Ein Mann sitzt an einem Zeichentisch und ist über Bau- oder Zeichenpläne gebeugt.
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Hinter der insgesamt positiven Beschäftigungsentwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte verbirgt sich ein qualitativer Wandel der Beschäftigung. Denn vor allem in gering entlohnten und weniger qualifizierten Dienstleistungsberufen sowie im hoch entlohnten Bereich stieg die Erwerbstätigkeit an. In Berufen mit mittleren Qualifikationen stagnierte die Beschäftigung hingegen, bzw. nahm in manchen Berufsgruppen sogar deutlich ab.

Diese Polarisierungstendenzen waren zwar relativ schwach ausgeprägt, allerdings zeigt sich gerade auch hinsichtlich der Ausweitung der atypischen Beschäftigung eine zunehmende Spaltung des Arbeitsmarktes. Ursächlich hierfür sind neben dem technologischen Wandel und der Globalisierung auch die institutionellen Reformen auf dem deutschen Arbeitsmarkt seit den frühen 2000ern. Das zeigt unsere neue Studie.

Deutliche Verschiebungen in der Struktur

Zumindest die These vom "Ende der Arbeit" und einem generellen Rückgang des Beschäftigungsniveaus lässt sich für den deutschen Arbeitsmarkt bisher nicht bestätigen. Im Gegenteil: Die Erwerbstätigkeit hat sich gerade in den Jahren seit 2005 sehr positiv entwickelt und liegt mit 42,6 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2014 auch im längerfristigen Vergleich auf Rekordniveau.

Allerdings führte der ökonomische Strukturwandel seit Mitte der 1990er Jahre zu teils deutlichen Verschiebungen in der Struktur der Erwerbstätigkeit. Einzelne Berufe und Qualifikationsgruppen profitierten dabei unterschiedlich stark von der positiven Arbeitsmarktentwicklung. Das betrifft sowohl das Beschäftigungswachstum als auch die Entwicklung von Löhnen und atypischen Erwerbsformen in einzelnen Berufsgruppen.

Die einen gewinnen dazu, die anderen verlieren: Während Dienstleistungsberufe und hochqualifizierte Berufe zuletzt stark anwuchsen, vezeichneten Berufe in Produktion und Büro teils starke Verluste.

Berufe mit vielen Routinetätigkeiten besonders unter Druck

Wie die Studie zeigt, setzten der technologischer Wandel und die Globalisierung vor allem die Mitte des deutschen Arbeitsmarktes unter Druck. Hier gibt es besonders viele Berufe mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten, die zunehmend durch Computer und Maschinen übernommen oder ins Ausland verlagert werden können. Dies betrifft nicht nur manuelle Tätigkeiten in der Produktion wie die Bedienung und Kontrolle von Maschinen, sondern auch repetitive Tätigkeiten in Büroberufen, etwa in der Buchhaltung.

Deutliche Beschäftigungsgewinne gab es hingegen in jenen Berufsgruppen, in denen Kreativität und soziale Interaktion eine große Rolle spielen. Davon profitierten einerseits gut entlohnte und hochqualifizierte Berufe in Management, Forschung und Lehre, andererseits aber auch Berufe mit einfacheren Qualifikationen, etwa personenbezogene Dienstleistungsberufe (zum Beispiel Kellner, Friseure, Pflegehelfe) und Dienstleistungshilfskräfte (zum Beispiel Haushaltshilfen, Telefonverkäufer).

Allerdings geht die steigende Erwerbstätigkeit in weniger qualifizierten Dienstleistungsberufen mit einer hohen Verbreitung atypischer Erwerbsformen wie Minijobs und befristeter Verträge einher. Auch sind hier die Löhne, trotz steigender Nachfrage, im Zeitverlauf gesunken. Eine bessere Qualifizierung sowie eine intelligente Regulierung des Arbeitsmarkts können verhindern, dass sich die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit dadurch weiter verschärft.

Die komplette Studie finden Sie untenstehend. In der rechten Spalte steht Ihnen außerdem eine Kurzfassung in Form eines Policy Briefs zur Verfügung.

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