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Nachhaltige Bank: Verantwortung statt Gier

Bei der GLS Bank sieht man Geld als soziales Gestaltungsmittel für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. Kann das funktionieren? Eine Begegnung mit ungewöhnlichen Bankern. VON CASPAR DOHMEN

Von „systemisch organisierter Verantwortungslosigkeit“ spricht Thomas Jorberg, fragt man ihn nach dem Zustand des heutigen Finanzsystems, weil bei gleichem Risiko und gleicher Laufzeit einer Anlage immer die Höhe des Zinssatzes darüber entscheide, was mit dem Geld passiert. „Völlig außer Acht bleibt, was finanziert wird“, kritisiert der Chef der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, kurz GLS Bank.

Genauso ungewöhnlich wie der Name der Bank ist ihre Geschichte und Arbeitsweise. Der 56-jährige Bankdirektor ist ein gefragter Gesprächspartner, seitdem die Finanzkrise den Ruf seines Berufsstandes ramponiert hat. Journalisten, Politiker und Verbraucher interessieren sich zunehmend für sein Institut. Regelmäßig fährt Jorberg auch zu Preisverleihungen, wie im Dezember nach Düsseldorf, wo die Bank zum „nachhaltigsten deutschen Unternehmen 2012“ gekürt wurde, als erste Bank überhaupt.

Jorberg weiß um den Etikettenschwindel, den viele Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit betreiben. Manche setzten nachhaltig nur mit langfristig gleich, erzählt er, andere hätten ihre ökonomischen Ziele einfach um eine ökologische und soziale Komponente ergänzt.

Das alles entspricht nicht unserem Nachhaltigkeitsverständnis“, sagt Jorberg: „Ziel unserer Tätigkeit ist eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft und unserer Lebensgrundlagen.“

Geld verstehen wir als ein soziales Gestaltungsmittel.
Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank

Jorberg kann darauf verweisen, dass bei seiner Bank dieses Verständnis schon lange Programm war, als der Begriff „nachhaltig“ in Mode kam. Menschen bei der Umsetzung ihrer Ideen zu helfen, das war der Impuls des Kreises um den Notar Wilhelm-Ernst Barkhoff, der 1974 die erste ethische Bank Europas gründete.

Ihnen ging es um sozialen, nicht um monetären Gewinn. Anfangs verzichteten sie sogar ganz auf Kreditzinsen. Stattdessen legten sie ihre Kosten am Ende eines Jahres über eine geringfügige Umlage auf die Kreditnehmer um.

Wie das Nachhaltigkeitsmodell in der Praxis funktioniert:

Geld gleicht dem Seewasser. Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man.
Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank

Dieser Satz ist mit dicken Lettern auf dem Plakat zu lesen, das an der Fassade der Hauptverwaltung der Bank in der Bochumer Christstraße hängt. Jorberg war 1977 der erste Lehrling. Einige Lektionen des Einmaleins für Bankkaufleute musste er bei der örtlichen Volksbank lernen, denn die Gemeinschaftsbank war damals ziemlich klein, zwölf Mitarbeiter und 2.335 Kunden, und sie bestritt gar nicht alle üblichen Bankgeschäfte, so gab es kein Girokonto.

Heute wechseln 2.000 Kunden jeden Monat zu der Alternativbank mit ihren 430 Beschäftigten. Ende des Jahres dürften die Bochumer mehr als 150.000 Kunden haben. Damit ist die größte deutsche Alternativbank genauso groß wie eine mittelgroße Sparkasse.

Aber kann sie mit ihrem Geschäftsgebaren Gewinn machen, den sie selbstverständlich auch benötigt, beispielsweise, um notwendige Investitionen zu tätigen oder Rücklagen für Kreditrisiken zu bilden?

Tatsächlich schneiden Alternativbanken gut ab. Das belegt eine Studie der Rockefeller-Stiftung. Sie verglich im Auftrag von 22 Alternativbanken deren Geschäfte mit denen von 29 als systemrelevant geltenden Häusern, also solchen, bei denen besondere Vorsicht geboten ist, weil sie aufgrund ihrer Größe und Vernetzung bei einer Pleite ganze Volkswirtschaften in Mitleidenschaft ziehen können. In dem untersuchten Zeitraum von 2001 bis 2011 war die Gesamtkapitalrendite der nachhaltigen Banken höher als bei den systemrelevanten Instituten.

 

Zugzwang durch Bankenregulierung

Allerdings hat das Geschäftsgebaren der Großbanken negative Konsequenzen für kleinere und nachhaltig agierende Häuser wie die GLS. Viele Regierungen denken über neue Regeln für Banken nach. Die Geldhäuser sollen beispielsweise mehr Eigenkapital vorrätig halten, damit sie Krisen besser überstehen und der Steuerzahler nicht so schnell einspringen muss.

 

Diese Regeln, geschaffen, um die Machenschaften großer Häuser zu unterbinden, setzt auch die GLS unter Zugzwang. Deswegen gab die Bank Ende 2011 etwas auf, mit dem sie sich seit ihrer Gründung ebenfalls bewusst von anderen Banken abgesetzt hatte: den Zinsverzicht für Genossenschaftsanteile. Nur so glaubte man genügend Eigenkapital einsammeln zu können, um die künftigen gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können. Der Plan ging auf, ein Stück Andersartigkeit verloren.

Weitere Beispiele für nachhaltige Banken

Umweltbank Die Umweltbank finanziert ausschließlich Umweltprojekte.

Ethikbank Die Ethikbank bedient ihre Kunden als Direktbank telefonisch oder online. Mit ihren Krediten finanziert sie ausschließlich „ökologisch und sozial sinnvolle Maßnahmen“ wie Passiv- und Energiesparhäuser oder Projekte zur Erhaltung kultureller Werte.

Triodos Bank Die Triodos Bank wurde 1980 auf Initiative der niederländischen Triodos-Stiftung gegründet und finanziert ausschließlich Unternehmen, Institutionen und Projekte, die zum Wohle von Mensch und Umwelt beitragen.

 

Unser Autor

Was macht die Bank mit unserem Geld? Am Beispiel des weltweit ersten sozial-ökologischen Finanzinstituts, der GLS Bank, beschreibt Caspar Dohmen in seinem Buch „Good Bank“, wie „Good Banking“ funktioniert. Ganz konkret zeigt der Autor, dass sich Wirtschaftlichkeit und soziale Visionen zu wechselseitigem Vorteil verbinden lassen. Das Buch ist erschienen im Freiburger Verlag Orange Press.

 

 

Mehr Texte zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie in change Ausgabe 2/2013

Mehr Texte zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie in change Ausgabe 2/2013