finale.jpg
Besim Mazhiqi

Die 24-jährige Sopranistin Elsa Dreisig aus Frankreich und der 28-jährige Bass Anatoli Sivko aus Weißrussland haben den 16. Internationalen Gesangswettbewerb NEUE STIMMEN der Bertelsmann Stiftung gewonnen. Die zwei Sänger erhalten ein Preisgeld von jeweils 15.000 Euro und haben nun besten Chancen auf eine erfolgreiche Opernkarriere.

Am Finale in der Stadthalle Gütersloh hatten am 24. Oktober fünf Sängerinnen und sechs Sänger teilgenommen. Insgesamt wurden Geldpreise in Höhe von 60.000 Euro an die drei Erstplatzierten vergeben. Die weiteren Finalteilnehmer erhielten Förderpreise. Musikalisch wurden die Nachwuchstalente von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung des englischen Dirigenten Graeme Jenkins begleitet.

Hintere Reihe von links nach rechts: Dominique Meyer, Vorsitzender der Jury, und Liz Mohn, Präsidentin der NEUEN STIMMEN und stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung. Vordere Reihe von links nach rechts: Anatoli Sivko, 1. Preisträger der NEUEN STIMMEN 2015, und Elsa Dreisig, 1. Preisträgerin der NEUEN STIMMEN 2015.

Das sind die Gewinner der NEUEN STIMMEN 2015:

Damen

1. Preis 15.000 Euro: Elsa Dreisig, Sopran (Frankreich, geboren 1991)

2. Preis 10.000 Euro: Miriam Albano, Mezzosopran (Italien, geboren 1991)

3. Preis   5.000 Euro: Bongiwe Nakani, Mezzosopran (Südafrika, geboren 1989)

Herren

1. Preis 15.000 Euro: Anatoli Sivko, Bass (Weißrussland, geboren 1987)

2. Preis 10.000 Euro: Darren Pati, Tenor (Neuseeland, geboren 1987)

3. Preis   5.000 Euro: Lukhanyo Moyake, Tenor (Südafrika, geboren 1986)

Insgesamt rund 1.400 Sängerinnen und Sänger aus 72 Ländern hatten sich für die weltweiten Vorauswahlen der NEUEN STIMMEN beworben. Diese fanden auf 6 Kontinenten und in 26 Städten statt. Am Ende qualifizierten sich 42 junge Operntalente für die einwöchige Endrunde in Gütersloh. 19 Sängerinnen und Sänger erreichten das Semifinale, das am 22. Oktober stattfand. Hier entschied sich die Jury, 11 Nachwuchstalente ins große Finale zu schicken.

Liz Mohn, die Präsidentin des Wettbewerbs und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, betonte in ihrer Festrede, dass es erfahrene Experten brauche, um herausragende Operntalente entdecken zu können: "Auch nach dem Finale unterstützen wir unsere jungen Sängerinnen und Sänger weiter. Denn für sie ist es nicht immer einfach, in der Welt der Oper ihren Platz zu finden. Dafür setzen wir unser weit gespanntes Netzwerk aus Fachleuten und erfahrenen Ratgebern ein", so Mohn.  

Die Preisträger der NEUEN STIMMEN 2015 im Portrait (in alphabetischer Reihenfolge)

Miriam Albano studierte am Conservatorio di Musica Benedetto Marcello in Venedig zunächst Violine, bevor sie mit 16 Jahren ihr Gesangstudium aufnahm. 2011 schloss sie mit Auszeichnung ab und setzt die Ausbildung seither fort an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Dort debütierte sie 2013 im Schlosstheater Schönbrunn als Cherubino, zuvor war sie im Teatro Malibran in Venedig als Amore zu hören. Vergangenen August sang sie im Rahmen der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik die Sidonie in Armide. 2014 sang sie im Radio Kultur Haus Wien Les Nuits d'été von Hector Berlioz unter der Leitung von Leopold Hager; auf dem Festival Galuppi präsentierte sie die Wesendonck Lieder. Die Mezzosopranistin war u. a. Preisträgerin beim International Singing Competition "Ferruccio Tagliavini" in Österreich und beim International Singing Competition Pietro Antonio Cesti in Innsbruck.

