Bunte Frachtcontainer sind in einem Hafen aufeinandergestapelt und in Nahaufnahme zu sehen.
Erwan Hesry / unsplash.com - Public Domain

, Makro-Mythen: Importzölle: Eigentor oder Stütze für die heimische Wirtschaft?

Der designierte US-Präsident Donald Trump plant unter anderem höhere Importzölle auf ausländische Produkte, um die US-Wirtschaft zu stärken. Vieles spricht jedoch dafür, dass das genaue Gegenteil eintreten könnte. Dies erläutert unser Wirtschaftsexperte Thieß Petersen, der in unserer neuen Reihe "Makro-Mythen" bekannte Wirtschaftsthesen auf ihren Wahrheitsgehalt prüft.

Die Hoffnung, über eine Einschränkung von Importen die eigene Wirtschaft zu stärken, basiert auf folgenden Überlegungen: Exportiert ein Land viele Waren, wirkt das wie ein Treiber für Wachstum und Beschäftigung. Je mehr zum Beispiel deutsche Fabriken produzieren und ins Ausland verkaufen, desto mehr Geld fließt zurück, das wiederum der heimischen Produktion und Beschäftigten zugutekommen kann. Würden wir jedoch nur noch Waren aus anderen Ländern importieren, bräuchten wir hierzulande kaum noch Fabriken. Jobs und Wohlstand würden verloren gehen.

Daher ist es das erklärte Ziel vieler Länder, einen möglichst großen Exportüberschuss, auch Leistungsbilanzüberschuss genannt, zu erzielen. Eine Erhöhung von Importzöllen fördert dieses Ziel, weil ausländische Produkte dadurch teurer werden und somit an Attraktivität für die heimischen Konsumenten verlieren.

Was sagen die Zahlen?

Laut Theorie müsste daher ein hoher Importzoll zu einem Leistungsbilanzüberschuss führen. Tatsächlich aber ist das nicht immer der Fall. Betrachten wir zum Beispiel die durchschnittlichen Importzölle für Industriegüter, Erze und Metalle im Jahr 2015. Argentinien, Brasilien und Uruguay haben mit die höchsten Importzölle auf diese Güter. Gleichzeitig weisen alle drei Länder Leistungsbilanzdefizite auf, die zwischen 2,5 und 3,5 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. Japan, die Schweiz und Deutschland hingegen haben wesentlich geringere Zollsätze. Dennoch erzielen sie hohe Leistungsbilanzüberschüsse.

Der nicht eindeutige Zusammenhang zwischen Importzoll und Leistungsbilanzsaldo zeigt sich auch bei einem Blick auf die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). Alle Länder der EU haben den identischen Zollsatz. Dennoch fallen die Leistungsbilanzsalden sehr unterschiedlich aus: Deutschland konnte 2015 einen Leistungsbilanzüberschuss von fast 8,5 Prozent seines BIP vorweisen. Das Vereinigte Königreich hatte hingegen ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 5,4 Prozent.

Die Grafik zeigt, dass Länder wie Argentinien, Brasilien und Uruguay im Jahr 2015 trotz hoher Importzölle ein Leistungsbilanz-Defizit verzeichneten, während die Schweiz, Deutschland und Japan trotz niedriger Zölle einen hohen Leistungsbilanz-Überschu
Trotz hoher Importzölle verzeichneten Argentinien, Brasilien und Uruguay im Jahr 2015 Leistungsbilanzdefizite. Sie können diese Grafik in größerer Version rechts (in mobiler Ansicht: unten) herunterladen.

Warum können Importzölle die heimische Wirtschaft schwächen?

Ob ein Importzoll überhaupt die gewünschte Wirkung entfaltet, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Für die Höhe des Leistungsbilanzsaldos eines Landes sind zahlreiche Faktoren wichtig: Die Lohnstückkosten, die Qualität der heimischen Produkte, die Entwicklung des Wechselkurses und vieles mehr. Importzölle sind schon deshalb kein Allheilmittel zur Stärkung der heimischen Wirtschaft.

Dazu kommt: Egal wie sich andere Wirtschaftsfaktoren entwickeln, höhere Zölle auf importierte Güter erhöhen automatisch auch die Preise dieser Güter für Konsumenten und können so die Kaufkraft mindern. Es kann sogar passieren, dass höhere Importzölle die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Produkte schmälern. Denn ein Staat importiert nicht nur fertige Konsumgüter wie Fernsehern oder Lebensmittel, sondern auch Produkte, die von der heimischen Industrie weiterverarbeitet werden. Erhöhen sich durch Importzölle die Preise dieser sogenannten Vorleistungen, verteuern sich auch die Endprodukte der heimischen Industrie.

Im Fall von China und den USA ist aber auch ein ganz anderes Szenario denkbar: ein sogenannter Handelskrieg. Würden die USA beispielsweise die Zölle für chinesische Produkte drastisch erhöhen, würden die Chinese wahrscheinlich genau die gleiche Maßnahme einleiten: höhere Zölle für die Einfuhr amerikanischer Produkte nach China. Am Ende würden sich die Preise der jeweiligen Importgüter in beiden Ländern drastisch erhöhen. Die Leidtragenden wären vor allem die Konsumenten.

Fazit

Importzölle scheinen auf den ersten Blick ein geeignetes Mittel zu sein, um die wirtschaftliche Entwicklung im eigenen Land zu verbessern. Tatsächlich aber schwächt diese Einschränkung des internationalen Handels Wachstum und Beschäftigung in allen Volkswirtschaften, die von diesen Handelseinschränkungen betroffen sind – auch in dem Land, das diese Beschränkungen einführt.

Die ausführliche Analyse von Thieß Petersen können Sie rechts (in mobiler Ansicht: unten) herunterladen.

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