Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Wege aus der Flucht (LP)

Leseprobe Kapitel Afghanistan

  • 1. Auflage 2018 (PDF)
  • kostenlos

Flucht und Migration sind ein essenzieller Teil der jüngeren Geschichte Afghanistans. Die Migrationstrends und ­dynamiken haben sich allerdings im Laufe der Jahre verändert. So sind im heutigen Afghanistan Flüchtlingsströme nicht länger die primäre Ursache von Migrationsbewegungen. Stattdessen charakterisieren das Land sogenannte gemischte Migrationsmuster. Nach den Syrern stellen Afghanen mit rund 200.000 Ankünften im Jahr 2015 und 187.000 Ankünften im Jahr 2016 die zweitgrößte Gruppe an Migranten dar, die in die EU eingereist sind. Auf der Suche nach einem besseren Leben sind es für diese Afghanen vor allem wirtschaftliche Gründe, die sie motivieren, ihr Land zu verlassen. Hinzu kommt, dass das Flüchtlingsaufkommen seit 2001 insgesamt abgenommen hat, Millionen an registrierten und nicht registrierten Afghanen aber weiterhin in Pakistan oder im Iran leben. Die Größenordnung dieser gemischten Migrationsbewegungen und die vielschichtigen Faktoren, die den individuellen Entscheidungen zur Auswanderung zugrunde liegen, machen es schwierig, die Wanderungsbewegungen in klassische Politikkategorien einzuordnen. Dies hat wichtige Konsequenzen für die zukünftige Entwicklung Afghanistans und die Regierungsführung im Land und wirft entscheidende Fragen auf, was die Ausgestaltung und Implementierung von Politiken angeht – Fragen, die von der afghanischen Regierung bisher nicht erfolgreich angegangen wurden.

Leseprobe aus dem Buch "Wege aus der Flucht" Verlag Bertelsmann Stiftung 2018.