Elsa Dreisig ist Stipendiatin der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung am Internationalen Opernstudio der Staatsoper Berlin und Mitglied am Opéra-Théâtre de Clermont-Ferrand. Die Sopranistin, früh ausgebildet in den Kinder- und Jugendchören der Opernhäuser der Wallonie und Lyon, studierte am Pariser Konservatorium und an der Musikhochschule Leipzig. 2012 gewann sie den Wettbewerb "Des Mots et des Notes" in Paris, 2014 den ersten Preis des Wettbewerbs 'Ton und Erklärung'. Elsa ist Teil des "Ensembles 101" für zeitgenössische Musik und Mitglied des Familien-Ensembles 4D (4 Dreisig). 2014 war sie als Nanette in Der Wildschütz in Leipzig zu sehen, studierte in Aix-en-Provence an der Schubert-Académie unter der Leitung von Matthias Goerne und Markus Hinterhäuser und nahm an der NEUE STIMMEN Liedmeisterklasse teil. 2015 gewann sie den zweiten Preis beim Queen Sonja internationalen Musikwettbewerb in Norwegen. Elsa singt in zahlreichen Liederabenden und Konzerten.

Lukhanyo Moyake ist engagiert am Artscape Theatre Opera House in Kapstadt, Südafrika. Seit seinem Studienabschluss 2011 ist er diesem Haus verbunden und hat in zahlreichen Produktionen verschiedene Partien interpretiert, darunter den Alfredo in La Traviata, Jaquino in Fidelio und Belmonte in Die Entführung aus dem Serail. Mit der "Cape Town Oper Produktion" von Porgy und Bess war Lukhanyo auf Tournee in Spanien und sang 2014/2015 sowohl am Teatro Real de Madrid als auch am Gran Teatre del Liceu Barcelona die Rolle des Sportin' Life. Im Sommer 2015 qualifizierte er sich für die Finalrunde des Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs in Amsterdam. Neben seiner Opernkarriere widmet sich der Tenor dem Konzertfach und singt Lied und Oratorien.

 

 

Die Mezzosopranistin Bongiwe Nakani befindet sich im ersten Post-Graduate-Jahr an der University of Cape Town. In Kooperationsproduktionen mit der Cape Town Opera steht sie regelmäßig auf der Bühne, u.a. als Rosina in Il barbiere di Siviglia und demnächst als Elisabetta in Maria Stuarda. Aufgewachsen ist Bongiwe im Khayelitsha-Stadtteil von Kapstadt, einem Township, das berüchtigt ist für Arbeitslosigkeit, HIV und eine hohe Kriminalitätsrate. Die junge Sängerin erkämpfte sich ihren Traum und ist in ihrer Heimat bereits als junges Operntalent sehr bekannt; 2012 durfte sie anlässlich des 94sten Geburtstages von Nelson Mandela vor internationalen Staats- und Regierungschefs bei der UN-Nationalversammlung in New York auftreten. Bongiwe wurde mehrfach ausgezeichnet mit dem The Schock Foundation Prize for Singing.

 

 

 

Darren Pene Pati, gebürtiger Samoaner, wuchs in Neuseeland auf und begann sein Gesangsstudium an der University of Auckland. 2012 erlangte er seinen Master of Music an der Wales International Academy of Voice in Cardiff. Zudem ist Pene Pati Absolvent des Merola Opera Program der Oper San Francisco. Als Nachwuchstalent wurde Pene in zahlreichen Gesangswettbewerben ausgezeichnet. Im Sommer 2015 erzielte er den 2. Preis bei Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb, 2014 gewann er die Montserrat Caballé International Singing Competition sowie 2012 den Joan Sutherland and Richard Bonynge Bel Canto Award. Zusammen mit seinem Bruder Amitai und seinem Cousin tritt er als Sol3Mio mit einem Mix aus klassischer Gesangsliteratur und samoanischen Popsongs auf.

 

 

Anatoli Sivko studierte in Minsk von 2008 bis 2013 an der Belarusian State Academy of Music Gesang. Anschließend war er am dortigen Bolshoi Theatre of Opera and Ballet als Solist engagiert. Anatoli hat zahlreiche Preise gewonnen, darunter 2015 den 2. Preis des International Singing Contest Francisco Viñas in Spanien. 2011 nahm der Bassist am Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil. Partien wie Attila in Verdis gleichnamiger Oper, King Rene in Iolanta, oder Zuniga in Carmen führten ihn an große Häuser wie das Royal Opera House Covent Garden in London, den Concertgebouw Amsterdam und das Opernhaus in Zürich. In der Spielzeit 2015/2016 hat er ein Gastengagement an der Bayerischen Staatsoper in München, er debütiert dort mit der Partie des Samuel in Un ballo in maschera. Anatoli ist zudem als Konzertsänger tätig.

 

 

 

Impressionen von der Endrunde inklusive Semifinale und Finale in Bildern

Das komplette Semifinale, das komplette Finale und alle Einzelarien können Sie sich noch einmal in unserer YouTube-Playliste ansehen und -hören.