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Was wir erreicht haben: Wegweiser Kommune

Städte, Gemeinden und Landkreise sind der Kristallisationspunkt für die demographischen Herausforderungen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund hat die Bertelsmann Stiftung ein Demographie-Portal für diese Zielgruppe entwickelt, das allen Interessierten über das Internet zugänglich ist. Bis heute hat der „Wegweiser Kommune“ bei Bevölkerungsvorausberechnungen ein Alleinstellungsmerkmal: Frei von politischen Vorgaben und im Austausch mit kompetenten Partnern wie den Statistischen Ämtern der Länder oder der Bundesagentur für Arbeit, stellt er allen Kommunen in Deutschland mit über 5.000 Einwohnern seine Prognosen und Handlungskonzepte zur Verfügung. Inzwischen hat der „Wegweiser Kommune“ mit rund 193.000 Besuchern pro Jahr seine Stellung als bundesweites Datenportal gefestigt und ist als zentrale Datenquelle bei kommunalen Akteuren geschätzt.

Die Rolle der Bertelsmann Stiftung als Reformakteur für demographische Herausforderungen

Die Bertelsmann Stiftung gehörte zu den ersten unabhängigen Reformakteuren in Deutschland, die sich systematisch mit den Folgen des demographischen Wandels für die Gesellschaft befasst haben. Die Programm-Aktivitäten wurden bereits im Jahr 2003 aufgenommen und sollen zunächst bis in das Jahr 2022 fortgesetzt werden.

Als die öffentliche Debatte zu diesem Thema Fahrt aufnahm, war sie von Schreckensszenarien und negativen Trendfortschreibungen gekennzeichnet. Hier wollte die Bertelsmann Stiftung gegensteuern. Ein Leitmotiv ihrer „Aktion Demographischer Wandel“ war es, diesen grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungsprozess als Chance darzustellen – entschlossenes Handeln vorausgesetzt.

Sensibilisierungs-Kampagne in Zusammenarbeit mit Bundespräsident Horst Köhler

Seit der Aufnahme ihrer Programmarbeit verfolgte die Bertelsmann Stiftung eine Doppelstrategie: Einerseits sollten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die Folgen des demographischen Wandels sensibilisiert werden. Andererseits sollten den Kommunen in Deutschland als Kristallisationspunkt für die demographische Entwicklung valide Daten, Handlungsempfehlungen und Praxisbeispiele zur Verfügung gestellt werden.

Zu den Meilensteinen der Sensibilisierungs-Kampagne auf der Bundesebene gehörte das „Forum Demographischer Wandel“ – eine Initiative des Bundespräsidenten Horst Köhler in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung. 

Zwischen Dezember 2005 und April 2009 fanden im Rahmen dieser Allianz zahlreiche Konferenzen und Werkstattgespräche statt. In seiner Abschlussrede  sagte der Bundespräsident:

Horst Köhler
Wir haben mitgeholfen, das öffentliche Bewusstsein für den demographischen Wandel zu stärken. (…) Ich bin überzeugt: Wer einmal die ‚demographische Brille‘ aufhatte, der erkennt, wie sehr alles mit allem zusammenhängt: Sozialpolitik und Bildungswesen, Stadtentwicklung und Familienpolitik, Engagement-Förderung und Integration. Und der begreift, wie wichtig es ist, vernetzt zu denken und zu handeln.

(…) Es gibt einen gemeinsamen Nenner, der lautet: Ohne Berücksichtigung der demographischen Entwicklung ist künftig kein Staat mehr zu machen. Wer heutzutage noch plant, ohne die entsprechenden Prognosen heranzuziehen, handelt unverantwortlich. Wer Strukturen erhält, die eine sinnvolle Anpassung an künftige Herausforderungen blockieren, versündigt sich an künftigen Generationen.
Horst Köhler- ehemaliger Bundespräsident

Kooperationen mit den Bundesländern

Ein frühes Beispiel für die Sensibilisierungs-Kampagne auf Länderebene war der „Demografie-Gipfel“ in Zusammenarbeit mit der sächsischen Staatskanzlei am 21. April 2004 . Hier diskutierten renommierte Bevölkerungswissenschaftler aus ganz Deutschland über die Themenbereiche Staatliche Handlungsfähigkeit, Finanzielle Ressourcen, Familienpolitik, Arbeitsmarkt und Qualifikation sowie Raumentwicklung und Raumplanung. Das Resümee lautete: 

Viele Kommunen im Osten der Republik machen schon heute die Erfahrungen, die Kommunen in Westdeutschland in wenigen Jahren machen werden: Sinkende Bevölkerungszahlen, zunehmende Alterung, Wegzug der jungen und mobilen Bürger und in der Folge Rückbau der Bildungs- und Versorgungsinfrastruktur. Auf der Veranstaltung wurde deutlich gemacht, wie der demografische Wandel als Chance für unsere Gesellschaft genutzt werden kann. 

Nach dem Vorbild des sächsischen „Demografie-Gipfels“ wurden zahlreiche weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern in den Bundesländern durchgeführt. 

