Konferenztisch mit Notebook, im Hintergrund eine verschwommen erkennbare Besprechungsszene
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Der diesjährige Index beschäftigt sich nicht nur mit der digitalen Transformation des Wirtschaftssystems, sondern vor allem auch mit der Frage, wie die Gesellschaft in Deutschland den digitalen Wandel – mit all seinen Vorteilen und Herausforderungen – erlebt. Der Index zeigt auf, wo die Vorteile der Digitalisierung bereits erkannt und genutzt werden, aber auch und noch viel wichtiger, wo Ängste, Unsicherheiten und damit Aufklärungs- und Weiterbildungsbedarf bestehen. Die Bertelsmann Stiftung hat sich speziell am Kapitel über die Zukunft der Arbeit beteiligt und eingebracht.

Dass sich durch die Digitalisierung die Wirtschaft und das Arbeiten ändern werden und müssen, wird inzwischen nicht mehr bestritten. Strittig und ungeklärt ist zurzeit aber noch die Frage, wie “Arbeiten 4.0” und “Industrie 4.0” Eingang in die tägliche Arbeit finden können. Das D21-Kapitel, das sich mit dieser Frage beschäftigt, zeichnet ein eindeutiges Bild: Die Arbeitnehmer kommen deutlich häufiger mit dem Arbeiten im Internet und der Nutzung verschiedener (mobiler) Endgeräte in Kontakt als der durchschnittliche, nicht-beschäftigte Internetnutzer in der Bevölkerung. Die Nutzungsvielfalt in den Büros der Republik fällt demgegenüber aber deutlich ab, da meist Einheits-IT vom Arbeitgeber vorgeschrieben wird. Hinzu kommt, dass Weiterbildung mehrheitlich dem Zufall und der Selbstorganisation überlassen wird.

Technische und kulturelle Hürden am Arbeitsplatz

Jeweils ein Drittel der Befragten erlebt bei der Nutzung von Internet und Endgeräten am Arbeitsplatz Zugangs- und Nutzungsbeschränkungen sowie fehlendes WLAN. Ein Viertel der Befragten gab an, dass veraltete IT den Zugang in die digitale Welt erschwere. Bedenklich stimmen muss zudem, dass der Anteil derer, die veraltete oder gar fehlende IT am Arbeitsplatz als Gründe für eine Nicht-Nutzung angegeben haben, gegenüber 2014 sogar noch angestiegen ist. Diese multiplen technischen und kulturellen Hürden bei der Nutzung digitaler Werkzeuge führen denn auch dazu, dass erst jeder fünfte Beschäftigte ein adäquates Home Office nutzen kann; allzu häufig wird von den Beschäftigten angegeben, dass diese technischen Probleme sie von der stärkeren Nutzung des Netzes abhielten.

Aber nicht nur technische Aspekte sind verantwortlich für die fehlende Nutzung digitaler Werkzeuge und die Anwendung moderner Arbeitsformen. Vor allem im jeweiligen Betrieb verankerte kulturelle Gründe verhindern eine stärkere Digitalisierung und ein zukunftsfähiges Arbeiten. Als häufigste Gründe werden von Beschäftigten genannt: Keine Möglichkeit bei der Mitgestaltung des Arbeitsplatzes (28 Prozent), kein örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten möglich (27 Prozent), IT-Richtlinien (26 Prozent), kein abteilungsübergreifendes Arbeiten erwünscht (20 Prozent) und kein Vorleben der Nutzung digitaler Werkzeuge durch die Vorgesetzten (17 Prozent). In 14 Prozent der Fälle ist gar eigenständiges Arbeiten nicht erwünscht. Jeder zehnte Beschäftigte berichtet, dass Digitalisierung durch sein Unternehmen eher als Bedrohung wahrgenommen wird. Auffällig dabei ist, dass die Digitalisierung in den Betrieben von Männern durchweg positiver empfunden wird als von Frauen.

Unternehmen stehen sich selbst im Weg

Im Kern scheint sich damit empirisch ein Trend zu bestätigen, der unter Experten bereits seit Jahren so wahrgenommen wird und sich jetzt auch im Arbeitsalltag niederschlägt: Die Nutzungserfahrungen aus dem privaten Bereich mit Plattformen, Werkzeugen, Diensten, und Endgeräten, die alle sehr viel stärker auf die Bedürfnisse des Nutzers ausgerichtet sind, werden zunehmend als Erwartung auch gegenüber den Werkzeugen am Arbeitsplatz formuliert. Einheits-IT, standardisierte und rein angebotsorientierte Software, interne Richtlinien und fehlende WLAN-Hot-Spots haben in den letzten Jahren eine technisch abgekapselte unternehmensinterne IT-Welt geschaffen, die immer stärker als Barriere auf dem Weg zu produktiver Arbeit wahrgenommen wird. Würden die Unternehmen hierzulande ihren Mitarbeitern mehr digitale Freiheit und Flexibilität gestatten, so zeigt es der Index, wäre die Mehrheit bereits ein ganzes Stück weiter auf dem digitalen Pfad in die Zukunft.

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