Acht ''familiengerechte'' Kommunen in NRW (Newsartikel, 02.07.2010)

Acht Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen dürfen sich ab sofort „familiengerechte Kommune“ nennen: Die Städte Aachen, Altena, Düsseldorf, Emsdetten, Gladbeck, Kreuztal, Lippstadt und die Gemeinde Rödinghausen haben im Rahmen eines Pilotprojektes das Auditierungsverfahren „familiengerechte Kommunen“ abgeschlossen und jetzt bei einer Feierstunde in Düsseldorf von NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers das entsprechende Zertifikat erhalten. Die Bertelsmann Stiftung und die gemeinnützige GmbH „berufundfamilie“ hatten das Audit auf Initiative der Landesregierung entwickelt.

Die drei Partner möchten damit einen Beitrag zur Familiengerechtigkeit leisten. Nach der erfolgreichen Entwicklungsphase in Nordrhein-Westfalen haben inzwischen auch Kommunen aus anderen Bundesländern ihr Interesse am Audit angemeldet.

Ministerpräsident Rüttgers, der auch Schirmherr des Audits ist, würdigte das „bundesweit einzigartige und wirkungsvolle“ Instrument. Es unterstütze Kommunen dabei, „konkrete Verbesserungen für Familien umzusetzen – und dies unter Beteiligung aller relevanten Akteure". Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, hob hervor, dass „auch die Kommunen, die sich in einer prekären demographischen und finanziellen Situation befinden, sehr konkrete Verbesserungen für die Familien erzielen konnten“. Das zeige, dass das Audit nicht nur wohlhabenden Kommunen zur Standortsicherung dienen, sondern „für alle Kommunen ein wirksamer Hebel sein kann, vorhandene Potenziale zu entdecken und zu aktivieren“.

Die Auditierung benötigt etwa zwölf Monate und endet im Erfolgsfall mit der Zertifizierung als „Familiengerechte Kommune“. Das Instrument unterstützt Bürgermeister und Gemeinderäte dabei, die Kräfte vor Ort zu bündeln, um familiengerechte Problemlösungen zu finden. Gesteuert wird die Auditierung durch geschulte Auditoren, die fachliche und organisatorische Lernprozesse anstoßen. Am Ende des Prozesses kennen die Kommunen nicht nur die Stärken und Schwächen ihrer bisherigen Familienpolitik, sondern haben unter breiter Beteiligung aller relevanten Akteure konkrete Ziele und Maßnahmen erarbeitet, mit denen sie ihr familienpolitisches Profil in den kommenden drei Jahren schärfen.

Mit der Überreichung der Zertifikate ist die Pilotphase des Audits abgeschlossen. Der Echtbetrieb soll von „Faktor Familie“, einer Ausgründung aus der Ruhruniversität Bochum unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Klaus-Peter Strohmeier, übernommen werden. Voraussichtlich ab Ende 2010 können weitere Kommunen mit der Auditierung starten. Derzeit wird eine weitere Pilotierung in Baden-Württemberg durchgeführt.

Einige Beispiele aus der Vielzahl verschiedener Maßnahmen der einzelnen Kommunen:

Die Universitätsstadt Aachen hat ein professionelles Betreuungsangebot des Studentenwerks weiterentwickelt;

Altena die kontinuierliche Begleitung von Nachbarschaften beschlossen; Düsseldorf will einen Familienkompass über Dienstleistungen und Ansprechpartner erstellen, der in Kooperation mit den Unternehmen an die berufstätigen Eltern herangetragen wird;

Emsdetten hat sich mit dem Audit u.a. die Vernetzung der Angebote für die verschiedenen Generationen vorgenommen;

Gladbeck als Kommune mit problematischer finanzieller und sozialer Ausgangslage will ein Bildungshaus entwickeln;

Kreuztal hat einen Architekturwettbewerb "Mehrgenerationen wohnen" beschlossen;

Lippstadt hat sich mit der Aktion "Lippstadt familienfreundlich" die Einrichtung von Spielecken, Wickelbereichen und Toiletten im Innenstadtbereich vorgenommen;

Rödinghausen als kleine Kommune im ländlichen Raum will sich ein familienpolitisches Leitbild geben und richtet eine Koordinierungsstelle für das Querschnittsthema Familienpolitik ein, die u.a. die Aktivitäten alle Vereine übernimmt.