Geldscheine verschiedener Nationen hängen an einer Wand
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, Studie: Der Westen hat längst seine eigene "Seidenstraße"

China propagiert seine "Belt & Road-Initiative" als Entwicklungsinitiative für den eurasischen Kontinent und verfolgt damit geopolitische Ambitionen. Doch Europa braucht sich gegenüber China nicht klein zu fühlen. Ein Vergleich westlicher und chinesischer Finanzströme zeigt: Der Westen investiert genauso viel in die Länder der sogenannten "Seidenstraße" und ist für viele Länder der bessere Partner.

China macht mit seiner "Neuen Seidenstraße" Werbung in eigener Sache. Seit 2013 propagiert Peking mit großem politischem Aufwand seine "Belt & Road-Initiative" als neues Entwicklungsmodell für Schwellenländer. Westliche Staaten sorgen sich vor Chinas wirtschaftlichen und geopolitischen Ambitionen und fordern eine Antwort auf die chinesische Strategie.

Unsere Studie "Was der Westen entlang Chinas neuer Seidenstraße investiert"  zeigt nun, dass der Westen der chinesischen Initiative selbstbewusst entgegentreten kann. Denn ein Vergleich von Finanzströmen offenbart: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind westliche Staaten ein mindestens genauso wichtiger Investor.

Vergleich der offiziellen Finanzierungsleistungen aus China un den westlichen Quellen in die "Belt & Road"-Region während der Jahre 2013-2017 in Mrd. US-Dollar
Vergleich der offiziellen Finanzierungsleistungen aus China un den westlichen Quellen in die "Belt & Road"-Region während der Jahre 2013-2017 in Mrd. US-Dollar

Aus westlichen Ländern sind zwischen 2013 und 2017 insgesamt etwa 290 Milliarden US-Dollar in die untersuchten "Belt & Road"-Länder, gegenüber etwa 285 Milliarden US-Dollar aus China geflossen. Eine Analyse einzelner Länder zeigt sogar: Für die große Mehrheit der untersuchten Staaten (16 von 25) sind Finanzströme aus westlichen Ländern wichtiger als aus China, zum Beispiel für Indien, Vietnam, Afghanistan, Ägypten und Nigeria. Nur für fünf Länder war China der wichtigere Partner, insbesondere für Pakistan, Kasachstan und Laos.

Ein wichtiger Grund dafür: Chinas "Belt & Road"-Ausgaben bleiben bisher stark hinter den Ankündigungen zurück. Im Vergleich dazu fließen aus westlichen Ländern konstante Investitionen in die betrachteten Länder. Die aufsummierten Zahlen würden noch deutlicher zugunsten des Westens ausfallen, wenn man die Finanzströme von vor 2013 mit in Betracht ziehen würde.

Der Westen verkauft sein Engagement unter Wert. Wir können von China lernen, wie man sich als guter Partner für die Entwicklung darstellt.
Bernhard Bartsch, Asien-Experte der Bertelsmann Stiftung

Der Westen könnte mehr Nutzen aus dem Projekt ziehen

China bemüht sich, auch EU-Staaten für seine "Belt & Road-Initiative" zu gewinnen. EU-kritischen politischen Kräften kommt das gelegen: Sie präsentieren China gerne als den besseren Partner. Doch das Beispiel Ungarn zeigt, dass die Zahlen dieser Rhetorik grundlegend widersprechen: Chinesische Investitionen spielen im Vergleich mit Transferleistungen und Investitionen aus westlichen Ländern, insbesondere der EU, so gut wie keine Rolle.

Grafik zu Finanzströmen aus China und den westlichen Quellen in die "Belt & Road"-Region
Grafik zu Finanzströmen aus China und den westlichen Quellen in die "Belt & Road"-Region

Angesichts der erheblichen Finanzierungsleistungen der westlichen Akteure, insbesondere der Europäischen Union und Deutschlands, kann die EU selbstbewusster als Partner in Schwellenländern auftreten. Die Diskussion über Infrastrukturförderung und Investitionen sollte nicht nur reaktiv als Antwort auf Chinas "Belt & Road-Initiative" geführt werden.

Die Europäische Union und Deutschland können eigene Institutionen, Technologien, Geschäftsmodelle und Wertvorstellungen in deutlich stärkerem Maße als bislang als Alternativen zu chinesischen Angeboten in der "Belt & Road"-Region vorstellen und aus Positivbeispielen mehr öffentlichen und diplomatischen Nutzen ziehen. Die 2018 vorgestellte "Konnektivitätsstrategie" der Europäischen Union, mit der die Verbindungen zwischen Europa und Asien ausgebaut werden sollen, bietet hierfür eine erste Plattform. Europa braucht dabei keine prinzipielle Gegenposition zu China zu beziehen. Im Rahmen der "Belt & Road-Initiative" existieren zahlreiche Bereiche, in denen China und Europa gleiche oder ähnliche Ziele verfolgen. Europa sollte vielmehr darauf hinarbeiten, in Drittländern Standards zu setzen, die dann auch für chinesische Finanzierungen gelten. Wo das gelingt, lassen sich Kräfte bündeln und gemeinsame Projekte betreiben.

Chinas "Belt & Road-Initiative" und die Aufmerksamkeit, die sie bekommt, sollte für den Westen allerdings Anlass sein, sich noch deutlich stärker in Schwellenländern zu engagieren. Gemessen an der relativen Wirtschaftskraft ist das chinesische Engagement immerhin 3,7mal größer als das westliche.

Studie

Publikation: Was der Westen entlang Chinas neuer Seidenstraße investiert

China propagiert seine "Belt & Road Initiative" als Entwicklungsinitiative für den eurasischen Kontinent und verfolgt damit geopolitische Ambitionen. ...

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