Kommunen als Kristallisationspunkt für demographische Herausforderungen

Städte, Gemeinden und Landkreise sind der Kristallisationspunkt für die demographischen Herausforderungen in Deutschland – davon ist die Bertelsmann Stiftung seit ihrem Einstieg in dieses Themenfeld im Jahr 2003 überzeugt. Daher wurde diese Zielgruppe bereits parallel zur Sensibilisierungsphase in den Blick genommen. Eine repräsentative Bürgermeister-Befragung der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2005 zeigte den herausragenden Stellenwert des Themas demographischer Wandel: 72,1 Prozent der Befragten sprachen von einer hohen Relevanz und forderten ein Informations- und Frühwarnsystem mit Prognose-Daten als Steuerungsinstrument.

Bereits im Februar 2006 veröffentlichte die Bertelsmann Stiftung auf dem Kongress „Kommunen schaffen Zukunft“ in Berlin zum ersten Mal die Ergebnisse des „Wegweisers Kommune“ (damals „Wegweiser Demographischer Wandel“) .

„Wegweiser Kommune“:

Alleinstellungsmerkmal bei Bevölkerungsvorausberechnungen

Bis heute hat der „Wegweiser Kommune“ bei Bevölkerungsvorausberechnungen ein Alleinstellungsmerkmal: Frei von politischen Vorgaben und im Austausch mit kompetenten Partnern wie den Statistischen Ämtern der Länder oder der Bundesagentur für Arbeit, stellt er allen Kommunen in Deutschland mit über 5.000 Einwohnern (3.053 Städten und Gemeinden sowie 294 Landkreisen) seine Prognosen und Handlungskonzepte zur Verfügung. Damit eröffnet der „Wegweiser Kommune“ einen datengestützten Blick auf die Entwicklung in den Politikfeldern Demographischer Wandel, Bildung, Finanzen, Integration, Nachhaltigkeit, Pflege, Soziale Lage sowie Wirtschaft und Arbeit.

Die Informationsplattform, die hier im Video erläutert wird, richtete sich zunächst an kommunale Entscheider in Politik und Verwaltung. Inzwischen ist die Nutzergruppe deutlich heterogener geworden: So stellt der Wegweiser auch für die Wissenschaft, für Journalisten und Bürger eine wichtige Informationsplattform dar, um sich aktiv in die Gestaltung des demographischen Wandels vor Ort einzubringen.

Wirkung des "Wegweisers Kommune"

Die Bertelsmann Stiftung hat ihre Programm-Aktivitäten zum demographischen Wandel mehrfach extern bewerten lassen, um den Bedürfnissen und Erwartungen ihrer Zielgruppen gerecht zu werden. Grundlage dabei war das Wirkungsmodell der evidenzbasierten kommunalen Steuerung.

Die wichtigsten Leitfragen waren:

  • Sind die behandelten Themen aus Sicht der Zielgruppe relevant?
  • Werden zur Problemlösung die richtigen Instrumente entwickelt?
  • Werden die adressierten Zielgruppen erreicht?
  • Wie lässt sich Skalierung erreichen?
  • Wie schätzt die Zielgruppe die Qualität der Arbeit ein?
  • Erhöhen die Angebote die Problemlösungskompetenz der Zielgruppe?

Bei der Bewertung ihrer Projektarbeit orientiert sich die Bertelsmann Stiftung an dem von PHINEO entwickelten Modell der sozialen Wirkung. Die letzte Wirkungsanalyse wurde im Jahr 2017 durchgeführt.

Zentrale Ergebnisse

Die Bewältigung des demographischen Wandels und die Digitalisierung sind aus Sicht der Zielgruppe die wichtigsten kommunalen Themen.

Bei der Erreichung der Zielgruppe geben 70 Prozent der Befragten an, dass die Angebote der Stiftung zur Bewältigung des demographischen Wandels in der Hälfte aller Kommunen bekannt sind. Bei der Skalierung wird deutlich, dass die zunächst ins Auge gefasste Zielgruppe der kommunalen Entscheider deutlich heterogener geworden ist. Die Wissenschaft, Schüler und Studenten, Vereine und Verbände, interessierte Bürger und Selbstständige nutzen die Daten des „Wegweisers Kommune“. Insgesamt wird den Portalen und Studien der Bertelsmann Stiftung eine hohe Lösungskompetenz bescheinigt.

Zugriffe auf den „Wegweiser Kommune“

Die Zugriffszahlen auf den „Wegweiser Kommune“ belegen die große Nachfrage in den Zielgruppen. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Besucher auf hohem Niveau von rund 174.000 im Jahr 2015 auf über 193.000 im Jahr 2018 gestiegen.

Wirkung des „Wegweisers Kommune“ und Ausblick

Die Befragungen zeigen deutlich den großen Bedarf sowohl an thematischen Datenberichten als auch an konkreten Handlungsempfehlungen und guten Praxisbeispielen. Daher soll die Entwicklung unterschiedlicher analoger und digitaler Formate weiter ausgebaut und auf eine breitere Basis gestellt werden.

Der „Wegweiser Kommune“ hat seine Stellung als bundesweites Datenportal gefestigt und ist als zentrale Datenquelle bei kommunalen Akteuren geschätzt.

Seine Datenbasis wird kontinuierlich weiterentwickelt. An einer neuen Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2035 wird gearbeitet.



Die Projekte zur Bewältigung des demographischen Wandels werden künftig mit den Aktivitäten der Bertelsmann Stiftung zum digitalen Wandel im neuen Projekt „Smart Country“ zusammengeführt. Denn von der Qualität und Ausgestaltung digitaler Anwendungen wird es abhängen, ob das Innovationspotenzial der Digitalisierung für die Gestaltung des demographischen Wandels genutzt werden kann.